Negative Strompreise sind längst kein theoretisches Marktphänomen mehr. Insbesondere an Tagen mit hoher Einspeisung aus Photovoltaik- und Windenergieanlagen kommt es regelmäßig dazu, dass Strom an der Börse zeitweise sehr günstig oder sogar negativ gehandelt wird. Doch obwohl diese Entwicklungen in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben, spüren viele Unternehmen davon im Alltag wenig – ihre Stromkosten bleiben gleich oder steigen teilweise sogar weiter an.
Der Grund liegt in der Struktur der Energiebeschaffung. „Viele Unternehmen beziehen Strom weiterhin über klassische Lieferverträge mit festen oder geglätteten Preisbestandteilen. In solchen Modellen werden kurzfristige Börsensignale häufig über Durchschnittspreise oder Festpreislogiken abgefedert. Die tatsächlichen Chancen volatiler Märkte bleiben dadurch ungenutzt“, sagt Boris Langerbein. Der Gründer und Geschäftsführer der Energymove GmbH, ist Elektrotechnikingenieur und verfügt über langjährige Erfahrung in der Batterieindustrie und im Energiesektor.

Was bedeutet das für Mittelstand und kommunale Betriebe in Westfalen?
Profitieren können vor allem Unternehmen, die einen Stromliefervertrag nutzen, der Preisentwicklungen am Kurzfristmarkt – etwa viertelstündlich oder stündlich – direkt auf den Verbrauch überträgt. Doch allein ein dynamischer Stromvertrag reicht nicht aus. Entscheidend ist die Fähigkeit, Strom flexibel zu beziehen, zu verschieben oder intelligent zu speichern.
Besonders interessant ist dies für Unternehmen mit flexiblen Prozessen, etwa bei Kühlung, Druckluft, Ladeinfrastruktur, Wärmeprozessen oder elektrischen Produktionsschritten. Wer Lasten gezielt in günstige Preisphasen verschieben kann oder durch ein Flexibilitätsmanagement optimieren kann, erschließt wirtschaftliche Vorteile.
Ein noch größeres Potenzial entsteht durch den kombinierten Einsatz von Batteriespeichern. Sie ermöglichen es, günstigen oder negativen Netzstrom gezielt aufzunehmen und zu einem späteren Zeitpunkt zu nutzen oder perspektivisch auch zurück ins Stromnetz abzugeben, um damit Erlöse zu erzielen. Gleichzeitig lassen sich Lastspitzen glätten – ein entscheidender Faktor in Netzentgeltsystemen mit Arbeits- und Leistungspreisen. Gerade für RLM-Kunden bestimmt häufig die höchste 15-Minuten-Leistungsspitze den Jahresleistungspreis der Netznutzung. Wirtschaftlich relevant ist deshalb nicht allein der günstige Energiebezug, sondern das optimale Zusammenspiel aus Netzbezugsleistung, Lastverhalten und Speicherstrategie.
Zusätzliche Potenziale ergeben sich bei Unternehmen mit eigener Photovoltaikanlage. Niedrige Börsenstrompreise korrelieren häufig mit hoher PV-Erzeugung – insbesondere in sonnenreichen Mittagsstunden. Das klingt zunächst widersprüchlich, eröffnet aber intelligente Optimierungsmöglichkeiten: Durch die freie Leistung am Netzanschluss, den die PV-Anlage durch ihre Stromerzeugung schafft, lässt sich gleichzeitig der Speicher mit günstigem Strom aus dem Netz beladen, der später am Tag bei hohen Börsenpreisen genutzt werden kann.
Langfristig rückt damit nicht nur die Strombeschaffung selbst in den Fokus, sondern die Frage nach einer integrierten Energiearchitektur. Kombinationen aus Erneuerbaren, Speicher, Lastmanagement, Energie- und Flexibilitätsmanagementsystemen und flexiblen Beschaffungsmodellen entwickeln sich zunehmend von Einzelmaßnahmen hin zu strategischen Bausteinen einer wirtschaftlichen Energieversorgung.
Die zentrale Erkenntnis: Nicht der einzelne Strompreis und die alleinige Anschaffung eines Batteriespeichers entscheidet über Wirtschaftlichkeit, sondern das Gesamtkonzept. Wer Energiebeschaffung, Eigenversorgung, Netznutzung, Arbitragehandel und Flexibilität gemeinsam denkt, kann volatile Märkte nicht nur absichern, sondern aktiv als wirtschaftlichen Vorteil nutzen.
Fazit: Negative Strompreise sind kein Selbstzweck und auch kein Automatismus für sinkende Energiekosten. Sie sind vielmehr ein Signal dafür, dass Flexibilität in der Energieversorgung künftig ein zentraler Wettbewerbsfaktor wird. Unternehmen, die Beschaffung, Verbrauch und Speicher intelligent miteinander verknüpfen, schaffen die Grundlage, um Energiekosten langfristig zu optimieren, Risiken zu reduzieren und ihre Versorgung robuster aufzustellen.
KOMPAKT:
ENERGYMOVE ist Spezialist für die ganzheitliche Energietransformation in Unternehmen. Durch ein übergeordnetes Energie- und Flexibilitätskonzept erzielen die Experten optimale Wirtschaftlichkeit, höchste Resilienz und sinnvolle Dekarbonisierung.Die Kompetenzen des Unternehmens erstrecken sich über alle Energieformen und Sektoren wie Strom, Gase, Wärme & Kälte, Prozesse, Mobilität & Transport, Rechenzentren, Nah- und Abwärme, Not- und Ersatzstrom. Die Experten behandeln alle relevanten Themen wie Energiewirtschaft, Regulatorik, Versorgungsverträge, Infrastruktur, Energie- und Flexibilitätssteuerung, Investitionsrechnung, Finanzierung, Beschaffung und Projektmanagement. Dabei betrachten sie alle Technologien und Lösungen aus den Bereichen Erneuerbare Energien, Speichersysteme, Monitoring-, Steuerungs- und Managementsysteme, Wärme- und Kälteumwandlung, Ladeinfrastruktur, Intralogistik, E-Mobilität, Nah- und Abwärmesysteme.
www.energymove.de













