Wie können Unternehmen und Wissenschaft gemeinsam die Wertschöpfung steigern und für Wachstum sorgen? Das InnovationFestival gab Antworten und machte Mut für mehr Transfer.
Reges Treiben auf dem Campus Bielefeld, wo Universität und Hochschule Bielefeld zuhause sind. Das ist erst einmal nichts Besonderes. Schließlich sind hier über 35.000 Studierende eingeschrieben. Doch an zwei Tagen im September waren auch gut 500 Unternehmerinnen und Unternehmen auf dem Gelände unterwegs. Sie waren gekommen, um am InnovationFestival teilzunehmen, das von der Bielefeld Research + Innovation Campus GmbH (BRIC) initiiert und organisiert wird. Es soll Köpfe aus Wirtschaft und Wissenschaft zusammenbringen, um ins Gespräch zu kommen, über gewohnte Grenzen hinauszudenken und Vernetzung zu praktizieren. Kein schlechter Ort also, um über neue Technologien, Transfer, Innovationen und regionale Wertschöpfung zu diskutieren.
Für Universität und Hochschule war diese „Hausmesse eine Möglichkeit, Forschung sichtbar zu machen und zu zeigen, was wir können und was wir tun“, sagte Dr. Christina Hoon von der Universität Bielefeld. Die Ökonomin hat eine Professur für Familienunternehmen. Der Transfer von der Hochschule in die Wirtschaft ist ihr ein besonderes Anliegen, weil die Stärkung der Innovationskraft des regionalen Mittelstands auch eine Aufgabe der Universität sei.

„Wir können die Voraussetzung für neues Wachstum, neue Innovationen und neue Wertschöpfung schaffen. Ein zentraler Hebel ist dabei das Unternehmertum. Die Innovationskraft von neu gegründeten Unternehmen und Familienunternehmen hat der Region schon immer gutgetan. Das müssen wir bewahren“, so Hoon. Forschung müsse jedoch lesbar sein und in die Praxis passen, betonte die Wissenschaftlerin.
Die Wichtigkeit von Transfer betonte auch Professorin Dr. Michaela Vogt, Prorektorin für Internationales, Diversität und Gesellschaft an der Universität Bielefeld. Dabei gehe es um eine Begegnung auf Augenhöhe. „Wir müssen die Impulse aus der Wirtschaft und die Forschungsexzellenz von Universität und Hochschule zusammenbringen und zum Innovationsmotor machen“, sagt Dr. Michaela Vogt. Es sei Aufgabe der Hochschule, Innovationsökosysteme zu schaffen und Interessen, Kompetenz und Innovation zusammenzubringen. „Wir haben eine extreme Verantwortung im Bereich Transfer, gemeinsam mit den Unternehmen für unsere Region OWL“, so Professorin Vogt. Formate wie das InnovationFestival seien ideal, um Transfer anzubahnen.

Neugier und Interesse waren wohl die stärksten Motive der meist aus der Region kommenden Unternehmerinnen und Unternehmen, die an den beiden Festivaltagen den Campus besuchten. Die zahlreichen Vorträge, Workshops und Führungen zu aktuellen Fragestellungen boten gute Möglichkeiten, aktuelle Forschung kennenzulernen und neue Impulse für die eigene Arbeit zu entdecken.
Andreas Dolle war einer von ihnen. Der Geschäftsführer der ADM – Akademie für den Lösungsvertrieb entwickelt Ausbildungs- und Beratungsprojekte rund um Veränderungsmanagement und Business-Transformation. Formate, die sich mit den Themen Zukunft und Innovation beschäftigen, sind für ihn eine ideale Möglichkeit, sich zu informieren, mit anderen in den Gedankenaustausch zu treten und sein Netzwerk zu erweitern. „Ich glaube, Innovation hat viel mit Austausch und mit der Bereitschaft zu tun, sich selbst zu öffnen“, sagte der Paderborner Unternehmer, der mit einem konkreten Kontakt in die Wissenschaft zum Thema Sprachsysteme nach Hause ging. „An dieses Gespräch werden wir künftig anknüpfen“, so Andreas Dolle.
Unter den Gästen war auch Dominik Bunte, Production Quality Manager im Zentralen Qualitätsmanagement bei Miele, der bereits im letzten Jahr das InnovationFestival besuchte. Bei der Premiere habe ihn das InnovationFestival bei seiner Bachelorarbeit weitergebracht. Diesmal sei er gekommen, um Technologie-Impulse zu sammeln: „Wie lässt sich KI sinnvoll in den Produktionsprozess einbinden? Und wie kann ich Akzeptanz bei den Mitarbeitenden schaffen, die Angst haben, ersetzt zu werden?“
„Wir sind neugierig und wir vernetzen uns gerne.“
Keine Berührungsängste mit der Wissenschaft haben auch die beiden erfolgreichen Familienunternehmer Wilhelm Böllhoff und Dr. Andreas Hettich, die seit Jahren die Nähe zu Hochschule und Universität Bielefeld suchen und in ihrer langjährigen Firmengeschichte immer wieder mit neuen Innovationen von sich reden gemacht haben. Sie berichteten bei der Podiumsdiskussion zum Thema „New Wirtschaftswunder“, dass Neugierde, Mut und Freiheit wichtige Voraussetzungen für Innovationen und damit für Wachstum seien. „Die meisten Ideen entstehen nicht im Labor, sondern an verschiedensten Orten“, so Dr. Hettich. Leider könne man sich in vielen Regionen dieser Welt mehr bewegen als in Deutschland. „Zu viele Regularien und Bedenken bremsen uns aus. Wir sind zu langsam, Fortschritt passiert woanders“, sagte Andreas Hettich. Wichtig sei es, einfach zu machen und zu schauen, ob es funktioniert. Das sei ausgeprägter Mittelstand. Auch Wilhelm Böllhoff zeigte sich wenig euphorisch beim Blick auf die aktuellen Rahmenbedingungen. „Als Volkswirtschaft haben wir herausfordernde Zeiten vor uns. Aber ich sehe auch die vielen Innovationsmöglichkeiten in unseren Prozessen und Produktionen. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass in der Kombination aus Produkt und Prozess gute Chancen liegen, wieder wettbewerbsfähiger zu werden“, sagte der Spezialist für Verbindungen.
Mit Zuversicht verließen auch viele Besucherinnen und Besucher den Campus – der eine oder die andere sogar mit einer neuen Perspektive oder einer unerwarteten Idee im Kopf.
Vertreter von Hochschule und Universität zogen ebenfalls ein positives Fazit, wie Willy Zubert von der Fakultät für Chemie an der Universität Bielefeld: „Ich habe hier tolle und unerwartete Kontakte knüpfen können.“ So sei beispielsweise ein regionaler Lackhersteller auf das Team zugekommen und habe gefragt, ob sich dessen Innovation auf weitere Produkte übertragen lasse.
„Transfer ist keine Einbahnstraße, wir freuen uns darauf, auch künftig die Fragestellungen der Unternehmen kennenzulernen“, sagte Pedro Campos Silva, Geschäftsführer der Bielefeld Research + Innovation Campus GmbH (BRIC). „Nur wer Neues wagt, schafft Raum für Innovation – in der Forschung und im Unternehmen.“














