Wenn von Startups die Rede ist, wird oft von der „Gründerpersönlichkeit“ gesprochen. In Wirklichkeit entscheidet aber selten eine einzelne Person über Erfolg oder Misserfolg, sondern das Team. Und zwar früher, als viele denken. Wer wartet, „bis wir groß genug sind, um uns ums Recruiting zu kümmern“, ist meistens schon zu spät dran.
Ich erlebe häufig Gründerinnen und Gründer, die alles selbst machen wollen: Produkt, Vertrieb, Buchhaltung, Social Media. Am Anfang ist das normal – und manchmal auch notwendig. Aber es hat eine gefährliche Nebenwirkung: Man gewöhnt sich daran, alles zu kontrollieren. Der erste Mitarbeitende wird dann nicht als Entlastung gesehen, sondern als Risiko.
Dabei beginnt Recruiting nicht mit der ersten Stellenanzeige, sondern mit einer ehrlichen Frage: Welche Aufgaben sollte ich langfristig nicht selbst machen? Wo brauche ich Ergänzung statt Kopie? Viele Teams sind am Anfang zu homogen – alle denken ähnlich, haben einen ähnlichen Hintergrund und ähnliche Stärken. Das fühlt sich gut an, ist aber auf Dauer ungesund.
Gutes Recruiting im Startup heißt, früh Klarheit über Rollen und Erwartungen zu schaffen. Nicht mit komplexen Organigrammen, sondern mit einfachen Aussagen: Wer spricht mit Kunden? Wer verantwortet Produktentscheidungen? Wer kümmert sich darum, dass am Monatsende alle Rechnungen rausgehen? Daraus ergibt sich schnell, wo Lücken sind.
Wichtiger als perfekte Lebensläufe ist dabei die Haltung. Wer ins Startup kommt, muss Unsicherheit aushalten können, Verantwortung annehmen wollen und bereit sein, über das eigene Aufgabenprofil hinauszudenken. Das kann man nicht komplett im Lebenslauf ablesen, aber im Gespräch gut herausfinden – vor allem, wenn man konkrete Situationen durchspielt: „Was würden Sie tun, wenn …?“
Mindestens genauso wichtig: Kultur. Auch wenn das Wort oft überstrapaziert wird – Teamklima entsteht ohnehin, ob bewusst gestaltet oder nicht. In kleinen Teams wirkt jede Person stark. Eine Fehlbesetzung fällt daher nicht erst nach Jahren auf, sondern nach Wochen. Deshalb lohnt es sich, bei der Auswahl genau hinzusehen und im Zweifel lieber etwas länger zu suchen.
Recruiting ist im Startup kein Luxus-Thema für später, sondern eine Überlebensfrage. Wer früh lernt, gute Leute zu finden, zu integrieren und zu halten, baut die Basis für Wachstum. Und umgekehrt gilt: Ein schlechtes Team kann die beste Idee ruinieren.
Wer gründet, muss nicht von Tag 1 an eine HR-Abteilung haben. Aber von Tag 1 an sollte klar sein: Ich baue nicht nur ein Produkt – ich baue ein Team. Und das ist vielleicht die wichtigste Investition überhaupt.
Die richtige Zeit ist jetzt – Start up now! Bis zum nächsten Mal.













