Energetische Sanierung von Betriebsstandorten: Warum am Anfang die Planung steht – nicht die Technik

Wie aus einzelnen Energieprojekten ein Standort wird, der zusammenpasst – heute und in Zukunft

Machen wir uns nichts vor: Die energetische Modernisierung von Betriebsstandorten ist nicht selten mit hohen Investitionskosten verbunden. Und die mitunter langen Jahre bis zum Return on Invest dämpfen verständlicherweise zusätzlich die Stimmung für neue Projekte. Dennoch ist besonders in diesem Kontext klar: „Wer nicht geht mit der Zeit, geht mit der Zeit!“

Die Gründe dafür sind handfest und betreffen unterschiedliche Rollen. Eigentümer von Gewerbeobjekten tun sich mit der Neuvermietung schwer, wenn der Vormieter wegen zu hoher Betriebskosten ausgezogen ist. Auf der Betreiberseite gilt dieselbe Logik mit umgekehrtem Vorzeichen: Wer Strom aus eigener Erzeugung in der Betriebsrechnung hat, senkt seine Energiekosten und verschafft sich einen Wettbewerbsvorteil. Und im Kundengeschäft wächst der Anspruch an „Zero Emission“ – wer ihn ignoriert, verliert auf Dauer Aufträge.

Die Photovoltaik-Anlage hat mittlerweile schon einen festen Platz auf dem Dach. Dazu passen auch ein Batterie-Speicher und die Wärmepumpe. In zunehmendem Maße kommt die Ladeinfrastruktur für den Pkw-Fuhrpark und Nutzfahrzeuge hinzu.

Was hoffentlich niemanden überrascht: Die Komponenten können nicht einfach, wie die berühmten bunten Kunststoff-Bauklötzchen, zusammengesteckt werden. Wie die einzelnen Komponenten zusammenspielen, bestimmen die Regeln der Elektrotechnik – nicht die Investitionsrechnung, nicht der Leistungspeak der PV-Anlage, nicht die Kapazität des Batteriespeichers, nicht die Ladeleistung der einzelnen Ladepunkte.

Die 22 besten Fußballspieler dieser Welt können kein WM-Finale austragen ohne Rasen, ohne Ball, ohne Linien, ohne Schiedsrichter, Trainer, Trikots, Seitenlinien und Regelwerk. 22 Menschen in kurzen Hosen sind kein Fußballspiel.

Kein Zusammenspiel ohne Plan

Der gemeinsame Nenner aller Energieprojekte ist die Infrastruktur, die sich alle Komponenten teilen: Netzanschluss, Hausverteilung, Kabeltrassen, Energiemanagement-Systeme, Software und Schaltanlagen. Wer ein einzelnes Gewerk plant, ohne den späteren Bedarf der anderen zu kennen, dimensioniert ohne Anker – und trifft mit dem nächsten Projekt auf eine Infrastruktur, die nicht dafür ausgelegt wurde. Die nachträgliche Anpassung kostet dann erheblich mehr als die vorausschauende Planung gekostet hätte. Und für alle Vorhaben muss dann auch genug Energie am Standort ankommen oder den Standort wieder verlassen können. Das geht über den Netzanschluss. Der Ausbau des Netzanschlusses kostet Zeit und kostet Geld. Die Netzkapazitäten sind schon heute vielerorts am Anschlag. Nicht jeder Standort bekommt die beantragte Leistung. Neue Mittelspannungsringe entstehen mit vielen Jahren Vorlaufzeit – nicht selten zehn Jahren oder mehr. Wer also den Netzanschluss „anfasst“, ohne den zukünftig potenziell größten Verbraucher am Standort – die Ladeinfrastruktur – mitzudenken, um eine neue PV-Anlage ins Netz einspeisen zu können, manövriert mitunter in eine Sackgasse.

Die Überschrift verrät es schon: Auf all dies gibt es eine Antwort. Und die nennt sich „Planung“.

Was „Planung“ wirklich heißt

„Planung“ ist ein dehnbarer Begriff. Für den einen ist es eine grobe Skizze des Stellplatzes, für den anderen ein vergabefertiger Plansatz – und diese Unschärfe weckt schnell falsche Erwartungen. In der Bau- und Ingenieurwelt ist das längst gelöst: Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) gliedert Planung in neun aufeinander aufbauende Leistungsphasen, von der Grundlagenermittlung über die Entwurfs- und Ausführungsplanung bis zur Objektüberwachung.

Aber als Lade.ZEIT machen wir doch nur die Ladeinfrastruktur?

Genau. Und daher gehört für uns der Standort als Gesamtobjekt in unsere Planungskultur. Oft schon Jahre, bevor die Projektierung und Umsetzung beginnt, legen wir – vom größten Verbraucher Ladeinfrastruktur her gedacht – fest, welches Zusammenspiel wir mit den anderen Gewerken und der Energieinfrastruktur insgesamt brauchen werden.

Unser Lade.ZEIT-Weg strafft die neun HOAI-Phasen in handlichere fünf – vom ersten Standort-Schnellcheck bis zur vollständigen Fachplanung nach HOAI und Projektumsetzung:

1. Zieldefinition. Was soll die Infrastruktur leisten – heute und in fünf Jahren? Fahrzeugtypen, Einsatzprofile und Wachstumsperspektive werden festgehalten, bevor über Technik gesprochen wird.

2. Machbarkeitsprüfung. Netzanschluss, verfügbare Leistung und Flächensituation werden geklärt, dazu ein erster Kostenkorridor. Hier zeigt sich früh, was am Standort möglich ist – und was Vorlauf braucht.

3. Konzept. Ladepunkte werden dort geplant, wo Fahrzeuge ohnehin stehen, und mit Photovoltaik, Speicher und Lastmanagement zusammengedacht – nicht dort, wo die Kabelführung am einfachsten ist.

4. Ausführungsplanung. Alle technischen Details werden in eine bau- und vergabefertige Form gebracht – die Grundlage für belastbare Angebote und eine saubere Umsetzung.

5. Umsetzung und Betrieb. Koordination aller Gewerke, Inbetriebnahme und Übergabe in den laufenden Betrieb – mit einem festen Ansprechpartner durch alle Phasen hindurch.

Nicht jeder Standort durchläuft alle Phasen mit derselben Tiefe. Aber die Reihenfolge bleibt: Wer mit Phase drei beginnt, weil die Hardware schon feststeht, holt die ersten beiden Phasen später teuer nach.

Warum nochmal Planung?

Planung visualisiert Komplexität. Planung schafft (Investitions-)Klarheit. Planung schafft Sicherheit. Planung minimiert Risiko.

Viele Bauherren sind es gewohnt: Vor oder nach jeder Projektphase kommt ein Nachtrag zum ursprünglichen Auftrag. Unvorhergesehene Umstände zwingen die Projektpartner dazu, noch einmal nachzujustieren. Was üblich ist, ist nicht immer nötig.

Mit einer Fachplanung mindern Bauherren in laufenden Projekten Abweichungen vom ursprünglichen Projektauftrag auf das, was sich nicht vorhersehen lässt. Gerade im Tiefbau ist das Potenzial für unvorhergesehene Bodenfunde groß: Altlasten, Kampfmittel oder nicht dokumentierte Leitungen im Erdreich. Aber: Eine nicht vorausschauende Fachplanung oder eine Projektierung von Einzelgewerken führt vermeidbar dazu, dass Unterverteilungen oder Abgänge einer Photovoltaik-Anlage in einen unterdimensionierten Verteilerschrank gesetzt werden, der keinen Anschluss anderer Gewerke zulässt. Es ging in dem Projekt ja nicht um einen Batterie-Speicher oder Ladeinfrastruktur. Wer konnte ahnen, dass der Trafo und die Leitungswege unter dem Parkplatz zukünftig noch Platz für andere, größere Kabel brauchen würden. Dann baut man den Trafo halt um und buddelt den Parkplatz wieder auf. Ist ja kein Problem.

Genug der Polemik. Hier noch einmal knackig auf den Punkt, warum wir die Fachplanung für das unabdingbare Grundgerüst eines jeden Projektes halten:

  • Klarheit vor dem ersten Spatenstich. Planung macht die Komplexität des Standorts sichtbar und entscheidbar – aus einem Bauchgefühl wird eine belastbare Grundlage.
  • Eine Investition, die beim ersten Mal sitzt. Keine doppelt geöffneten Trassen, keine zu klein dimensionierte Technik, keine teure Nachrüstung.
  • Weniger Nachträge. Ein durchgerechnetes Zielbild ersetzt böse Überraschungen im Projektverlauf durch planbare Kosten.
  • Zeitvorsprung beim Netz. Der Anschlussbedarf wird früh angemeldet und gesichert, bevor knappe Kapazität im Netzgebiet anderweitig vergeben ist.
  • Skalierbar statt zweimal gebaut. Investitionen erfolgen bedarfsgerecht und bleiben erweiterbar – vom Pilotprojekt bis zur vollen Flotte.
  • Verhandlungsstärke. Mit belastbaren Zahlen tritt man Netzbetreibern, Energieversorgern und Herstellern aus einer klaren Position gegenüber.
  • Förderfähigkeit. Die Planungsschritte sind im Kern dieselben, die Förderprogramme als Antragsvoraussetzung verlangen. Wer plant, ist antragsreif – für jedes Förderfenster.

Der unspektakuläre erste Schritt

Mit dem Lade.ZEIT-Weg wählen wir einen bewusst einfachen Einstieg: Er beginnt mit einer Bestandsaufnahme, nicht mit einer Investition. Wem gehört der Standort, wer darf was entscheiden? Wer ist der zuständige Netzbetreiber, und welche Anschlusssituation liegt vor? In welchem Zustand sind die Elektroinstallationen, wo stehen Fahrzeuge ohnehin und wie lange, und wie lassen sich Photovoltaik und Energiemanagement einbinden? Diese erste Phase ist bewusst niederschwellig – und sie entscheidet darüber, ob das spätere Zielbild trägt. Die Modernisierung des eigenen Standorts ist in den meisten Fällen keine Frage des Ob mehr, sondern des Wie und Wann. Wer diese Antwort nicht den Umständen überlässt, sondern aktiv plant, behält die Kontrolle über Reihenfolge, Tempo und Kosten.

Ein kostenloser Praxis-Leitfaden zur Standortinventur – in acht Schritten zur belastbaren Planungsgrundlage – steht unter lade-zeit.de/standortinventur zum Download bereit.

Autor des Beitrags ist Holger Janutta-Winkler, Senior Key Account Manager bei Lade.Zeit.

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