Schwere Gesetzessammlungen, händisches Nachsortieren und analoge Prüfungsformate prägen noch immer den juristischen Alltag. Das Startup LexMea will damit Schluss machen und setzt auf einen digitalen Arbeitsplatz für Juristinnen und Juristen, der Lernen, Lehre und Praxis grundlegend verändert.
Die Idee zu LexMea entstand nicht im Innovationslabor, sondern direkt aus dem universitären Alltag heraus. Die Gründer, die Brüder Michael B. Strecker und Tobias A. Strecker, sind selbst Juristen und waren als Dozenten unter anderem an der Humboldt-Universität zu Berlin, der Universität Bielefeld und am King’s College London tätig. Dort stießen sie immer wieder auf dieselben Probleme: veraltete Arbeitsmittel, ineffiziente Prozesse und eine starke Abhängigkeit von analogen Gesetzessammlungen.
„Jurastudierende und Praktiker müssen oft mit schweren, unhandlichen Gesetzessammlungen arbeiten“, erklärt Michael B. Strecker. Änderungen im Gesetz bedeuten mühsames Nachsortieren, persönliche Markierungen gehen beim Neukauf verloren. LexMea, das unter anderem durch das Accelerator-Programm der garage33 gefördert wurde, setzt genau hier an: als digitale Lösung, die nicht nur Gesetzestexte abbildet, sondern den Umgang mit ihnen neu organisiert.
Ein digitaler Arbeitsplatz für Juristinnen und Juristen
LexMea versteht sich als intelligenter, digitaler Arbeitsplatz für alle, die mit Gesetzen arbeiten. Statt Bücher zu schleppen, haben Nutzerinnen und Nutzer stets Zugriff auf tagesaktuelles Landes-, Bundes-, Europa- und Internationales Recht. Markierungen, Notizen und Definitionen lassen sich direkt an den jeweiligen Paragraphen hinterlegen und werden bei Gesetzesänderungen automatisch in die neue Fassung übertragen, sofern sie weiterhin passen.
„Der große Vorteil gegenüber dem Papierbuch ist das automatische Wissensmanagement“, so Strecker. Über die Zeit entsteht eine persönliche, digitale Wissensdatenbank, die dauerhaft erhalten bleibt. Ergänzt wird das Angebot durch integrierte Prüfungsschemata sowie eine Broadcast-Funktion, mit der Lehrende Inhalte direkt an den passenden Normen teilen können.
Alte Strukturen, innovative Lösungen
Der Weg zum Startup war nicht frei von Herausforderungen. Gerade im juristischen Umfeld stoßen digitale Prüfungen und KI-gestützte Korrekturen häufig auf Skepsis. „Es gibt Vorbehalte und Ängste bezüglich Transparenz und Rechtssicherheit – Stichwort Blackbox“, berichtet Strecker. Hinzu kamen finanzielle Herausforderungen, die zunächst durch Bootstrapping und öffentliche Förderprogramme bewältigt wurden.
Zusätzlich setzten die Gründer sich selbst hohe technische Anforderungen: LexMea verfolgt einen strengen europäischen Datenschutzstandard, verzichtet vollständig auf US-Dienste und setzt ausschließlich auf europäische Server. Ein Mehraufwand, der zwar die Auswahl an Tools einschränkt, sich jedoch als Vertrauensfaktor auszahlt.
LexMea im Einsatz
Heute nutzen über 30.000 Personen monatlich LexMea, mehr als 4.500 haben einen eigenen Account. Insgesamt wurden bereits über 240.000 Dokumente, Notizen und Annotationen angelegt. Die Nutzerinnen und Nutzer reichen von Studierenden und Referendaren bis hin zu Professorinnen, Richtern, Rechtsanwältinnen und Verwaltungsmitarbeitenden.
An mehreren deutschen Universitäten, darunter die Universität Bielefeld, wurden bereits Abschlussklausuren mit LexMea als Online-Gesetzbuch geschrieben. Möglich macht das ein speziell gesicherter Examensmodus. Bei einigen volldigitalen Klausuren hatten die Studierenden sogar Zugriff auf ihre eigenen, digitalen Annotationen – eine absolute Neuerung im Vergleich zur Nutzung von analogen Hilfsmitteln in der Vergangenheit.
Blick nach vorn: KI, Fairness und Open Data
Für die Gründer ist klar: „Die Zukunft des juristischen Arbeitens ist digital und vernetzt.“ LexMea soll dabei zur zentralen Plattform werden. Geplant ist eine stärkere Integration von KI, etwa für den Einstieg in neue Rechtsgebiete oder für automatisierte Klausurkorrekturen mit sofortigem Feedback.
Ihr Antrieb
Die juristische Arbeit soll fairer und transparenter werden. Deshalb forscht das Team gemeinsam mit Partnern an KI-gestützten Korrekturen, die Bewertungen objektiver, nachvollziehbarer und gerechter machen. Gleichzeitig soll der Zugang zum Basis-Gesetzbuch und grundlegenden Lernfunktionen dauerhaft kostenfrei bleiben, um Chancengleichheit zu fördern. Premium-Modelle sind für weiterführende KI-Funktionen sowie für noch speziellere Gesetzestexte für die Praxis vorgesehen.
Langfristig will LexMea Lehre, Praxis und Wissenschaft enger miteinander verbinden und damit einen nachhaltigen Beitrag zur Modernisierung der juristischen Ausbildung leisten.





