Ob Ultraschallschweißen, die Entfernung von Mikroplastik aus Wasser oder Datenanalyse in Echtzeit – die Sieger des OWL-Innovationspreises 2025/26 könnten unterschiedlicher kaum sein. Eines aber verbindet sie: Mit ihren Lösungen stehen sie für die Leistungsfähigkeit der Innovationsregion Ostwestfalen-Lippe.
76 Unternehmen hatten sich im Vorfeld mit innovativen Produkten, Dienstleistungen und Prozessen für den OWL-Innovationspreis beworben. „Innovationen sind der Schlüssel dafür, dass die starke Wirtschaft in unserer Region auch morgen noch wettbewerbsfähig ist. Gerade jetzt müssen wir uns noch mehr anstrengen und neue Wege gehen, um innovativ zu sein. Denn die Zeiten für die Wirtschaft sind herausfordernd“, sagt Jörg Timmermann, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der OWL GmbH und Geschäftsführer der Kraft Gruppe aus Rietberg. Von geopolitischen Unsicherheiten über eine schwache Konjunktur bis zu fehlenden Reformen und einer komplexen Bürokratie: „Damit müssen wir uns in den Unternehmen jeden Tag auseinandersetzen. Unsere Bewerber zeigen eindrucksvoll, wie sich Unternehmen auf den Märkten behaupten und Wachstum erzielen.“
Die Wettbewerbsbeiträge decken die gesamte Branchenvielfalt der Region ab. Das Spektrum reicht von smarten Fertigungsverfahren und neuen Materialien über Ansätze für Ressourceneffizienz und zirkuläre Wertschöpfung, KI-Anwendungen und digitale Geschäftsmodelle bis zu IT- und Logistik-Lösungen. Darüber hinaus geht es um intelligente Gebäude und Energieversorgung, innovative Ideen im Handwerk sowie neue Konzepte für Gesundheit, Ernährung und Fachkräftesicherung.
Petra Pigerl-Radtke, Hauptgeschäftsführerin der IHK Ostwestfalen und Vorsitzende der Jury, erläutert die Entscheidung: „Die Gewinner demonstrieren, wie durch das Zusammenspiel von Ingenieurskunst, Anwenderwissen und Kreativität technologische Innovationen entstehen. Innovationen, die zu tiefgreifenden Neuerungen führen, die weit über ihre Märkte und Branchen hinaus wegweisend sind und zu großen Veränderungen führen werden.“ Die Gewinner stünden für Hightech-Produkte, mit denen sich auch kleine Unternehmen zu Technologieführern entwickeln. „Die Qualität der Bewerbungen war enorm und hat der Jury die Entscheidung sehr schwer gemacht. Das zeigt, wie gut unsere Unternehmen aufgestellt sind“, so Pigerl-Radtke weiter.
Ultraschallschweißen für die Energiewende
Den Hauptpreis in der Kategorie Marktvisionen sicherte sich das Paderborner Unternehmen Hesse mit seinem „Smart Welder“. Mit dieser Maschine können neuartige Schweißverbindungen in Elektronikmodulen erstmals industriell gefertigt werden – Hesse ist damit Weltmarktführer in diesem Segment. Ersetzt wird das klassische Löten; das eröffnet neue Möglichkeiten für leistungsfähigere Module. Beispielsweise unterstützt die Technologie die effiziente Produktion von modernen Elektromotoren und Batterien. „Hesse ist ein Innovationssprung gelungen, der zu einem Technologiewandel in der Leistungselektronik führen wird. Die Innovationsleistung ist herausragend – insbesondere im Hinblick auf die Größe des Unternehmens“, erläutert Jürgen Noch, Geschäftsführer Westfalen Weser, das Urteil der Jury. „Das neue Verfahren wird nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten, sondern auch für das Unternehmen neue Märkte erschließen“, so Noch weiter.
Mikroplastik aus Regenbecken entfernen – effizient und einfach nachrüstbar
In der Kategorie Nachhaltigkeit ist der Name Programm: Preisträger MicroBubbles aus Bad Lippspringe verfolgt einen völlig neuen Ansatz, um Mikroplastik direkt vor Ort aus Wasser zu entfernen – ohne Chemie und aufwendige Anlagen. Die Technologie arbeitet mit feinsten Gasblasen, die im Wasser aufsteigen, dabei Mikroplastik und Mikroschadstoffe binden und an die Oberfläche befördern, wo die Partikel anschließend entfernt werden können. Interessant ist das beispielsweise für Regenklärbecken, insbesondere im Umfeld von Straßen. Durch Reifenabrieb gelangt hier besonders viel Mikroplastik in die Umwelt, das durch die Innovation äußerst effizient aus dem Wasser abgeschieden werden kann. Der Wirkungsgrad liegt immerhin bei 95 Prozent. Das Verfahren ist erfolgreich in der Region erprobt und kann schnell und ohne großen Aufwand in fast jedem Regenbecken eingesetzt werden. „MicroBubbles hat mit viel Leidenschaft und Hartnäckigkeit ein hoch komplexes Verfahren entwickelt, das eine effiziente Lösung für eine große Herausforderung bietet – die Verunreinigung unserer Gewässer mit Mikroplastik“, macht Wolfgang Marquardt, Geschäftsführer der OWL GmbH deutlich. „Die Jury ist überzeugt, dass MicroBubbles aufgrund zunehmender Regulierungen sowohl in Deutschland eine hohe Nachfrage finden, als auch weltweit einen großen Beitrag für die Sauberkeit der Meere und die Gesundheit der Menschen leisten wird“, ergänzt Marquardt.
Komplexe Daten in Echtzeit auswerten
Der Preis in der Kategorie Start-up ging an Tentris. Das Bielefelder Unternehmen mit Wurzeln in Paderborn hat die erste skalierbare Graphdatenbank entwickelt, die komplex vernetzte Daten in Echtzeit analysiert. Während herkömmliche Systeme bei großen Datenmengen oft an ihre Grenzen stoßen, liefert „TentrisDB” präzise Einblicke – und das bis zu 100-mal schneller, bei bis zu 90 Prozent geringeren Verarbeitungskosten und deutlich reduziertem CO2-Fußabdruck. „Durch effizientere, vertrauenswürdigere KI‑Lösungen unterstützt die Innovation Unternehmen dabei, Daten‑ und Analyseprozesse ressourcenschonender und transparenter zu gestalten“, urteilte die Jury. Die Lösung habe ein enormes Marktpotenzial, wodurch sich erhebliche Wachstumschancen für das Unternehmen ergeben. Schon jetzt hat das junge Unternehmen zahlreiche renommierte Kunden. Die Auszeichnung ist dotiert mit einem Preisgeld von 5.000 Euro und einem Beratungspaket zur Weiterentwicklung des Unternehmens.
OWL-Innovationspreis 2025/2026
Zum 16. Mal hat die OstWestfalenLippe GmbH den OWL-Innovationspreis ausgeschrieben. Ziel ist es, Innovationen aus der Region sichtbar zu machen und neue Impulse zu geben. Ausgezeichnet werden innovative Produkte, Dienstleistungen und Prozesse in ostwestfälisch-lippischen Unternehmen. Hauptsponsor des Wettbewerbs ist der regionale Energieversorger Westfalen Weser. Damit will das Unternehmen dazu beitragen, die kreativen und innovativen Potenziale in der Region zu stärken. Die Preisverleihung wurde in Kooperation mit KPMG ausgerichtet. Darüber hinaus wird der Wettbewerb unterstützt durch Adam Design (Bielefeld), InnoZent OWL (Paderborn), die Unity AG (Büren) und die Volksbank in Ostwestfalen. Der Preis wird seit 1995 alle zwei Jahre vergeben.













