Vielfalt in der Wirtschaft: Am Ende gibt es ein besseres Ergebnis

Stephan Dirschl, Pressesprecher Charta der Vielfalt e.V. (Foto: Lydia Graggo)

Unternehmen, die auf Vielfalt setzen, haben mehr Innovationskraft: Im Interview erklärt Stephan Dirschl, Pressesprecher des Charta der Vielfalt e. V., woran das liegt, welche Potenziale in gemischten Teams stecken und welche Ziele die Charta der Vielfalt verfolgt.

m&w: Herr Dirschl, warum müssen sich Unternehmen heute mehr als zuvor mit dem Thema „Vielfalt“ in der Belegschaft und als Standortfaktor beschäftigen?

Stephan Dirschl: Deutschland ist so vielfältig wie niemals zuvor. Es ergibt daher nur Sinn, diese Vielfalt als Chance zu sehen und zu nutzen. Denn genau das ist sie auch. Gemischte Teams beleuchten Themen aus vielen verschiedenen Perspektiven und führen am Ende zu einem besseren Ergebnis, da die Thematik vollumfänglicher beleuchtet wird. Außerdem bedeuten vielfältige Kunden und Kundinnen gleichzeitig auch vielfältige Bedürfnisse, die Dienstleistungen und Produkte heute erfüllen müssen. Diese werden am besten von gemischten Teams gesehen und entwickelt.

m&w: Welche Unternehmen (Branche und Größe) setzen heute bereits auf Diversität und welche tun sich noch schwer damit?

Stephan Dirschl: Sicherlich waren es die großen Konzerne, die zuerst Diversity als Business Case erkannt, entsprechende Abteilungen etabliert und den Prozess angestoßen haben, eine wertschätzende Organisationskultur zu etablieren. Aber Vielfaltsmanagement ist auch schon lange bei kleinen und mittleren Unternehmen festzustellen. Vielleicht nur nicht unter der Überschrift „Diversity Management“. Wichtig ist, dass die Geschäftsführungen die Wichtigkeit erkennen und Diversity in allen Prozessen mitdenken. Um das Thema voranzubringen, braucht es nicht unbedingt eine eigene Abteilung. Heute ist der Großteil der deutschen Organisationen – das zeigt auch unsere aktuelle Studie Diversity Trends – überzeugt, dass man an Diversity Management nicht mehr vorbeikommt und dass wichtige Chancen verloren gehen, wenn man Vielfalt nicht steuert. Allerdings haben viele noch Probleme, diese Überzeugung in die Praxis umzusetzen. Ein guter Start für Unternehmen kann die Teilnahme an unserem Netzwerk sein und die Unterzeichnung der „Charta für Vielfalt“.

m&w: Ob soziale Herkunft, Religion oder sexuelle Orientierung: Wie macht sich die Benachteiligung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen bemerkbar?

Stephan Dirschl: Die Charta der Vielfalt setzt bereits an, bevor Diskriminierung passiert. Unser Ziel ist es, eine wertschätzende Arbeitswelt zu schaffen, unabhängig von Alter, ethnischer Herkunft und Nationalität, Geschlecht und geschlechtlicher Identität, körperlichen und geistigen Fähigkeiten, Religion und Weltanschauung, sexueller Orientierung und sozialer Herkunft. Wenn Arbeitgebende auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden eingehen und versuchen, sie zu hören und zu berücksichtigen, dann wird Diskriminierung erst gar nicht passieren. Hierzu gehört beispielsweise auch eine Sprache, die einschließt und einzelne Gruppen nicht an den Rand stellt – ob bewusst oder unbewusst. Und sicherlich auch eine offene Dialogkultur.

m&w: Wir leben in einer Wissensökonomie, wer über Wissen verfügt, das andere nicht haben, besitzt theoretisch einen Wettbewerbsvorteil. Was bedeutet das in Bezug auf die Zusammensetzung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Stephan Dirschl: Wir sprechen hier von Innovationskraft. Denn sicherlich können nur diejenigen Organisationen auf dem nationalen und globalen Markt langfristig bestehen, die Entwicklungen frühzeitig erkennen und die ihre Modelle sehr schnell anpassen an Veränderungen. Organisationen, die vielfältige Mitarbeitende beschäftigen und Diversity Management umsetzen, sind gerade in diesen beiden Faktoren sehr gut aufgestellt. Auch das beweist unsere aktuelle Studie Diversity Trends. Dort haben wir untersucht, wie schnell Organisationen mit den notwendigen Flexibilisierungen aufgrund von COVID-19 klargekommen sind. Die Organisationen, die Diversity Management aktiv umsetzen, waren hier deutlich schneller.

m&w: Wie kann ein Diversity Management-Konzept aussehen, das Unternehmen und Mitarbeitern gleichermaßen Vorteile bietet?

Stephan Dirschl: Wichtig ist, dass Diversity Management als Strategiethema gesehen wird. Alle Prozesse in einer Organisation müssen im Blick behalten werden. Ein guter Start wäre zu prüfen, wie vielfältig das eigene Unternehmen aufgestellt ist. In welchen Dimensionen fehlt Potenzial? Welche Teams sind zu homogen und bräuchten heterogenere Perspektiven? Und essenziell ist auch, dass die Belegschaft mitgenommen wird. Unternehmen haben die Möglichkeit, am nächsten Deutschen Diversity-Tag am 18. Mai mit einer Aktion teilzunehmen und so Flagge für Vielfalt zu zeigen.

 

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