Künstliche Intelligenz, Robotik, nachhaltige Materialien: Technologien und Startups entstehen schneller als je zuvor und versprechen disruptive Wirkung – oder zumindest Lösungen für viele Probleme. Trotzdem bleibt die tatsächliche Wirkung im Kerngeschäft vieler Unternehmen oft aus. Das Problem liegt selten an fehlenden Ideen oder Zugang zu Startups. Stattdessen fehlt Klarheit, welche Technologien wirklich helfen.
Hier setzt Stratosfare an – eine Initiative des Innovationsnetzwerks it’s OWL, die als Innovationsplattform bereits mehr als 150 Kooperationsprojekte zwischen etablierten Unternehmen und Startups unterstützt hat. Zu den Partnern und Initiatoren gehören Firmen wieCLAAS, GEA, Melitta, Miele und WAGO. Unternehmen bewundern die Schnelligkeit von Startups und suchen den Schulterschluss. Die Ausgangsfrage sollte jedoch nicht lauten: „Welches Startup ist spannend?“, sondern: „Was soll sich konkret verbessern?“ Betriebesollten das vor dem Hintergrund neuer Technologien genau analysieren und erst anschließend nach Kooperationspartnern suchen.
„Unternehmen haben genug Ideen. Entscheidend ist, ob eine Lösung im Betrieb wirklich hilft und etwas messbar verbessert. Wir sorgen dafür, dass sie in der Vielzahl der Möglichkeiten die richtigen Entscheidungen treffen und die Lösungen dann schnell einführen“, sagt Dr. Martin Rabe, Head of Stratosfare.

Dr. Martin Rabe leitet die it’s OWL Initiative Stratosfare. (Fotos: it’s OWL)
Beispiel aus der Praxis: Vom Bauteil zum Datenblatt in Sekunden
WAGO bietet mehr als 20.000 Artikel für Automatisierungs- und Verbindungstechnik an. Nach dem Einbau lassen sich viele Produkte über QR-Codes nicht zuverlässig identifizieren, da diese verblassen oder zu klein sind. WAGO suchte daher eine KI-Bilderkennung mit geringem Trainingsaufwand – bei dieser Artikelvielfalt ein entscheidender Punkt. Statt eine eigene Lösung zu entwickeln, testete das Unternehmen die Software des Startups nyris. Der Test überzeugte. WAGO integrierte die Lösung schnell in seine App und Kunden erkennen damit Produkte in Sekunden. Die App liefert Datenblätter, Support-Kontakt und schlägt passende Ergänzungen vor – und davon profitiert wiederum WAGO.
„Durch Stratosfare schaffen wir eine Plattform, auf der wir gemeinsam mit Startups Innovation beschleunigen und strategisch Mehrwert generieren – für unsere Kunden, unsere Partner und den Markt von morgen“, sagt Dr.-Ing. Mareen Tack, VP Corporate Innovation & Exploration, WAGO GmbH & Co. KG.
Weitere Beispiele zeigen die Bandbreite von Stratosfare: Ein digitales Ladungsträgermanagement schafft Transparenz über Bestände und Umläufe und reduziert Planungs- und Verlustkosten. KI-Lösungen analysieren Vertriebsdaten und verbessern die Kundenansprache. Ein intelligentes Lizenzmanagement in SaaS-Landschaften senkt unnötige Lizenzkosten. Nachhaltige Alternativen zu Styropor und Folien reduzieren den Materialeinsatz und verbessern die Umweltbilanz.
Wie die Zusammenarbeit von Unternehmen und Startups gelingt
Stratosfare unterstützt Unternehmen dabei, diesen Innovationsansatz intern einzuführen und Kooperationsprojekte operativ umzusetzen. Drei Erfolgsfaktoren sind dabei entscheidend.
Erstens sollten Unternehmen bereit sein, nicht alles selbst zu entwickeln, sondern Partnerschaften oder Kunden-Lieferanten-Beziehungen mit Startups einzugehen. Dieser Ansatz wird als Venture Clienting bezeichnet – also Kunde eines Startups zu werden – und stellt eine Alternative zu Corporate Venture Capital dar. Eine Beteiligung kann nach erfolgreicher Zusammenarbeit weiterhin sinnvoll sein, steht jedoch nicht am Anfang.
Als zweites sollte die Suche nach Startups nicht ungerichtet erfolgen. Grundlage ist eine fundierte Analyse von Produkten und Prozessen im Kontext interner Potenziale, konkreter Herausforderungen und aktueller Technologietrends. Über die Stratosfare-Plattform tauschen sich Unternehmen dazu aus, welche Technologien und Startups in welchen Bereichen Wirkung erzielen. Eine gemeinsame Datenbank dokumentiert Projekte und relevante Anbieter.
„Stratosfare ermöglicht uns einen wertvollen, direkten Austausch mit anderen Unternehmen. Wir profitieren nicht nur von Kooperationen mit Startups, sondern vor allem auch von den Synergien und dem offenen Teilen von Best Practices innerhalb der Initiative. So lernen wir kontinuierlich voneinander und entwickeln uns gemeinsam weiter“, sagt Rebecca Hanke, Technology Scout, Miele & Cie. KG.
Als drittes empfiehlt sich ein schnelles Pilotprojekt, ein sogenannter Proof of Concept, der zeigt, ob Technologie und Startup die gewünschte Wirkung erzielen. Im Fall WAGO wurde zunächst die Erkennung von 50 Artikeln getestet, bevor alle 20.000 integriert wurden. Was einfach klingt, erfordert klare Ziele und saubere Planung: Verbessert sich der Prozess tatsächlich? Wird die neue Funktion von Kunden angenommen? Funktionieren die unternehmensspezifischen Schnittstellen? Der Pilot ist damit sowohl technischer als auch wirtschaftlicher Härtetest.
Kontext
Stratosfare entstand im Umfeld von it’s OWL. Miele gründete die Initiative gemeinsam mit it’s OWL und WAGO. Die Plattform verbindet eine eigene Datenbank mit persönlichen Austauschformaten und gemeinsamen Projekten. Ein eigenes Team erbringt in enger Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IEM konkrete Dienstleistungen wie Produkt- und Prozessanalysen, Trendstudien oder Startup-Scouting – bereits für mehr als 20 Unternehmen. Das jüngste Projekt: ein Testlab für humanoide Robotik.





