Unternehmensführung – Ein iterativer Prozess

Wie lässt sich eine offenere und wertschätzende Unternehmenskultur entwickeln? Helge Werner, Geschäftsführender Gesellschafter der dimension21 GmbH, beschreibt wie ein solcher Prozess aussehen kann.

Beobachten und Hypothesen bilden: Warum wird z.B. in einem Team nicht offen gesprochen oder vielleicht die gegenseitige Wertschätzung fehlt. Foto: AdobeStock © pressmaster

Beobachten: Im ersten Schritt gilt es zunächst einmal gut hinzuschauen. Also Beobachtungen anzustellen und dies bewusst aus unterschiedlichen Perspektiven. Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass unsere Beobachtungen und die Art und Weise wie wir diese beschreiben, immer vor dem Hintergrund unserer persönlichen Erfahrungen, Prägungen, unserer persönlichen Werte, Normen u.ä. erfolgen. D. h. was der eine als wenig wertschätzend und verschlossen erlebt, kann für einen anderen ein normales, sachliches Verhalten darstellen. Wir nehmen selektiv die Beobachtungen wahr, die zu unserer Konstruktion der Welt passen. Es ist also empfehlenswert, andere Menschen nach ihren Beobachtungen zu fragen, um die eigenen zu ergänzen und zu erweitern.

Hypothesen bilden: Auf der Grundlage unserer Beobachtungen suchen wir nach Erklärungen und wie wir diese in Bezug auf die gewünschte Veränderung bewerten. Also, was glauben wir, warum z. B. in einem Team nicht offen gesprochen wird und warum vielleicht gegenseitige Wertschätzung fehlt. Je mehr und je unterschiedlicher die Erklärungsmodelle aussehen, umso wertvoller und nützlicher sind diese für unser Handeln. Letztlich bleiben es aber Hypothesen, d. h. es könnte so sein – es könnte aber auch ganz anders sein. Wir wissen es nicht.

Interventionen planen und umsetzen: Der folgende Schritt besteht darin, sich auf Grundlage der wahrscheinlichsten Hypothese mögliche Interventionen zu überlegen und umzusetzen, die das Team dazu bringen könnten, offener und wertschätzender miteinander umzugehen. Beispielsweise könnte man von der Hypothese ausgehen, dass die Regel ist, den Fokus auf das zu legen, was nicht gut läuft oder gelingt. Eine entsprechende Intervention könnte sein, die nächste Teambesprechung mit der Frage zu beginnen, was in der vergangenen Zeit gelungen ist, Spaß gemacht hat und wo Zusammenarbeit gut geklappt hat und wie es dazu kam.

An dieser Stelle beginnt der Prozess wieder von vorn und es wird spannend. Da wir auf der Grundlage von Hypothesen gehandelt haben, können wir das Ergebnis nicht voraussagen. Es kann sein, dass sich nichts Beobachtbares verändert und der Rest der Besprechung so abläuft wie immer. Es kann sein, dass sich etwas verändert, das wir aber nicht gut heißen – es könnte sein, dass es Widerstand gegen solche Lobhudelei gibt. Es kann auch sein, dass sich etwas in eine positive Richtung verändert und nach der Eröffnungsfrage zum Beispiel offener und/oder wertschätzender gesprochen wird. Wäre letzteres der Fall, könnte das ein Hinweis sein, dass unsere Beobachtungen, Hypothesen und Interventionen hilfreich waren. Vielleicht hat aber auch die richtige Mannschaft das Spiel am Vorabend gewonnen.

Uns bleibt nur, den Prozess wieder von neuem zu beginnen: zu beobachten, Hypothesen zu bilden und die nächste Intervention zu planen und umzusetzen, ggf. wiederholen wir die vorangegangene Intervention und beobachten, ob sie weiterhin positive Effekte hat. Vielleicht müssen wir aber auch in ganz andere Richtungen denken.

Anstrengend? Ja, sicher. Und vor allem auch mit einer gehörigen Portion Unsicherheit verbunden. Auf der anderen Seite erhalten wir aber beim konsequenten Einsatz dieser Vorgehensweise ein aus Führungssicht gutes Ergebnis. Wenn eine Führungskraft diesen iterativen Prozess professionell beherrscht und damit auch die erforderlichen Grundannahmen akzeptiert, bestehen gute Möglichkeiten, nicht entscheidbare Prämissen im Unternehmen im gewünschten Sinne aktiv zu beeinflussen.

Dazu ist ein Umdenken und Überwinden des klassischen Führungsverständnisses erforderlich, bei dem eine professionelle Unterstützung durch Coaching und Training sehr hilfreich ist. Vielen unserer Kunden, die wir auf diesem Weg bereits begleiten durften, ist es gelungen, ihre Unternehmens-  und Führungskultur in die gewünschte Richtung zu beeinflussen.

Weitere Informationen:www.dimension21.de

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