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OWL MASCHINENBAU

„Wir müssen Innovation stärker gemeinsam organisieren“

Ostwestfalen-Lippe ist eine starke Maschinenbauregion. Doch Märkte, Anforderungen und Technologien ändern sich und setzen die Branche unter Druck. Im Interview spricht Christian Johow, Geschäftsführer von owl maschinenbau e. V., über aktuelle Herausforderungen der regionalen Maschinenbauer und erfolgreiche Netzwerkarbeit als Instrument zur Stärkung der Zukunftsfähigkeit. 

Herr Johow, die Herausforderungen der Wirtschaft sind groß. Das gilt auch für den Maschinenbau. Wie sehen Sie die aktuelle Situation, was bekommen Sie von Ihren Mitgliedsunternehmen gespiegelt?

Christian Johow: Die Lage im Maschinenbau ist derzeit ausgesprochen angespannt, allerdings nicht in allen Unternehmen und Teilbranchen gleichermaßen. Was uns unsere Mitglieder spiegeln, ist vor allem eine große Unsicherheit: Investitionsentscheidungen werden verschoben, Aufträge kommen kurzfristiger und die Planbarkeit nimmt ab. Viele Unternehmen verfügen durchaus noch über Auftragsbestände, spüren aber gleichzeitig, dass sich die Märkte verändern und der Druck auf Preise, Lieferzeiten und Innovationsgeschwindigkeit zunimmt. Die aktuellen Zahlen zeigen ebenfalls ein sehr heterogenes Bild. Der Auftragseingang entwickelte sich im ersten Halbjahr 2026 zwar insgesamt leicht positiv, wurde aber stark vom Ausland und von einzelnen Großaufträgen getragen. Das Inlandsgeschäft blieb verhalten. Im Juli verzeichnete der Maschinenbau ein Auftragsplus von zwei Prozent, erneut mit Impulsen aus dem Ausland und einem schwachen Inlandsgeschäft. Das ist noch kein stabiler Aufschwung. Gleichzeitig erlebe ich unsere Mitgliedsunternehmen keineswegs als mutlos. Im Gegenteil: Viele prüfen sehr genau, wie sie ihre Organisation effizienter aufstellen, neue Märkte erschließen und Technologien wie künstliche Intelligenz sinnvoll einsetzen können. Neben der konjunkturellen Lage beschäftigen die Unternehmen vor allem Cybersecurity, praktische KI-Anwendungen, Innovation und neue Geschäftsmodelle. Das hat sich auch in unserer letzten halbjährlichen Mitgliederbefragung deutlich gezeigt.


„Die Herausforderungen sind zu komplex geworden, um sie dauerhaft allein zu lösen.“


Die Maschinenbaubranche steht vor tiefgreifenden Veränderungen: geopolitische Krisen, die Transformation und der Fachkräftemangel. Wo sehen Sie die wichtigsten Stellschrauben, an denen Maschinenbauer ansetzen müssen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken?

Christian Johow: Eine einzelne Stellschraube wird meiner Meinung nach nicht ausreichen. Entscheidend ist aus meiner Sicht das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Erstens müssen Unternehmen ihre Prozesse konsequent auf Geschwindigkeit, Transparenz und Effizienz ausrichten. Digitalisierung und künstliche Intelligenz dürfen dabei nicht als Selbstzweck betrachtet werden. Sie müssen konkrete Probleme lösen, beispielsweise in der Konstruktion, Produktionsplanung, Administration, im Service oder im Wissensmanagement.

Zweitens müssen wir stärker über Wissen und Kompetenzen sprechen. Fachkräftesicherung bedeutet nicht allein, zusätzliche Menschen zu gewinnen. Es geht ebenso darum, vorhandenes Erfahrungswissen zu bewahren, Beschäftigte weiterzuentwickeln und Mensch und Technologie sinnvoll miteinander zu verbinden. In unseren Zukunftsarbeiten zum KI-gestützten Maschinenbau zeigt sich, dass sich Kompetenzprofile deutlich verändern werden. KI und Automatisierung können repetitive Aufgaben übernehmen, gleichzeitig entstehen neue Anforderungen an Qualifizierung, Datenkompetenz und Verantwortlichkeiten.  

Drittens brauchen Unternehmen mehr strategische Beweglichkeit. Niemand kann heute sicher vorhersagen, wie sich Märkte, Handelsbeziehungen oder Technologien in den kommenden Jahren, geschweige denn Monaten, teilweise auch nur in Wochen entwickeln. Deshalb sollten Unternehmen nicht auf die eine erwartete Zukunft setzen, sondern Fähigkeiten aufbauen, die sie unter unterschiedlichen Bedingungen handlungsfähig machen. Genau darin liegt der Wert von Szenarien und strategischer Vorausschau.

Und schließlich müssen wir Innovation stärker gemeinsam organisieren. Gerade mittelständische Unternehmen können nicht jede Technologie, jede Kompetenz und jede Entwicklung im eigenen Haus abbilden. Wer Forschung, Startups, spezialisierte Partner und andere Maschinenbauer gezielt einbindet, kann schneller lernen und Risiken teilen.

Vor zwei Jahren wurde auf der FMB der Sondermaschinenbau als besonderer Schwerpunkt auf einer eigenen Fläche fokussiert. Was zeichnet den Sondermaschinenbau in der Region aus, was macht ihn besonders und welchen Herausforderungen muss er sich stellen?

Christian Johow: Der Sondermaschinenbau in Ostwestfalen-Lippe verbindet mittelständische Kundennähe mit hoher technologischer Spezialisierung. Viele Unternehmen entwickeln individuelle Maschinen und Anlagen für anspruchsvolle Nischenmärkte und sind dort international erfolgreich, auch wenn sie außerhalb ihrer Branchen häufig wenig bekannt sind. Besonders machen ihn das über Jahrzehnte aufgebaute Erfahrungswissen, die hohe Fertigungstiefe und die Fähigkeit, komplexe Kundenanforderungen in robuste Lösungen zu übersetzen. Die zentrale Herausforderung besteht darin, diese Flexibilität und Kompetenz unter wachsendem Kosten- und Wettbewerbsdruck zu erhalten und zugleich Digitalisierung, KI, Fachkräftesicherung und neue Geschäftsmodelle voranzutreiben.

owl maschinenbau ist bekannt für seine erfolgreiche Netzwerkarbeit und Kooperationen mit regionalen Forschungseinrichtungen. Warum ist Vernetzung heute so wichtig?

Christian Johow: Weil die Herausforderungen zu komplex geworden sind, um sie dauerhaft allein zu lösen. Künstliche Intelligenz, Cybersicherheit, Kreislaufwirtschaft, neue Geschäftsmodelle oder Fachkräftesicherung betreffen zwar fast alle Unternehmen, aber kaum ein mittelständischer Maschinenbauer kann für jedes dieser Themen eigene Spezialisten und vollständige Entwicklungsstrukturen vorhalten. Ein gutes Netzwerk bringt deshalb nicht einfach möglichst viele Kontakte zusammen. Es verbindet konkrete Fragestellungen aus der industriellen Praxis mit den passenden Erfahrungen, Kompetenzen und Forschungspartnern. Im besten Fall entsteht daraus nicht nur Austausch, sondern gemeinsames Handeln: Unternehmen lernen voneinander, Forschung erhält Zugang zu realen Anwendungsfällen und neue Lösungen können schneller in die betriebliche Praxis übertragen werden.

Unsere Aufgabe bei owl maschinenbau sehe ich genau darin: Themen frühzeitig erkennen, die richtigen Menschen zusammenbringen, einen vertrauensvollen Austausch ermöglichen und den Transfer in die Unternehmen organisieren. Das entspricht auch dem in unseren Gründungsgedanken formulierten Anspruch, die wirtschaftliche und technologische Stärke des regionalen Maschinenbaus durch Erfahrungsaustausch, Wertschöpfungspartnerschaften und die stärkere Einbindung der Hochschulen auszubauen.

Für mich ist Vernetzung daher kein Selbstzweck, sondern ein ganz konkreter Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaftsregion. Ostwestfalen-Lippe besitzt mit seinem starken industriellen Mittelstand, seinen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Netzwerken hervorragende Voraussetzungen. Entscheidend ist aber, dass wir diese Stärken auch miteinander verbinden. Wenn Unternehmen voneinander lernen, gemeinsam Lösungen entwickeln und Wissen teilen, profitieren davon nicht nur einzelne Beteiligte. Es stärkt den gesamten Wirtschafts- und Industriestandort Ostwestfalen-Lippe. In einer Zeit, in der die Herausforderungen immer komplexer werden, ist die Fähigkeit zur Zusammenarbeit selbst zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor geworden, davon bin ich tatsächlich überzeugt.

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