Wissenstransfer- FractureSurface Technologies

Komplexe Prozesse einfach gemacht
In unserer Serie berichtet Prof. Dr. Sebastian Vogt, Geschäftsführer des Technologietransfer- und Existenzgründungs-Center der Universität Paderborn (TecUP), über erfolgreiche Ausgründungen und den Nutzen für die Wirtschaft.

Dr. Sebastian Vogt

Prof. Dr. Sebastian Vogt ist Geschäftsführer des Technologietransfer- und Existenzgründungs-Centers der Universität Paderborn (TecUP). Anhand von Best-Practice-Beispielen berichtet er, wie es durch Hochschulausgründungen gelingen kann, Forschungserkenntnisse für Wirtschaft und Gesellschaft nutzbar zu machen.

Das Startup FractureSurfaceTechnologies, eine Ausgründung der Universität Paderborn, stellt ein hervorragendes Beispiel für den erfolgreichen Wissenstransfer aus der Forschung in die industrielle Praxis dar. Die Gründer Michael Ditz und Dr.-Ing. Jan Ditter bündeln jahrelange Forschungs- erfahrung auf dem Gebiet der Kleb- technik, die sie am Laboratorium für Werkstoff- und Fügetechnik (LWF) unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Gerson Meschut sammeln konnten. Nun überführen sie ihre Erkenntnisse in ein innovatives Startup, welches erstmals eine Technologie bereitstellt, die eine automatisierte, objektivierte und reproduzierbare Analyse von Bruchflächen geklebter Verbindungen ermöglicht.

Leichtbau gilt als Schlüsseltechnologie mit der Herausforderung, eine hohe Stabilität trotz geringem Materialeinsatz zu gewährleisten. Wenn in der Industrie Werkstoffe für innovative Leichtbaustrukturen oder höherfeste Klebstoffsysteme entwickelt werden, müssen diese vor der Freigabe für die Serienfertigung zunächst umfangreich geprüft werden. Derartige Prüfungen berücksichtigen u. a. das Versagensbild der Bruchstelle als qualitätsrelevantes Merkmal. Bislang war die sichere Bewertung von Bruchflächen tragender Klebverbindungen ein aufwändiger und manueller Prozess, in den die subjektive Bewertung des zuständigen Prüfers mit einfloss. An diesem Punkt setzt die vielversprechende Technologie der Wissenschaftler ein.

Das Analysesystem nutzt verschiedene Beleuchtungsszenarien, um Merkmale von Bruchflächen herauszustellen. Diese werden mit einer Digitalkamera erfasst. Über die digitale Bildverarbeitung und Bewertungsalgorithmen kann die Bruchfläche charakterisiert werden. Das spart nicht nur Ressourcen, sondern schafft eine einheitliche Bewertungsgrundlage, die sich auf den anzuwendenden Richtlinien und DIN-Normen stützt. So können in verschiedenen Industrieunternehmen bei der Bewertung gleicher Bruchflächen auch gleiche Ergebnisse erzielt werden. Insbesondere Branchen wie die Automobilindustrie, der Schienenfahrzeugbau, die Luft- und Raumfahrt, die Windenergiebranche aber auch der klassische Maschinenbau, der immer häufiger Klebtechnik einsetzt, könnten von der Technologie des Startups profitieren. Die Basis für den neuesten Prototypen wurde Ende Dezember letzten Jahres entwickelt. Mit den Pilotkunden Audi AG und voestalpine Stahl GmbH als langjähre Partner wird das Bewertungssystem im industriellen Umfeld weiter optimiert, sodass der Markteintritt in der zweiten Hälfte dieses Jahres erfolgen kann. Ich sehe in der Entwicklung auch ein enormes Potential für kleine und mittelständische Unternehmen der Region. Die innovative Technologie von FractureSurfaceTechnologies könnte dazu beitragen, mehr Vertrauen für den Einsatz zukunftsweisender Fügetechniken, wie der Klebtechnik, zu schaffen.

Entstanden ist die Idee für das Startup während eines öffentlich geförderten Forschungsprojektes im Rahmen der industriellen Gemeinschaftsforschung am LWF unter der Leitung von Michael, das Ende 2019 auslief. Um die Forschungserkenntnisse in ein marktreifes industrielles Produkt zu überführen, suchten die Gründer gemeinsam mit Prof. Meschut nach Fördermöglichkeiten. Sie wandten sich an das TecUP und wurden durch unseren wissenschaftlichen Leiter Prof. Dr. Rüdiger Kabst beraten. Als Exzellenz Start-up Center.OWL bieten wir in Kooperation mit der Fachhochschule Bielefeld (FH Bielefeld) und der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL) die besten Voraussetzungen, Forschungserkenntnisse mit großem Marktpotential in überzeugende Geschäftskonzepte zu überführen. Mit ihrer Gründungsidee überzeugten sie auch universitätsexterne Instanzen und erhielten Mitte letzten Jahres eine 18-monatige Förderung im Programm START-UP transfer.NRW vom Ministerium für Wissenschaft und Forschung (MIWF) des Landes Nordrhein-Westfalen. Unterstützung bei der Antragstellung für das Projekt „FractureSurfaceTech“ erhielten sie von unserem Gründungscoach Arthur Hartel.
Ich freue mich, dass das Startup zudem für den Innovationspreis des Landes Nordrhein-Westfalen 2021 in der Kategorie „herausragende Nachwuchsforscher“ nominiert wurde.

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