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Makerthon am Campus Bielefeld

Studierende lösen konkrete Probleme des Mittelstands

Zum dritten Mal stellten sich Studierende beim MittelstandsMakerthon konkreten Herausforderungen von Unternehmen. In den 72 Stunden waren Wissen und Kreativität gefragt.

„Wie bringt man die Muse zum Küssen?“ Mit dieser Frage stimmte Bettina Nolting von der Mentor.I-Stiftung die Teilnehmenden des dritten MittelstandsMAKERTHON NRW – Station OWL auf die bevorstehende Challenge ein. Drei Tage später war klar: Die Muse war während der 72 Stunden am Campus Bielefeld ein Dauergast. Rund 30 Studierende verwandelten das Forschungsgebäude in eine lebendige Innovationswerkstatt für den regionalen Mittelstand.

Wenn der Campus zur Ideenschmiede wird

Wer in diesen Tagen die Flure betrat, erlebte eine ungewöhnliche Atmosphäre: Es war auffallend still. Die Studierenden hatten sich in ihre Teambüros zurückgezogen, um hochkonzentriert an ihren Projekten zu arbeiten. Sie entwickelten in interdisziplinären Teams Lösungen für den regionalen Mittelstand – von der KI-gestützten Besucherprognose bis zur digitalen Logistik.


„Die Dynamik ist beeindruckend. Die Teams ziehen sich zurück, arbeiten extrem fokussiert und kommen nur für methodische Tipps oder fachliche Rückfragen zu uns“, beobachtete Christina, Methoden-Coachin, während des Makerthons.


Unter den 30 Talenten fanden sich nicht nur IT-Spezialisten und Data Scientists. Das Spektrum reichte von Rechtswissenschaften und Psychologie über Mechatronik und Regenerative Energien bis hin zu Kommunikationsdesign und Anglistik.
Diese Interdisziplinarität eröffnete durch das Zusammenspiel aus technischem Know-how und kreativen Ansätzen neue Perspektiven auf die acht Challenges der regionalen Wirtschaft.
Besonders deutlich wurde der Mehrwert des Formats bei der Challenge der Stiftung Eben Ezer. Die Ausgangslage entsprach einem typischen Szenario im Mittelstand: Die Tourenplanung für den täglichen Transport von Materialien und Personen erfolgt derzeit über ausgedruckte Outlook-Kalender und telefonische Absprachen. Das führte immer wieder zu Leerfahrten und Koordinationsproblemen.
Vor diesem Hintergrund analysierte das Team um Tobias, Breia und Umutcan die bestehenden Abläufe, führte Gespräche mit Mitarbeitenden und entwickelte ein Konzept für eine zentrale, digitale Tourenplanung. Ziel war es, die Fahrzeuge effizienter zu nutzen und die Belastung der Fahrer zu reduzieren.

Sabine Grotegut, Leiterin der Stiftung Eben Ezer, zeigte sich beeindruckt: „Die Studierenden haben unsere Abläufe sehr praxisnah analysiert und eine Lösung entwickelt, die mich überzeugt. Mit diesem Ansatz werde ich nun in den Austausch mit unserer IT gehen und prüfen, wie wir die Ideen des Teams umsetzen können.“

Prof. Dr. Michael Römer von der Universität Bielefeld, Juniorprofessor für Decision Analytics, unterstützte das Team als Mentor. Er ergänzt: „Wir werden das Projekt im Rahmen des Masterstudiengangs weiterbetreuen. So haben die Studierenden Zeit, ihren Ansatz zu vertiefen und aus der ersten Idee möglicherweise einen funktionsfähigen Prototypen zu entwickeln.“

1_Sieggerteam_PottsPark_MittelstandsMakerthonNRW_2026 (Foto:ThinkTank OWL)

KI-Sieg für den Potts Park: Daten ersetzen Intuition

Am Ende der drei Tage stand die Abschlusspräsentation vor einer Fachjury aus Vertreterinnen und Vertretern der HSBI, der Universität Bielefeld, der Stadt Bielefeld, der IHK Bielefeld und der NRW.BANK.
Den ersten Platz sicherte sich schließlich das Team der Challenge der Heinrich Pott GmbH & Co. KG, Betreiber des Potts Parks in Minden. Die Jury überzeugte vor allem der hohe Praxisbezug und der bereits umgesetzte technische Ansatz.
Prof. Dr. Natalie Bartholomäus, Vizepräsidentin für Transfer und gesellschaftliche Wirkung an der HSBI, lobte die Leistung: „Uns hat die Herangehensweise des Teams auch deswegen überzeugt, weil sie aus Intuition eine evidenzbasierte Automatisierungslösung geschaffen hat. Was Herr Pott früher „aus dem Bauch heraus“ entschieden hat, basiert in Zukunft auf Echtzeitdaten, Erfahrungswerten und wirksamen Einflussgrößen.“

Ausgangspunkt war die Frage, wie sich Besucherzahlen im Freizeitpark zuverlässiger vorhersagen lassen. Bisher basierte die Personal- und Ressourcenplanung vor allem auf Erfahrungswerten und einzelnen Wetterdaten. Das Team entwickelte ein KI-gestütztes Prognosetool, das Daten der vergangenen Jahre auswertet und mit Wetterinformationen, Ferienzeiten, Feiertagen und regionalen Veranstaltungen kombiniert. Auf dieser Basis erstellt das System tagesaktuelle Besucherprognosen und unterstützt so die Einsatzplanung von Personal, Gastronomie und Einkauf.


„Unser Tool lässt sich künftig noch mit Ticketdaten und Informationen aus dem Cateringbereich erweitern. So können wir die Prognosen weiter verfeinern und die Planung noch präziser ausrichten“, so Stefanie aus dem Gewinnerteam.


Mehr als nur ein Wettbewerb: Brücke zur Praxis

Während die Preisgelder einen zusätzlichen Anreiz boten, lag der wahre Gewinn für viele Teilnehmende im direkten Kontakt zu potenziellen Arbeitgebern aus Industrie, Dienstleistung und Freizeitwirtschaft. Sie lernten Methoden kennen, die sich in keinem Lehrbuch so vermitteln lassen wie unter realen Bedingungen und mit echtem Zeitdruck.

„Der Makerthon beweist: Wenn Wissenschaft und Wirtschaft interdisziplinär zusammenrücken, entstehen in kürzester Zeit echte Mehrwerte für unsere Region“, so Pedro Campos Silva, Geschäftsführer der Bielefeld Research + Innovation Campus GmbH.

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