Wissenstransfer – KATMA Engineering

Dr. Sebastian Vogt

Prof. Dr. Sebastian Vogt ist Geschäftsführer des Technologietransfer- und Existenzgründungs-Centers der Universität Paderborn (TecUP). Anhand von Best-Practice-Beispielen berichtet er, wie es durch Hochschulausgründungen gelingen kann, Forschungserkenntnisse für Wirtschaft und Gesellschaft nutzbar zu machen.

Serie: Wissens- und Technologietransfer – Komplexe Prozesse einfach gemacht

In unserer Serie berichtet Prof. Dr. Sebastian Vogt, Geschäftsführer des Technologietransfer- und Existenzgründungs-Center der Universität Paderborn (TecUP), über erfolgreiche Ausgründungen und den Nutzen für Wirtschaft und Gesellschaft.

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Wer kennt es nicht; das Narrativ vom Startup, das aus der Garage zu einem aufstrebenden Jungunternehmen herangewachsen ist? Im Fall von KATMA Engineering trifft dies tatsächlich zu. Das Team innoviert mit KATMA CleanControl die LKW-Auflieger-Laderaumreinigung – der erste Prototyp der Brüder Patrick und Felix Kathöfer entstand in einer Garage und später in einem ehemaligen Hühnerstall.
Bisher werden LKW-Auflieger-Laderäume von innen händisch mit einem Hochdruckreiniger gereinigt. Das verwendete Chemie-Produkt muss nach Nutzungsanweisung hinsichtlich Dosierung, Temperatur und Einwirkzeit verwendet werden. In vielen Fällen erledigen die Fahrzeugführer diese Arbeit selbst. Besonders brisant daran ist, dass sie während des bis zu fünfzig Minuten andauernden Reinigungsprozesses gesundheitsschädlichem chemischen Dunst ausgesetzt sein können. Durch den hohen zeitlichen Druck im Logistik-Sektor und teils fehlender Qualifizierung kommt es so einerseits zu falschem Ressourcenverbrauch von Chemie, Wasser und Energie und andererseits – insbesondere bei nicht zertifizierten Reinigungen – zu schlechter Qualität. Kurzum – die Ladefläche bleibt unhygienisch. Nicht selten führt das zu Keimverschleppung und Chemie-Rückständen. Dabei drohen bei Verstoß gegen die Lebensmittelhygieneverordnung Bußgelder von bis zu 50.000 Euro. Die Ablehnung der Speditionskunden an der Laderampe führt zu nicht planbaren, zusätzlichen Wegstrecken – also zeitlichen Einbußen.

Die innovative Geschäftsidee von KATMA Engineering soll hier nun Abhilfe schaffen. Automatisierte, zertifizierte LKW-Auflieger-Laderaumreinigung soll zukünftig flächendeckend die Sauberkeitsstandards der Transportlogistik auf ein neues Level heben und Ressourcen wie Wasser, Energie und Zeit schonen. Mit KATMA CleanControl entsteht eine deutlich schnellere, günstigere und gefahrenfreie vollautomatisierte Lösung, die die händische Laderaumreinigung ablösen soll. Die Zeitersparnis liegt bei über sechzig Prozent. Durch einen eigens entwickelten, patentierten Roboter werden desinfizierende Reinigungsmittel optimal eingesetzt und Ressourcen nachhaltig geschont. Zudem garantiert die Anwendung einen gleichbleibenden Qualitätsstandard. Ein Pay-Per-Wash-Modell mit 24/7-Service inkludiert die proaktive Chemie-Nachlieferung. Der zertifizierte Vorgang wird dem Auflieger-Kennzeichen durch eine bei dieser Anwendung einzigartige Kennzeichenerkennung in der Kundendatenbank direkt zugeordnet und digital in einer Cloud protokolliert. Das erleichtert die Protokollierung nach HACCP, einem Eigenkontrollsystem, welches der Vermeidung von Gefahren im Zusammenhang mit Lebensmitteln dient. Die umfassenden Maßnahmen tragen erheblich zur Kosteneffizienz, Hygiene, Nachhaltigkeit, Arbeitssicherheit, Qualitätssicherung sowie zur Transparenz in der Transportlogistik bei.

Die Gründer Felix und Patrick Kathöfer bringen interdisziplinäre Kompetenzen aus den Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften ein. Beide haben vor dem Bachelor- und Master-Studium eine Berufsausbildung bei der Firma Miele & Cie. KG in Gütersloh absolviert – Felix als Zerspanungsmechaniker und Patrick als Automatisierungselektroniker. Nach dem Studium bildeten sie sich als Cloud-/Full-Stack-Developer sowie in Logistikthemen weiter. Arnd Huxhage als erfahrener Konstruktionsleiter für den Maschinenbau sowie der angestellte Chemiker Marius Grewe komplettieren das Team von KATMA Engineering. In einer jüngst angemieteten Halle in Rietberg wurden die Produktion und Arbeitsplätze aufgebaut und ein eigener Kühlauflieger gekauft, in dem das Team das Vorführprodukt momentan testet und letzte Anpassungen vornimmt, um den Prototyp dann für den Verkauf in eine Nullserie zu übersetzen.

Mit seiner innovativen Geschäftsidee konnte sich das Team eine Förderung im Programm „WIPANO“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) mit einer maximalen Förderdauer von zwei Jahren im Bereich der Patentierung sichern, welches die Entstehung von Innovationen und deren rasche Diffusion in den Markt fördert. Zudem erhielten sie jüngst die Förderzusage im Programm „Exist-Gründerstipendium“ vom BMWK mit einer Laufzeit von zwölf Monaten. Unterstützung bei der Antragsstellung bekamen sie dabei von unseren Gründungscoaches. Momentan profitiert das Team besonders von dem intensiven Coaching in der OKR-Methode, ein Management-System zur modernen und zielgerichteten Mitarbeiterführung, sowie von unseren regelmäßig stattfindenden Netzwerkveranstaltungen. Neben unserem Gründungsinkubator garage33 hat das Team auch Unterstützer und Partner aus der Wirtschaft, darunter die Stockmeier-Gruppe als Kooperationspartner, das KNI Logistik-Netzwerk und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Gütersloh. Es scheint, als ob das junge Unternehmen mit seinem Produkt völlig neue Standards der Sauberkeit definiert und zugleich ein neues Bewusstsein für Sicherheit, vor allem in der Lebensmittelindustrie, schafft. Erste Marktakteure sind jedenfalls schnell auf das noch junge Startup aufmerksam geworden, so dass es bereits mit fünf großen Pilotkunden diesen vielversprechenden und zukunftsträchtigen Weg geht.

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