Führungskräfte und KI-Kompetenz

Wer nicht lernt mit KI umzugehen, verliert den Anschluss

Die Detmolder Wortmann-Gruppe baut ihre digitale Zukunftsfähigkeit weiter aus. Wie Führungskräfte auf die KI-Nutzung vorbereitet und Mitarbeitende für die neue Technologie sensibilisiert werden.

Maschinen, Apparaturen und Roboter: Für die Führungskräfte der Wortmann-Gruppe war der Besuch der Smart Factory OWL ein nicht alltägliches Erlebnis. Inspirierend wird es allemal gewesen sein. Hier im Reallabor des Fraunhofer IOSB-INA in Lemgo, in dem aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse aus der industriellen Automation und Künstlichen Intelligenz mit der Praxis verknüpft werden, absolvierten die Managerinnen und Manager einen ganztägigen Workshop, um Projekte mit den Wissenschaftlern für die weitere Umsetzung im Unternehmen anzustoßen und zu erarbeiten, wie künftig digitale Technologien und KI eingesetzt werden können. Die Führungskräfte lauschten nicht nur spannenden Vorträgen zum Thema KI, sondern präsentierten auch ihre eigenen KI‑Visionen und ‑Ansätze.

Das Detmolder Familienunternehmen, bekannt u. a. für die Schuhmarke Tamaris, sieht im Einsatz modernster Technologien bedeutendes Potenzial, wie Jens Beining, CEO und geschäftsführender Gesellschafter der Wortmann-Gruppe, betont: „Die zentrale Chance liegt im Zusammenspiel von Innovationskraft und regionaler Verantwortung. KI hilft uns, Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Entwicklung, Einkauf und Produktion bis hin zu Marketing, Vertrieb und Logistik effizienter zu gestalten. Gleichzeitig können wir Arbeitsplätze in der Region OWL zukunftssicher machen, weil Routineaufgaben zunehmend von Systemen übernommen werden und Mitarbeitende sich stärker auf komplexere Tätigkeiten konzentrieren können.“

Die Teilnahme von Führungskräften an Workshops oder anderen Qualifizierungen ist für den Schuhproduzenten nur eine logische Konsequenz, da sich in Zeiten von KI auch die Anforderungen an die Fähigkeiten ändern. „Unternehmen, die ihre Führungsteams nicht aktiv auf den Einsatz von KI vorbereiten, laufen Gefahr, technologische Entwicklungen zu spät zu erkennen, Chancen in Prozessen und Geschäftsmodellen nicht zu nutzen und dadurch an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren“, sagt Beining, der die digitale und datenbezogene Kompetenz als eine  entscheidende Voraussetzung für erfolgreiches Führen sieht. Nur so könnten Führungskräfte verstehen, was KI leisten kann und was nicht, um sinnvolle Einsatzfelder zu identifizieren und Projekte zielgerichtet zu steuern. Unerlässlich sei auch strategische Kompetenz, um zu erkennen, „welche Rolle KI für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens und der Wirtschaftsregion OWL spielt und daraus konkrete Entwicklungsziele ableiten.“

Der Unternehmer weiß aber auch, dass KI nicht nur Prozesse, sondern auch Rollen und Arbeitsweisen verändert. Deshalb haben die Führungskräfte auch die Aufgabe,  die Mitarbeitenden mitzunehmen, transparent zu kommunizieren und gemeinsam Zukunftsbilder zu entwickeln. Und das gelingt nur, wenn sie über entsprechende Kommunikationskompetenz verfügen. Gerade wenn es um Akzeptanz für den Veränderungsprozess gehe, komme ihnen eine besondere Verantwortung zu. Schließlich müssten Manager und Managerinnen Orientierung geben und den strategischen Rahmen erklären, warum KI für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens wichtig sei, betont Jens Beining. „Zudem sollen sie Vorbild sein, indem sie selbst aktiv KI‑Anwendungen testen und eigene KI‑Visionen entwickeln. Damit senden sie ein klares Signal, dass es sich lohnt, Neues auszuprobieren.“


„Gerade in einem Familienunternehmen mit langfristiger Perspektive bleibt der menschliche Blick auf Werte entscheidend. Die KI liefert Entscheidungsgrundlagen, die letztliche Entscheidung wird weiterhin bewusst von Verantwortlichen getroffen.“
Jens Beining, CEO und geschäftsführender Gesellschafter der Wortmann-Gruppe



Trotz der Offenheit für moderne Technologien überlegen die Detmolder genau, wo KI unterstützt und wo menschliche Expertise unverzichtbar bleibt. Und da hat Unternehmer Beining klare Vorstellungen. Bei klassischen Führungsaufgaben wie der Auswertung von Daten oder der Vorbereitung von Entscheidungen kann KI wertvolle Hilfe leisten. Doch es gibt Grenzen und Bereiche, in denen der Mensch weiterhin das Sagen hat. Bei Aufgaben, die die Kultur und Werte des Unternehmens prägen, und wenn es um die Entwicklung einer gemeinsamen Vision und einer klaren Haltung zum Einsatz von KI geht, bleibt die Technologie außen vor. Für den Aufbau von Vertrauen oder den Umgang mit Unsicherheit und das Führen im Dialog mit den Mitarbeitenden setzt man auf den Austausch zwischen Menschen. 

„KI liefert Informationen und Optionen – die Verantwortung, diese im Sinne des Unternehmens und der Belegschaft zu bewerten und zu entscheiden, liegt weiterhin bei den Führungskräften“, so Beining. Gleichzeitig bleiben die Mitarbeitenden als Expertinnen und Experten ihrer Arbeitsprozesse unverzichtbar: „Sie bringen Praxiswissen und Rückmeldungen aus dem Alltag ein und prägen damit, wie KI im Unternehmen tatsächlich gelebt wird.“

Die Auseinandersetzung mit KI-Technologien ist bei weitem nicht nur ein Thema der Führungsverantwortlichen. Bei Wortmann sind alle Mitarbeitenden aufgerufen, sich aktiv zu beteiligen und zum Beispiel an der unternehmensweiten KI-Challenge teilzunehmen und eigene Ideen zur Prozessoptimierung mit Hilfe von KI einzureichen. „Damit machen wir deutlich: KI ist nichts, ‚das von oben verordnet wird‘, sondern etwas, das aus der Organisation heraus mitgestaltet wird“, so der Familienunternehmer. Ein zukunftsfähiges Unternehmen müsse Künstliche Intelligenz implementieren und gleichzeitig seine Mitarbeitenden auf diese Reise mitnehmen. Und er betont auch, die Einführung von KI ist kein reines IT‑Projekt, sondern ein Kultur‑ und Lernprozess. Dafür haben die Detmolder unter anderem einen „AI Friday“ eingerichtet – eine Taskforce von ein bis zwei Mitarbeitenden aus jedem Fachbereich. Diese Beschäftigten werden so ausgebildet, dass sie das Wissen zu KI gezielt an ihre direkten Kolleginnen und Kollegen  weitergeben können.

Dieser „KI-Freitag“ schafft auch die Freiheit für Führungskräfte und Teams, in kontrolliertem Rahmen zu experimentieren, aus Pilotprojekten zu lernen und Anpassungen vorzunehmen.

spot_img

Weitere Beiträge

mawi PremiumPartner