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KOLUMNE: Kunden statt Likes

Warum die erste Rechnung wichtiger ist als der perfekte Auftritt

Startups investieren heute viel Zeit in ihren Auftritt: Logo, Website, Social Media, Pitchdeck. Wer durch die gängigen Plattformen scrollt, sieht perfekt inszenierte Marken, professionelle Fotos und beeindruckende Slogans. Nur eine Sache fehlt manchmal: echte Kunden, die eine Rechnung bezahlen.

Ich habe Startups kennengelernt, die mehr Energie in ihren Instagram-Feed gesteckt haben als in Gespräche mit potenziellen Käufern. Die Followerzahlen stiegen, die Reichweite sah beeindruckend aus – aber am Ende fehlten Umsätze. Likes sind schnell vergeben, Geld deutlich seltener.
Dabei ist gerade am Anfang die erste zahlende Kundin oder der erste zahlende Kunde ein wichtiger Moment. Nicht, weil der Betrag so hoch wäre – sondern weil jemand bereit ist, für die angebotene Leistung tatsächlich zu bezahlen. Das ist eine viel härtere Währung als jede Social-Media-Kennzahl.

Konkret heißt das: Früher rausgehen, früher anbieten, früher fragen „Würden Sie das kaufen – und wenn ja, zu welchem Preis?“ Statt monatelang an der perfekten Marke zu feilen, lohnt es sich oft mehr, mit einem unfertigen Produkt in einen echten Austausch zu gehen. Die Rückmeldungen daraus sind Gold wert – und helfen, die Marke später glaubwürdig aufzubauen.

Natürlich spielen Sichtbarkeit und Marke eine Rolle. Kein Kunde findet ein Produkt, von dem er nie gehört hat. Aber Sichtbarkeit ohne Angebot bleibt hohl. Eine einfache Webseite mit klarer Leistung und Kontaktmöglichkeit ist am Anfang oft mehr wert als der zehnte Social-Media-Kanal.

Ich ermutige Gründerinnen und Gründer, ihre Kennzahlen ehrlich zu sortieren: Welche Zahlen streicheln nur das Ego – und welche zeigen wirklich, ob das Geschäft funktioniert? Follower, Likes, Awards – oder wiederkehrende Umsätze, Empfehlungen, geringe Kündigungsraten? Die Priorisierung dieser Zahlen prägt Entscheidungen.

Die erste Rechnung ist selten perfekt formuliert, oft mit Unsicherheit verbunden – aber sie markiert einen Wendepunkt: Ab diesem Moment ist aus einer Idee ein Geschäft geworden. Alles andere kann man nach und nach professionalisieren.

Wer gründet, sollte sich regelmäßig fragen: Arbeite ich gerade an etwas, das mir Kunden bringt – oder nur an etwas, das von außen gut aussieht? Diese Frage ist unbequem, aber sehr hilfreich.

Die richtige Zeit ist jetzt – Start up now! Bis zum nächsten Mal.

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