Unternehmensnachfolge: „Wir versuchen vieles anders zu machen“

Tobias Picker, Geschäftsführer der Döpik Energietechnik GmbH, führt seit 2010 das väterliche Familienunternehmen. Warum er die Nachfolge angetreten und was ihm wichtig ist, erklärt er im Interview.

 

m&w: Warum haben Sie die Nachfolge angetreten? Was hat Sie motiviert, Verantwortung zu übernehmen?

Für Tobias Picker, Geschäftsführer der Döpik Energietechnik GmbH, war schon sehr früh klar, dass er den väterlichen Betrieb übernehmen möchte.

Tobias Picker: Verantwortung für Menschen und Projekte zu übernehmen, hat mich schon früh begeistert. Das fing bereits in der Schule an, wo ich als Klassen- und Schülersprecher mit Freude organisiert habe. Im Alter von 23 Jahren habe ich von meinem Vater die Chance bekommen, das Familienunternehmen zu leiten. Vier Jahre später hat er mir zu einhundert Prozent den Betrieb überschrieben. Das war auch mein Wunsch. Ich habe ihn damals gefragt, was ich tun muss, um den Betrieb übernehmen zu können und hatte mir konkrete Ziele gesetzt. Als ich diese erreicht hatte, haben wir die Nachfolgeregelung umgesetzt. Mein Vater hat mich machen lassen, auch Fehler. Trotz Ratschläge von außen, die Übergabe schrittweise durchzuführen, hat er mir sein Vertrauen geschenkt. Er wolle nicht bremsen, war damals seine Begründung. Im Rückblick bin ich mir sicher, dass es eine andere Unternehmensführung gewesen wäre, wenn ich erst mit Mitte 40 Verantwortung übernommen hätte. Vieles hätte ich so fortgeführt, wie es mein Vater praktiziert hat. Mit Ende 20 hatte ich einen besonderen Drang, etwas bewegen zu wollen und mit dem Team Vollgas zu geben. Falls meine Söhne später einmal Interesse an der Weiterführung des Unternehmens haben sollten, dann würde ich ähnlich handeln wie mein Vater.

m&w: Der Senior ist auch heute noch im Betrieb?

Tobias Picker: Ja, es ist gut zu wissen, ihn nach seiner Meinung fragen zu können. Aus Entscheidungen hält er sich jedoch komplett heraus.

m&w: Liegt die Verantwortung für das Unternehmen allein bei Ihnen oder verteilen sich die Zuständigkeiten auf mehrere Personen?

Tobias Picker: Ich freue mich sehr, dass wir zu zweit die Verantwortung tragen und Entscheidungen gemeinsam treffen. Vor elf Jahren ist Jochen Schipper als technischer Leiter zu uns gekommen, vor drei Jahren hat er Prokura erhalten und seit einem Jahr ist er technischer Geschäftsführer. Wir beide sind dankbar, die Erfahrungen meines Vaters nutzen zu dürfen. Einen Teil der Verantwortung abzugeben, war für mich kein Problem. Das habe ich vom Senior gelernt. 

m&w: Was bedeutet Unternehmertum für Sie?

Tobias Picker: Die Familie steht ganz klar an erster Stelle und die Firma gleich dahinter. Wir haben im Unternehmen eine Lebenskultur etabliert, die wir gemeinsam mit den Mitarbeitenden leben und die wir kontinuierlich verbessern. Bei uns heißt Familienbetrieb nicht nur Familienbetrieb – wir leben „Familie“ tatsächlich.

Und das zeigt sich darin, dass wir vieles miteinander teilen. Beschäftigte erzählen, wenn sie sich ein neues Auto kaufen oder einen Hausbau planen. Wir praktizieren ein enges Miteinander auf Augenhöhe – das gilt vom Auszubildenden bis zur Raumpflegerin. Das ist uns wichtig, das motiviert und erhöht den Spaß an der Arbeit. Wir alle verbringen tagtäglich viele Stunden am Arbeitsplatz, da ist es entscheidend, dass alle auch mit Freude ihrer Tätigkeit nachgehen.

Unternehmertum bedeutet auch, den Mitarbeitenden Möglichkeiten der Weiterentwicklung zu bieten. Fast 40 Prozent der Angestellten sind heute nicht mehr in dem Arbeitsbereich tätig, in dem sie gestartet sind. Der Servicetechniker ist zum Beispiel im Verkauf tätig, die Mitarbeiterin für die Angebotserstellung nun im Marketing. Gemeinsam entwickeln wir Karrieremöglichkeiten, wenn Mitarbeitende das wünschen. Für viele ist das ein weiterer Motivationsschub, der die Freude an der Arbeit erhöht. Und wem die Tätigkeit Spaß macht, der erledigt sie auch gut.

 m&w: Wie beschreiben Sie Ihren Führungsstil? Was machen Sie anders als Ihr Vorgänger? 

Tobias Picker: Wenn ich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter frage, dann bekomme ich oftmals die Antwort, dass wir anders sind. Und in der Tat versuchen wir vieles anders zu machen und immer wieder zu reflektieren, ob die Entscheidung von gestern die richtige war. Wir alle haben es uns abgewöhnt, auf Neues oder Unbekanntes mit Ablehnung zu reagieren. Wichtig ist, die Komfortzone zu verlassen, auszuprobieren, um die Vor- und Nachteile zu erkennen. Oftmals stellen wir fest, dass sich das Experiment gelohnt hat. Diese Haltung gilt im Übrigen nicht nur für die Mitarbeitenden, sondern auch für uns Verantwortliche, weil wir eine Vorbildfunktion haben. Ein Beispiel: Mein Geschäftsführer-Kollege und ich haben unsere festen Arbeitsplätze aufgegeben, um den Wandel vorzuleben und zu zeigen, das nichts bleiben muss, wie es immer war. Auch möchten wir herausfinden, wo mögliche Probleme bei variablen Arbeitsplätzen liegen. Unsere Intention ist es, dass auch die Angestellten von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Das heißt jedoch nicht, dass wir feste Arbeitsplätze grundsätzlich bei uns abschaffen.
Unsere flachen Hierarchien und die Übertragung von Verantwortung an die Beschäftigten hat sich in den letzten Jahren ebenfalls als erfolgreich erwiesen. Das Gleiche gilt für die Entscheidungsfindung, das Team entscheidet zum Beispiel, welcher Mitarbeiter eingestellt wird.

m&w: Was waren und sind die größten Herausforderungen und wie möchten Sie diese bewältigen?

Tobias Picker: Wir sind in den letzten fünf Jahren enorm gewachsen, von 40 auf nunmehr 90 Beschäftigte. Insbesondere im Vertrieb haben wir die Mitarbeiterzahl nahezu verdoppelt. So positiv das auch ist, Wachstum führt auch zu Veränderungen. Wir mussten und müssen lernen, damit umzugehen. Und selbstverständlich läuft es nicht immer rund und es wurden auch Fehler gemacht. Wichtig ist es dann, nach Lösungen zu suchen, Erklärungen zu geben und die Mitarbeiter einzubeziehen. Bisher ist es uns gelungen, weil wir uns immer wieder auf unsere Stärken besinnen und reflektieren. Motivierend und den Teamgeist fördernd sind zum Beispiel unsere regelmäßigen gemeinsamen Aktivitäten. Demnächst gehen alle Beschäftigten für zwei Tage auf einem Partyschiff in Nürnberg an Bord.

Weitere Herausforderungen sind die Umstellung unseres ERP-Systems und unser Bauvorhaben. Wir hoffen, in diesem Jahr mit der Umsetzung unseres Energie- und Innovations-Campus beginnen können. Auf gut 30.000 Quadratmeter Fläche soll ein Kompetenzzentrum für die Energiewende entstehen. Dieses Projekt liegt uns sehr am Herzen. Es ist zudem ein wichtiges Instrument, um uns bis 2025 als attraktivster Arbeitgeber im Kreis Borken zu positionieren.

m&w: Wie wichtig sind Ihnen Kooperationen mit Partnern und Netzwerken oder die Nähe zu Startups? Falls ja, gibt es gemeinsame Projekte?

Tobias Picker: Das Konzept unseres neuen Campus ist ein Beweis dafür, dass wir großen Wert auf die Kooperation mit Partnern legen und bewusst die Nähe zu Startups suchen. Denn der Ort wird nicht nur von uns genutzt, sondern steht auch anderen Zukunftsdenkern und kreativen Köpfen zur Verfügung. Hier sollen verschiedenste Kompetenzen gebündelt und gemeinsam Lösungen für die Energiewirtschaft und Zukunftsthemen aus der Digitalisierung umgesetzt werden. Unser Ziel ist es, einen lebendigen Ort zu schaffen, an dem nicht nur ein modernes Arbeitsumfeld geschaffen wird, sondern auch ein Gastronomieangebot, Räume für kleine Events und für den Austausch. Die Mitarbeitenden sollen gerne hierherkommen, weil sie sich hier wohlfühlen und mehr geboten bekommen, als wenn sie allein im Homeoffice arbeiten.

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