Ein Firmengarten ist nicht nur ein Aufenthaltsort unter freiem Himmel. Welchen Beitrag eine grüne Oase für eine zukunftsorientierte Unternehmenskultur leisten, erklärt Dr. Michael Henze, Referent für Landschaftsgärtnerische Fachgebiete beim Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL).
Was macht eine besondere Gartenanlage auf einem Unternehmensgelände aus?
Michael Henze: Eine besondere Gartenanlage auf einem Unternehmensgelände entsteht durch professionellen Garten- und Landschaftsbau, der Gestaltung, Funktion und Unternehmensidentität zu einem stimmigen Gesamtkonzept verbindet. Sie greift Architektur, Materialien und Formensprache des Gebäudes auf und kann sohochwertige Aufenthaltsbereiche für Mitarbeitende sowie Besucherinnen und Besucher schaffen und außerdem Motivation und Image steigern. Nachhaltige Elemente wie klimaangepasste Bepflanzung, Regenwassermanagement und Biodiversitätsförderung machen die Anlage zukunftsfähig. Entscheidend ist die Balance aus repräsentativer Wirkung, klarer Funktionalität und dauerhaft wirtschaftlicher Pflege.

Dr. Michael Henze, Referent für Landschaftsgärtnerische Fachgebiete beim Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL)
Foto: BGL/Rottenkolber
Worin unterscheidet er sich von einem Privatgarten?
Michael Henze: Ein Firmengarten unterscheidet sich vom Privatgarten vor allem durch seine repräsentative Funktion und seine strategische Bedeutung für das Unternehmen. Während Privatgärten individuelle Vorlieben und persönliche Nutzung in den Vordergrund stellen, dient der Firmengarten als Visitenkarte gegenüber Kundschaft, Partnerinnen und Partnern und Öffentlichkeit. Planung und Umsetzung im professionellen Garten- und Landschaftsbau für Firmengärten orientieren sich daher stärker an Corporate Identity, Besucherführung, Sicherheitsaspekten und klar definierten Nutzungszonen. Zudem spielen Wirtschaftlichkeit, Pflegeaufwand und dauerhafte Belastbarkeit der Anlagen eine deutlich größere Rolle als im privaten Bereich.
Welche Bedeutung haben der Standort und die örtlichen Gegebenheiten für die Planung und Gestaltung?
Michael Henze: Der beste Entwurf nützt wenig, wenn der Standort nicht mitspielt – deshalb stehen im Garten- und Landschaftsbau zuerst Boden, Klima und Umfeld im Fokus. Sonneneinstrahlung, Wind, Topografie und vorhandene Vegetation geben den Takt für Pflanzenauswahl, Materialien und Entwässerung vor. Auch das städtische oder ländliche Umfeld beeinflusst Wirkung, Lärmschutz und Aufenthaltsqualität deutlich. Wer die örtlichen Gegebenheiten klug nutzt, macht aus Rahmenbedingungen echte Standortvorteile.
Stichwort Umweltverträglichkeit und Langlebigkeit: Welche Materialien und Bauweisen eignen sich besonders gut für die Anlage von nachhaltigen Gärten?
Michael Henze: Wer nachhaltig bauen will, denkt im Garten- und Landschaftsbau langlebig statt modisch. Besonders geeignet sind regionale Natursteine, Recyclingbaustoffe, zertifiziertes Holz und wasserdurchlässige Beläge, die Ressourcen schonen und das Mikroklima verbessern. Robuste Bauweisen mit klarer Konstruktion sorgen dafür, dass Wege, Plätze und Einfassungen auch bei hoher Nutzung dauerhaft funktionieren. Kombiniert mit standortgerechter, klimaangepasster Bepflanzung entsteht so ein Firmengarten, der ökologisch überzeugt – und nicht nach fünf Jahren neu gedacht werden muss.
Thema Bewässerung. Was ist dabei zu berücksichtigen und welche ökologischen Materialien bieten sich hier an?
Michael Henze: Bei der Bewässerung gilt: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Entscheidend sind eine standortgerechte Pflanzenauswahl, die Berücksichtigung von Bodenart und Wasserspeicherfähigkeit sowie eine bedarfsgerechte Steuerung – idealerweise sensorgestützt und witterungsabhängig. Ökologisch sinnvoll sind Regenwassernutzung über Zisternen, offene Mulden-Rigolen-Systeme zur Versickerung und wasserdurchlässige Beläge, die den natürlichen Wasserkreislauf unterstützen. Ergänzend helfen organische Mulchmaterialien oder mineralische Abdeckungen, Verdunstung zu reduzieren und den Wasserbedarf dauerhaft zu senken.
Erholung und Entspannung für die Mitarbeitenden haben sich zu wichtigen Faktoren entwickelt, wenn es um die Themen Stressresilienz und psychische Gesundheit geht. Welchen Beitrag kann ein Firmengarten zu einer gesunden, zukunftsorientierten Unternehmenskultur leisten?
Michael Henze: Ein Firmengarten ist mehr als grünes Beiwerk – er fördert Motivation, Kreativität und Teamgeist direkt vor der Bürotür. Naturnahe Aufenthaltsbereiche laden zum Netzwerken oder Brainstormen ein und fördern so das Wohlbefinden der Belegschaft. Wer auf Nachhaltigkeit, Vielfalt und Aufenthaltsqualität setzt, zeigt gleichzeitig Verantwortungsbewusstsein. Kurz gesagt: Ein clever geplanter Garten macht die Unternehmenskultur sichtbar – lebendig, gesund und zukunftsorientiert.





