VIU Eyewear – „Mit Fashion und einer hohen optischen Kompetenz begeistern“

Der Store von VIU – seit Kurzem auch in der Bielefelder Altstadt. (Foto: Stefan Lucks)

Mit bezahlbaren handgemachten Designerbrillen aus Acetat, Titan und Edelstahl sorgt VIU für Aufsehen in der Branche. Seit kurzem auch in Bielefeld. Das Erfolgsrezept: Die in der Schweiz designten und in Italien und Japan in kleinen Manufakturen gefertigten Korrektur- und Sonnenbrillen entsprechen höchsten Qualitätsansprüchen und überraschen mit einem günstigen Preis. Über das besondere Konzept, Wachstumsstrategien und Visionen für die Zukunft spricht Josef Konrad, Head of Retail & Expansion bei VIU.

m&w: Der Brillenmarkt ist hart umkämpft: Mit mehr als 10.000 Optiker-Fachgeschäften allein in Deutschland ist der Wettbewerb groß. Warum haben die beiden Gründer Kilian Wagner und Peter Kaeser gerade auf Brillen gesetzt?

Josef Konrad, Head of Retail & Expansion bei VIU:  „Wir sind stark darauf fokussiert, unser Geschäft auf technologische Innovationen aufzubauen und mit besonderen Dienstleistungen zu punkten“ (Foto: ViU)

Josef Konrad: Der Brillenmarkt ist groß und bietet ein riesiges Potenzial. Dennoch ist die Branche eher konservativ und teilweise „angestaubt“. Wir haben einen Markt vorgefunden, der in den letzten Jahrzehnten nur wenige Innovationen hervorgebracht hat. Die letzte Innovation war wahrscheinlich Fielmann. Diese Situation war für uns höchst interessant.
Außerdem ist es heute generell einfacher, eine Marke erfolgreich am Markt zu etablieren, weil es die Möglichkeit gibt, Konsumenten direkt anzusprechen und so die Praxis des traditionellen Handels zu umgehen. Dass es bis dato nur wenige Direct-to-Consumer Marken gab, hat uns also zusätzlich inspiriert, aktiv zu werden. Positiv in die Karten spielte der Zufall, dass Kilian Wagner Fabrice Aeberhard kennenlernte. Unser Creative Director und Mitgründer ist leidenschaftlicher Designer und Architekt und hat bereits erfolgreich Produktkonzepte wie das nachhaltige Taschenlabel QWSTION oder die Luxusbrillenmarke Sire gelauncht. Gemeinsam entwickelten sie die Idee, hochwertige und handgemachte Brillen online zu verkaufen.

m&w: Mittlerweile haben Sie neben dem Online-Verkauf auch zahlreiche Stores eröffnet. Warum sind Sie diesen Schritt gegangen?

Josef Konrad: Die Brillen ausschließlich online anzubieten, hat nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt hatten. Deshalb haben wir uns sehr schnell entschieden, parallel ein Ladenlokal einzurichten. Da Fabrice auch im Store-Planbau erfolgreich ist, entwickelte er ein cleveres Konzept. Unser Büro wurde ein bisschen kleiner und praktisch zurückgedrängt hinter einer Brillenwand, die im Aufbau sehr ähnlich war mit den Systemwänden, die wir heute in allen Stores einsetzen. Mit ein bisschen Trommelwirbel unter Freunden und Bekannten haben wir die erste Kollektion präsentiert und so viele Bestellungen bekommen, dass wir nach einem Monat ausverkauft waren. Das war die Initialzündung. Für uns war klar: Brillen sind ein Produkt, das sich noch nicht ausschließlich online erfolgreich verkaufen lässt. Die Mehrkanal-Strategie ist der Schlüssel zum Erfolg. Mit unserer fairen Preisgestaltung, dem modernen Design und qualitativ hochwertigen Produkten haben wir einen Product Market Fit erreicht und über den Retail-Kanal funktioniert auch die Ansprache des Konsumenten. Seitdem sind wir kontinuierlich weiter gewachsen und optimieren gleichzeitig auch unseren Online-Kanal.

Wo sehen Sie Ihr Erfolgsgeheimnis, wo liegen Ihre Stärken?

Josef Konrad: Wir unterscheiden uns von den bekannten Verkaufsstrukturen, weil unser Geschäftsmodell völlig anders, nämlich vertikal-integriert, ist. Da wir die Brillen selber designen, direkt mit unseren Herstellungspartnern zusammenarbeiten und über unsere eigenen Vertriebskanäle, online oder über den Store verkaufen, sind wir in der Lage, aus der Wertschöpfungskette andere Spieler, wie den Händler, herauszunehmen. Den daraus entstehenden Preisvorteil geben wir an unsere Kunden weiter. Das ist im Kern der Grund für den Erfolg und die sehr gute Kundenexperience.
Die hohe Qualität und die Verarbeitungskompetenz unserer Partner für die verwendeten Materialien sind ein weiterer Punkt, der den Kunden am Ende begeistert und auch überrascht, weil er ein gutes Produkt zu einem fairen und zudem transparenten Komplettpreis bekommt. Bei jeder neuen Brille sind super-entspiegelte, anti-kratzbeschichtete Gläser mit 100 Prozent UV-Schutz nämlich inklusive. Hier liegt auch ein Geheimnis unseres Wachstums: die positiven Erfahrungen unserer Kunden und die Weiterempfehlung.

Eine Brille ist jedoch mehr als nur ein Modeaccessoire?

Josef Konrad: Absolut. Wenn es um das Thema Sehen geht, dann schlagen zwei Herzen in unserer Brust: Da ist die Brille als Modeaccessoire, deren Verkauf als Fashionerlebnis inszeniert wird. Genauso wichtig ist jedoch die optische Dienstleistung, die von ausgebildeten Augenoptikern angeboten wird. Uns ist es wichtig, mit stilsicherem modischen Verständnis und einer hohen optischen Kompetenz zu begeistern. Nur so lässt sich eine nachhaltige Bindung aufbauen.

Edel, modern und puristisch ist das Design Ihrer Stores: Der Erlebnischarakter ist neben dem Produkt Brille also ein ebenso wichtiger Aspekt?

Josef Konrad: In der Tat: Unsere in einem modern-puristischen Design gestalteten Stores laden die Besucher ein, unsere hochwertigen Produkte in einem passenden Ambiente zu erleben und schaffen so eine ganz besondere Brand Experience. Ganz anders als bei so manchem traditionellen Optiker, wo die Brillen oft weggeschlossen sind und nicht selbst anprobiert werden dürfen. Bei uns hängen sie frei an der Wand und laden zum Entdecken und Anprobieren ein.

Dabei ist jeder Store wieder anders…

Josef Konrad: Unsere Architekten (wir entwickeln das Store Design komplett inhouse) setzen unter der Leitung von Fabrice besondere Akzente. Sie leben VIU und erwecken wunderschöne und inspirierende Verkaufsräume zum Leben. Wenn wir eine neue Location gefunden haben, arbeiten wir gerne mit den Charakteristika, die die Räume bieten und verwenden oft natürliche Werkstoffe wie Holz und Stein. Die Designelemente, wie die Systemwand, die Beratungstische und die Kuben im Schaufenster sind in allen Stores gleich. Bei der Wahl der Materialien experimentieren wir gerne, um Kontraste herzustellen. Dennoch passen wir diese an das jeweilige lokale Umfeld an. So haben wir im Bielefelder Store bernsteinfarbene Eiche für die Brillenwand verwendet, in Münster Sandstein und in Berlin grünen Cipollino Marmor.

Sie setzen bei der Brillenproduktion auch auf den innovativen 3D-Druck?

Josef Konrad: Der 3D-Druck ist tatsächlich etwas hoch Innovatives. Mittlerweile kommt jede zehnte von uns verkaufte Brille aus dem 3D-Drucker. Damit sind wir wahrscheinlich die Marke mit dem höchsten Volumen in Europa.
Wir sind begeistert von dieser Technologie, weil sie uns eine sehr große Freiheit im Design bietet und damit individuell auf den Kunden angepasste Produkte schafft. Gleichzeitig ist die Brille extrem leicht und garantiert einen angenehmen Tragekomfort. Auch aus der Nachhaltigkeitsperspektive ist der 3D-Druck hochinteressant, denn es ist ein additives Verfahren, bei dem keinerlei Abfallprodukte entstehen. Gleichzeitig steckt der 3D-Druck noch in den Kinderschuhen und birgt unglaublich viel Potenzial. Gerade können noch nicht alle Farben gedruckt werden und auch transparente Materialien sind noch nicht möglich. Daran wird aber bereits gearbeitet und unser Designteam beobachtet die Entwicklungen gespannt, um diese dann auch für unsere Kunden zeitnah anbieten zu können.

Innovationen sind entscheidend, um sich als Vorreiter auf dem Markt zu etablieren.

Josef Konrad: Wir sind stark darauf fokussiert, unser Geschäft auf technologische Innovationen aufzubauen und mit besonderen Dienstleistungen zu punkten. So nehmen wir zum Beispiel im Verkaufsgespräch Bestellungen über das IPad auf, das Ausmessen der Pupillen-Distanz lässt sich ebenso mit dem IPad durchführen. Noch eine Vision ist die Idee, künftig das Gesicht mit dem 3D-Scanner zu vermessen und anschließend eine maßgeschneiderte Brille aus dem Drucker zu erstellen.

In Deutschland sind Sie mittlerweile mit 26 Stores vertreten: Wie sieht Ihre Expansionsstrategie aus und welche weiteren Ziele verfolgen Sie?

Josef Konrad: In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind wir bereits sehr gut vertreten. Bis zum Ende des Jahres soll es in Deutschland 30 Stores geben. Neue interessante Märkte sehen wir in Dänemark, Schweden, Frankreich und UK. Im Sommer ist die Eröffnung eines Stores in London geplant.
Für die Zukunft haben wir eine klare Vision: Bis 2020 möchten wir eine der erfolgreichsten Direct-to-consumer Brillenmarken in Europa und zudem in mehr als zehn Ländern präsent sein. Da gibt es noch Einiges zu tun! Wir wissen aber auch, dass es ambitionierte Ziele braucht, um etwas zu erreichen.

Kontext
Seit 2013 entstanden mehr als 45 Stores in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Dänemark und Schweden. In NRW betreibt VIU insgesamt sechs Stores in Köln, Düsseldorf, Münster, Bonn, Aachen und seit Kurzem auch in der Bielefelder Altstadt. Die Philosophie: hoher Designanspruch, präzises Handwerk und faire Brillen-Komplettpreise (Korrekturbrillen inkl. Gläser ab 165€, Sonnenbrillen ab 145€), Swiss Design, handmade in Italy.

Weitere Informationen: www.shopviu.com