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KI-Workshops für Auszubildende: Was KI kann

Sechs Teams, sechs Prototypen, ein Ziel: Bei der Abschlusspräsentation des „KI-Workshops für Azubis“ der Wirtschaftsförderung Paderborn (WFG) zeigten 15 Auszubildende aus sechs regionalen Betrieben, wie Künstliche Intelligenz (KI) echte Probleme lösen und den Arbeitsalltag erleichtern kann. Der Kurs fand in Kooperation mit der MINTkitchen KG statt.

„Viele Unternehmen wissen, dass KI wichtig ist, aber ihnen fehlen oft konkrete Beispiele. Diese Lücke schließen die Auszubildenden, denn sie bringen nach dem Workshop praxisnahe Anwendungen mit“, sagt Jürgen Janke, verantwortlich für Digitalisierung und Innovation bei der Wirtschaftsförderung Paderborn (WFG).

Im Verlauf des Kurses lernten die Auszubildenden zunächst die Grundlagen von KI und mögliche Einsatzbereiche im Unternehmen kennen. Anschließend entwickelten sie eigene Anwendungsfälle und setzten diese Schritt für Schritt in funktionsfähige Prototypen um. Diese wurden dann beim sogenannten „Demo Day“ in der Wirtschaftsförderung von den Auszubildenden im Beisein ihrer Unternehmensvertreter präsentiert.

Die Auszubildenden der Volksbank Elsen-Wewer-Borchen eG haben beispielsweise einen Chatbot entwickelt, der Kunden im Online-Banking oder am Schalter unterstützen kann. Sie feilten an den Datenstrukturen und lernten unter anderem, warum eine KI manchmal falsche Telefonnummern „erfindet” und wie sich solche Fehler systematisch eindämmen lassen.
Mit einer gescheiterten KI-Erprobung beschäftigten sich die Auszubildenden der neam IT-Services GmbH. Ihr Versuch, eine KI-gestützte Erkennung von Cyberangriffen aufzubauen, scheiterte nicht an der Idee selbst, sondern an betriebsinternen Restriktionen wie API-Kosten, Sicherheitsrichtlinien und fehlenden Testumgebungen, wie Antonia Schulte, Geschäftsführerin und didaktische Leiterin der MINTkitchen, betont. Gerade dieser offene Blick auf Hürden mache deutlich, was in vielen Betrieben fehle: eine experimentierfähige KI-Sandbox. Genau diesen Mix hatte Antonia Schulte bei diesem Workshop im Blick:

„Die Azubis lernen, wie KI funktioniert und erleben, dass gute Lösungen aus echten Problemen entstehen.“

Bei der Diebold Nixdorf Systems GmbH zeigten zwei Auszubildende, wie eine kamerabasierte Bilderkennung in der Produktion eingesetzt werden kann. Ihr Prototyp prüfte die Menge in Kommissionierbehältern und erkannte fehlende Bauteile – ein Ansatz, der die klassische Qualitätssicherung deutlich beschleunigen könnte.

Einen anderen Weg wählte das Team der WerkE-Energie-Effizienz-Beratungs GmbH & Co. KG: Die jungen Menschen entwickelten einen Onboarding-Chatbot, der neuen Mitarbeitenden wiederkehrende Fragen beantwortet, Abläufe erklärt und interne Regeln vermittelt. Die Auszubildenden merkten schnell, dass KI-Systeme nicht am Prompt scheitern, sondern an schlecht aufbereitetem Wissen. Also strukturierten sie Prozesse, dokumentierten Aufgaben und erarbeiteten Inhalte, die zuvor nur in den Köpfen der Mitarbeitenden vorhanden waren.
Auch das Team der Friemuth GmbH & Co. KG arbeitete an einem Assistenten, der Mieteranfragen zu Stellplätzen, Wohnungen oder Haustierregelungen rund um die Uhr beantwortet. Mit jedem korrekt beantworteten Dialog wuchs der Prototyp und zeigte, wie stark ein gut gepflegtes Wissenssystem entlasten kann.
Den Abschluss bildete ein interner Chatbot der Wirtschaftsförderung Paderborn, entwickelt von der eigenen Auszubildenden. Das Tool soll künftig neue Mitarbeitende schneller einarbeiten und interne Informationen bündeln.

Standort Paderborn: Ein Labor für junge KI-Talente

Wilhelm Klat, Spezialist für industrielle KI-Systeme und technischer Leiter der MINTkitchen, hat bereits über 200 industrielle KI-Projekte begleitet. Er lobte die Teams für ihren Mut, Prototypen nicht nur zu präsentieren, sondern sie gemeinsam mit dem Publikum zu analysieren: „KI ist kein Zauberstab. Man muss auch als Anwender verstehen, wie eine Maschine meine Daten und Prozesse sieht und dann gezielt nachsteuern. Genau das haben die Auszubildenden heute gezeigt.“
Für die WFG ist der KI-Kurs für Azubis weit mehr als ein Bildungsangebot. Er ist ein strategischer Baustein für den Wirtschaftsstandort. Die Auszubildenden bringen ihre Betriebe mit moderner Technologie in Kontakt, hinterfragen Abläufe und schaffen interne Impulse, die oft lange nachwirken.
„Wir zeigen, dass KI greifbar ist und dass Paderborn die Talente hat“, so Jürgen Janke. „Die Region braucht junge Fachkräfte, die die Digitalisierung nicht nur verstehen, sondern auch gestalten. Genau das passiert hier.“
Die Resonanz der Unternehmen bestätigt diesen Kurs. Viele Betriebe planen bereits, die Prototypen weiterzuentwickeln oder sie als Grundlage für eigene Digitalprojekte zu nutzen. In diesem Jahr sind bereits zwei weitere Durchgänge des Kurses geplant. Die Nachfrage steigt – und mit ihr die Bereitschaft der Unternehmen, KI im Arbeitsalltag zu verankern.

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