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„Das negative Bild über junge Menschen halte ich für populistisch“

Tobias Domnowski, Geschäftsführer First Debit GmbH und Spezialist für digitales Forderungsmanagement, über die Vielfalt von Generationen, Vorurteile und was wirklich zählt.

Herr Domnowski, Sie beschäftigen in Ihrem Unternehmen junge Menschen der Gen Z. Welche Erfahrungen haben Sie mit ihnen gemacht?

Tobias Domnowski: Wir beschäftigen mehrere Mitarbeitende aus der Generation Z – und die Erfahrungen sind durchweg positiv. Das negative Bild über junge Menschen, das oftmals in der Berichterstattung kommuniziert und verbreitet wird, halte ich für populistisch. All diejenigen, die nicht müde werden, immer wieder die geringe Leistungsbereitschaft der Jugend zu betonen, machen es sich zu einfach.
Unsere Gesellschaft verändert sich – völlig unabhängig von einzelnen Generationen. Vor allem in der Arbeitswelt, die im Leben vieler Menschen immer weniger Wichtigkeit einnimmt, ist der Wandel ganz deutlich zu spüren. Ob Kritik an diesen Veränderungen berechtigt oder unberechtigt ist, sei einmal dahingestellt. Für mich sind zwei Dinge klar: Erstens – der Grund für diese Entwicklung ist nicht die Gen Z. Und zweitens – wir alle müssen lernen, mit dieser Veränderung umzugehen.

Es ist vielfach zu hören, dass junge Menschen dieser Generation hohe Erwartungen an den Arbeitgeber haben, ungeduldig sind und eher geringe Leistungsbereitschaft zeigen. Können Sie das bestätigen und wie reagieren Sie darauf?

Tobias Domnowski: Diese Wahrnehmung entspringt meiner Meinung nach der medialen Zuspitzung. Die Gen Z mag hohe Erwartungen haben. Sie sucht Sinn in der Arbeit, möchte Wirkung entfalten und dabei fair behandelt werden. Möchte das nicht jeder von uns? Früher galt: „Erst mal zehn Jahre Erfahrung sammeln, bevor man was sagen darf.“ Heute heißt es: „Lass uns doch einfach mal ausprobieren, ob’s besser geht.“ Und wenn es wirklich besser geht, warum erst zehn Jahre warten? Diese Einstellung gilt für die Gen Z übrigens auch im Hinblick auf einen Jobwechsel.

Stellen Sie Unterschiede zwischen den Generationen in Ihrem Unternehmen fest und wie machen sich diese im Arbeitsalltag bemerkbar?

Tobias Domnowski: Natürlich gibt es Unterschiede – aber die viel größeren Veränderungen in unserem Unternehmen resultieren aus der Mischung von Präsenz im Büro, Homeoffice und flexiblen Arbeitszeiten. Corona war der Brandbeschleuniger für die neue Arbeitswelt. Und ich bin überzeugt, dass wir heute immer noch lernen, damit umzugehen. Für die Jüngeren heißt es: Lernen, was Büro ausmacht. Von der schnellen Frage an den Sitznachbarn bis zur privaten Freundschaft. Und für die Älteren bedeutet das: Lernen, wie sich die gewonnene Freiheit anfühlt und mit ihr umzugehen.

Aus Ihrer Erfahrung, welchen Einfluss üben junge Menschen auf das Miteinander und die Zusammenarbeit im Unternehmen aus?

Tobias Domnowski: Verschiedene Generationen und viele unterschiedliche Köpfe zu beschäftigen, war immer wertvoll und wird immer wertvoll sein. Vielfalt bringt verschiedene Meinungen an den Tisch und fördert Lösungen.
Bereits Sokrates hat vor Tausenden von Jahren gesagt: „Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte.“ Schon immer haben ältere Generationen negativ über die Jugend gesprochen – und ich bin sicher, das werden künftig auch alle folgenden tun. 

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