Unternehmensnachfolge: „Man kann nur im Team nachhaltig erfolgreich sein“

Felix Fiege führt seit 2014 gemeinsam mit seinem Cousin Jens Fiege in fünfter Generation das gleichnamige Familienunternehmen mit Sitz in Greven. Was ihn zu diesem Schritt bewogen hat und was Unternehmertum für ihn bedeutet, erklärt er im Interview.

 

m&w: Warum haben Sie die Nachfolge angetreten? Was hat Sie motiviert, Verantwortung zu übernehmen?

Felix Fiege (42) trat 2008 in die Fiege-Gruppe ein, zunächst als Geschäftsführer von Fiege Engineering und ab 2012 als Mitglied des Vorstands. 2021 wurden er und sein Cousin Jens Fiege als „Familienunternehmer des Jahres“ ausgezeichnet.

Felix Fiege: Es war anfangs nicht klar, dass ich bei uns im Familienunternehmen einsteigen werde. Nach meinem Studium habe ich erst einmal bei Unilever gearbeitet und später für Franz Haniel & Cie. Doch als sich 2008 die Gelegenheit ergab, den Schritt zu FIEGE zu gehen, habe ich die Chance sehr gerne genutzt und musste nicht lange überlegen. Wenn ich heute in den Rückspiegel schaue, war es auf jeden Fall der richtige Weg. Ich habe meine Entscheidung jedenfalls noch keine einzige Sekunde bereut. Die Arbeit in unserem Unternehmen bereitet mir sehr viel Freude, wir haben ein tolles Team – und natürlich ist die Tatsache, dass es immer auch um die eigene Familie geht, ein zusätzlicher Ansporn für mich. Die Erfahrungen, die ich zu Beginn meiner beruflichen Karriere außerhalb unseres Unternehmens sammeln durfte, möchte ich dabei keinesfalls missen.


m&w: Liegt die Verantwortung für das Unternehmen allein bei Ihnen oder verteilen sich die Zuständigkeiten auf mehrere Personen?

Felix Fiege: Mein Cousin Jens und ich führen das Unternehmen gemeinsam und stimmen uns intensiv ab. Alle wichtigen Entscheidungen treffen wir gemeinsam, unsere Büros sind nur durch eine Glastür voneinander getrennt. Die Regel bei uns ist einfach: Zum Ja sagen braucht es beide, zum Nein sagen reicht einer. Seit wir 2014 die Verantwortung für das Familienunternehmen komplett übernommen haben, ist es allerdings noch nie vorgekommen, dass wir keinen Konsens gefunden haben. Es wurde sicherlich schon sehr viel diskutiert, das gehört dazu und muss so sein, aber am Ende haben wir immer einen Konsens gefunden und wahrscheinlich bessere und sichere Entscheidungen getroffen.

m&w: Was bedeutet Unternehmertum für Sie?

Felix Fiege: Wie viel Platz bekomme ich für meine Antwort? Das ist eine große Frage. Unternehmertum bedeutet für mich ganz viel, es gibt unheimlich viele Facetten, die bei dieser Frage mit reinspielen. Im Kern geht es aber, denke ich, sicherlich darum, immer offen für Neues und bereit für Veränderungen sowie stetigen Wandel zu sein. Und darum, mutig zu sein. Wir haben uns als Unternehmen in unserer fast 150-jährigen Geschichte immer wieder neu erfunden. Vom Pferd zum Lkw, vom Spediteur zum Kontraktlogistiker, vom Kontraktlogistiker zu einem modularen Logistik-Dienstleister, der heute neben dem Kerngeschäft der Kontraktlogistik auch in den Bereichen Digital Services, Real Estate und Ventures erfolgreich ist. Es geht bei Unternehmertum also um Innovationsgeist und Weitsicht. Und natürlich geht es auch um Verantwortung – gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, gegenüber der Familie und auch gegenüber der Gesellschaft.

m&w: Wie beschreiben Sie Ihren Führungsstil? Was machen Sie anders als Ihr Vorgänger?

Felix Fiege: Es ist immer ein bisschen undankbar, darüber zu reden, weil es alle anderen vermutlich besser beurteilen können als ich selbst. Aber ich versuche, immer ein offenes Ohr für meine Kolleginnen und Kollegen zu haben. Der Grundsatz bei uns lautet: Jede und jeder bei FIEGE hat ein Recht auf gute Führung. Und jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter soll bei uns gerne zur Arbeit kommen und sich wohlfühlen. Wir sind ein Familienunternehmen – und das soll man auch spüren. Der Mensch steht bei uns immer im Fokus. Das war bei meinem Vater und meinem Onkel, also Jens‘ und meinen Vorgängern auch schon so. Dennoch hat sich die Art der Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren stark verändert. Die Komplexität ist größer geworden. Man kann nur im Team nachhaltig erfolgreich sein. Jens und ich verstehen uns daher als Teil einer großen Mannschaft, in der wir die Leitplanken vorgeben.

m&w: Was waren und sind die größten Herausforderungen und wie möchten Sie diese bewältigen?

Felix Fiege: Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind mit Sicherheit absolute Kernthemen. Ich bin der festen Überzeugung: Alles was digitalisiert werden kann, wird auch digitalisiert werden – und vermutlich schneller, als wir es uns heute vorstellen können. Die Corona-Pandemie hat das noch einmal eindrucksvoll gezeigt. Deshalb möchten wir bei den Themen Digitalisierung und Innovation vorangehen, anstatt der Musik hinterherzulaufen. Wir möchten uns immer mehr zur Data Driven Company entwickeln. Und auch beim Thema Nachhaltigkeit möchten wir schnell und immer weiter vorankommen. Jens und ich haben uns das klare Ziel gesetzt, unser Unternehmen nicht nur wirtschaftlich gesund, sondern auch klimaneutral an die nächste Generation zu übergeben. Dabei ist uns wichtig, dass wir Nachhaltigkeit immer auf drei Ebenen denken: ökologisch natürlich, aber genauso auch ökonomisch und sozial.

m&w: Wie wichtig sind Ihnen Kooperationen mit Partnern und Netzwerken oder die Nähe zu Startups?

Felix Fiege: Sehr wichtig. Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, werden und müssen wir nicht alleine bewältigen können. Deswegen gehen wir Partnerschaften mit anderen Unternehmen ein. Und wir investieren in Startups. Dafür haben wir mit XPRESS-Ventures einen eigenen Company Builder, mit F-LOG Ventures einen unabhängigen Venture-Capital-Fonds aufgesetzt. Grundsätzlich suchen wir immer nach Ideen und Lösungen, von denen wir glauben, dass sie perspektivisch das Potenzial haben, die Logistikbranche zu revolutionieren. Und dann versuchen wir, dabei zu helfen, das jeweilige Startup auf das nächste Level zu heben. Vereinfacht gesagt, möchten wir Menschen, Ideen und Kapital zusammenbringen, um im besten Fall bahnbrechende Geschäftsmodelle zu entwickeln.

m&w: Es gibt also auch gemeinsame Projekte?

Felix Fiege: Es gibt viele Beispiele. Wir haben etwa ein spannendes Pilotprojekt mit E.ON, bei dem es darum geht, eine bi-direktionale Ladeinfrastruktur zu schaffen. Die Batterien unserer Fahrzeuge werden dabei als Puffer genutzt, um Spitzenbelastungen unserer Immobilien auszugleichen. Unsere Zentrale in Greven zum Beispiel wird bereits seit einiger Zeit bi-direktional durch Strom von Fahrzeugen versorgt, die draußen vor der Haustür stehen. Das ist ein tolles Innovationsprojekt, bei dem wir ganz vorne mit dabei sind. Ein anderes Beispiel ist, dass wir uns im vergangenen Jahr an sennder beteiligt haben, einem Startup aus Berlin, das seit seiner Gründung vor sieben Jahren zur führenden digitalen Spedition in Europa aufgestiegen und mittlerweile ein Unicorn ist. Diese Beteiligung schafft für unsere Kunden zusätzliche Sicherheit im Transportbereich, und wir können weitere und nachhaltige Transport-Optionen anbieten. Am Ende profitieren dadurch also vor allem unsere Kunden – und das ist unter dem Strich immer der entscheidende Ansatz für unser unternehmerisches Handeln.

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