Ein Wasserschaden, eine kaputte Heizung oder ein verstopfter Abfluss – Schäden gehören zum Alltag der Immobilienwirtschaft. Für Mietende sind sie ärgerlich, für Verwaltungen aufwendig und für Versicherungen häufig mit zahlreichen Rückfragen verbunden. Das Paderborner Startup BrycLabs sieht im Schadensmanagement enormes Potenzial für Veränderung und denkt mit KI einen bislang aufwendigen Prozess neu.
Schon während seines Studiums fiel Dominik Rößer auf, dass es in der Immobilienwirtschaft viele Prozesse gibt, die sich mit überschaubarem Aufwand verbessern lassen. Besonders deutlich wurde ihm das beim Schadensmanagement: Ein akuter Fall betrifft nicht nur die Verwaltung, sondern unmittelbar die Menschen, die in den Wohnungen leben. Gleichzeitig müssen zahlreiche Beteiligte miteinander abgestimmt werden. „Schäden laufen durch sämtliche Hände: Mietende, Hausmeister, Hausverwaltung, Versicherungsmakler und Versicherer hängen alle an ein und demselben Fall“, erklären die Gründer. Entsprechend gehören sie zu den größten Kostenblöcken der Verwaltung.
Genau hier setzen Lukas Fast und Dominik Rößer an. Die beiden lernten sich im Wirtschaftsinformatikstudium an der Universität Paderborn kennen und gründeten im März dieses Jahres BrycLabs. Ihr Ziel: das Schadensmanagement effizienter zu gestalten und den administrativen Aufwand für die Beteiligten zu reduzieren.
KI, die den Schaden versteht
BrycLabs übernimmt den operativen Schadensfall von der Aufnahme über die Abstimmung bis zur Regulierung mit der Versicherung. Das Herzstück ist ein eigens trainiertes KI-Bildmodell. Anhand eines Schadensfotos kann das System erkennen, was betroffen ist, welches Material beschädigt wurde, welche Instandsetzung ungefähr notwendig und wie teuer sie ist. Außerdem kann es anhand des hinterlegten Versicherungs-Bedingungswerks einschätzen, wie der Fall behandelt werden kann – etwa, wie hoch der Selbstbehalt ausfällt oder wofür die Verwaltung ohne Rücksprache einen Auftrag vergeben darf.
Rund um das Modell entstehen weitere Anwendungen, darunter ein Chatbot für Mietende, der typische Rückfragen zwischen den Beteiligten frühzeitig beantworten soll. Nach Angaben der Gründer lassen sich so rund 60 Prozent der Bearbeitungszeit einsparen. Gleichzeitig will BrycLabs die gewonnenen Daten nutzen, um wiederkehrende Schadensursachen zu erkennen und Schäden künftig zu vermeiden. „Ein Schaden, der gar nicht erst entsteht, ist für alle Beteiligten der beste Fall“, sagen die Gründer.
Mit den ersten Partnern auf Wachstumskurs
Gegründet wurde BrycLabs in der garage33, wo das Team einen Büroraum hat und auch regelmäßiges Coaching bekommt. Bereits kurz nach dem Start konnten die Gründer den Spar- und Bauverein Paderborn als Partner gewinnen. Dort ist inzwischen die Chatbot-Lösung Nina im Einsatz, die allgemeine Anfragen der Mietenden automatisiert beantwortet. Über einen Kölner Accelerator kamen anschließend weitere Kontakte zu Versicherungsmaklern hinzu, darunter die Covers Gruppe.
Heute betreut BrycLabs rund 20.000 Einheiten. Zu den Kunden zählen Wohnungsgenossenschaften, Hausverwaltungen wie Becker Immobilien sowie Versicherungsmakler. Das SaaS-Geschäftsmodell hat das Team bislang vollständig aus eigener Kraft aufgebaut. Das Bootstrapping passt für die Gründer zu ihren Kunden: „Genossenschaften und Verwaltungen denken in Jahrzehnten, nicht in Quartalen.“ Entsprechend wollen auch sie langfristig planen und eng mit ihren Kunden arbeiten.
Langfristig denken die Gründer auch bei der Weiterentwicklung ihres Produkts, denn sie wollen das Prinzip von BrycLabs auf weitere Bereiche übertragen. Aus den Daten, die im Tagesgeschäft entstehen, soll perspektivisch ein digitaler Zwilling jedes Gebäudes entstehen – ein belastbares Bild seines tatsächlichen Zustands, auf dem weitere Anwendungen aufbauen können.
Im ersten Schritt geht es jedoch darum, Verwaltungen operativ zu entlasten. BrycLabs will Prozesse so weit automatisieren, dass sie tatsächlich wegfallen, statt lediglich digitalisiert zu werden. KI soll dabei vor allem die Aufgaben übernehmen, die heute viel Zeit kosten – etwa Standardfragen, E-Mails und administrative Abstimmungen. Die gewonnene Zeit soll dort eingesetzt werden, wo es auf den Menschen ankommt: beim guten Service und im persönlichen Kontakt mit den Mietern. So arbeitet BrycLabs im Hintergrund, damit Verwaltungsteams vorne wieder mehr Zeit für Menschen haben.
Weitere Informationen: https://bryclabs.de














