Unchained Robotics: Wie lautet der Befehl?

Die Gründer Mladen Milicevic, Anton Veynshter, Niclas Montag und Andrej Dik (v.l.) setzen auf kollaborierende Roboter, die Hand in Hand mit dem Menschen arbeiten, und vor allem für Einsatzgebiete ideal sind, in denen individuelle Lösungen und Handarbeit gefragt sind.
Foto: Unchained Robotics

Das Paderborner Start-up Unchained Robotics will mit einem Sprachassistenzsystem industrielle Fertigungsprozesse revolutionieren. Das Besondere: Der Roboter wird per Stimme gesteuert. Wie die Geschäftsidee entstanden ist und wo die aktuellen Herausforderungen liegen, erklärt Mitgründer Mladen Milicevic.

M&W: Herr Milicevic, wie sieht Ihre Geschäftsidee aus?   

Mladen Milicevic: Unchained Robotics ermöglicht Unternehmen in der Leistungselektronik eine effiziente Lösung der Fertigung variabler Losgrößen in Kleinserie. Hierzu bieten wir den Unternehmen eine Systemlösung aus Kamera, Software und kollaborativem Roboter (Cobot). Dank neuester Technologien können Betriebe so ihre bisher aufwändigen und manuellen Prozesse automatisieren. Für den Start entwickeln wir eine fokussierte Lösung, der den variablen Steckprozess für Bauelemente und Leiterplatten automatisiert.

M&W: Wie hat sich daraus die Leidenschaft entwickelt, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Mladen Milicevic: Die Idee entstand während eines Praktikums in China. In einem Telefonat mit den heutigen Mitgründern entstand dann das erste Konzept zur Sprachsteuerung von Robotern in der Industrie. Nach der Teilnahme am vom Technologietransfer- und Existenzgründungs-Center der Universität Paderborn initiierten Ideenwettbewerb „Call for Ideas“ wurde die Idee immer weiter ausgearbeitet und um neue Erkenntnisse bereichert. So konnten wir feststellen, dass es Prozesse in der Industrie gibt, die in ihren Komponenten standardisiert sind, aber in der Umsetzung sehr variabel sein können. Diese technische Komplexität war der Anreiz für uns, die Idee eines eigenen Unternehmens zu verfolgen.

M&W: Welche Lösungsmöglichkeiten bieten Sie und wo liegt der Nutzen?

Mladen Milicevic: Unsere Kundengruppe fertigt Produkte in geringen Stückzahlen mit ständig ändernden Varianten. Große Automatisierungsmaschinen benötigen einen hohen Grad an Standardisierung und bieten sehr geringe Flexibilität. Für unsere Zielgruppe lohnt sich der Einsatz dieser teuren Maschinen, aufgrund wechselnder Produkte und Anforderungen, nicht. Unchained Robotics bietet eine flexible Automatisierungslösung, die dank künstlicher Intelligenz Bauelemente, Orientierung und Aufträge miteinander vereint. Wir ermöglichen hiermit eine günstigere und effiziente Automatisierungslösung, die Aufwand in der Fertigung und Qualitätskontrolle reduziert.

M&W: Was bedeutet für Sie Innovation?

Mladen Milicevic: Innovation bedeutet für uns, Probleme auf neuartige Weise, sinnvoll zu lösen. Lösungen nutzen niemandem, wenn sie neu, aber nicht effizient sind. Ebenfalls nutzen Lösungen nichts, wenn sie Probleme lösen, die von vielen gar nicht erst wahrgenommen werden. Wir durchlaufen diese Erkenntnisse immer wieder und fragen uns, welche Lösung tatsächlich sinnvoll für ein bestehendes Problem ist.

M&W: Hatten bzw. haben Sie Probleme bei der Finanzierung?

Mladen Milicevic: Es werden heute unglaubliche Möglichkeiten geboten, Ideen auszuprobieren und als Team an den Start zu kommen. Aus unserer Sicht sind die Finanzierungsmöglichkeiten zum Start hervorragend. In der jetzigen Phase benötigen unsere Lösungen jedoch auch teure Hardwarekomponenten. Hier gibt es kaum Förderprogramme, die Start-ups unterstützen. Daher befinden wir uns jetzt in ersten Gesprächen mit Unternehmen, um diese Kosten durch Partnerschaften zu tragen.

M&W: Falls Sie schon mit Kooperationspartnern zusammenarbeiten, wie funktioniert die Kooperation?

Mladen Milicevic: Bisher arbeiten wir noch nicht in einer Kooperation, wir sind jedoch auf der Suche nach Partnern. Da wir uns in einem frühen Stadium der Produktentwicklung befinden, suchen wir Partner aus der Leistungselektronik, die uns einen Zugang zu den Fertigungsprozessen ermöglichen. Unser Ziel ist es, in der Kooperation gemeinsam die Produktentwicklung voranzutreiben, sodass der Partner als erster von einem Wettbewerbsvorteil in der Fertigung profitiert. Dafür werden Kapazitäten bereitgestellt und Initialkosten getragen, die ohnehin bei der Anschaffung eines solchen Systems fällig werden.

M&W: Sind Sie mit der bisherigen Entwicklung zufrieden – und was war für Ihr Unternehmen bisher der größte Erfolg?

Mladen Milicevic: Wir sind dankbar und glücklich über die vielen Möglichkeiten, die sich uns bisher geboten haben. Nach dem „Call for Ideas“ haben wir schnell die Möglichkeit bekommen, durch das Gründerstipendium.NRW an die Arbeit zu gehen. Dank der garage33 steht uns ein Büro zur Verfügung, wo wir ersten Interessenten unseren Demonstrator vorstellen konnten. Unseren bisher größten Erfolg wollen wir mit dem Abschluss der ersten großen Kooperation Anfang 2019 feiern. Wenn man bedenkt, dass der heutige Fokus von Unchained Robotics erst vor drei Monaten entstanden ist, blicken wir sehr positiv auf die kommenden Aufgaben.

M&W: Wo geht die Reise hin und was werden Ihre größten Herausforderungen in den nächsten zwölf Monaten voraussichtlich sein? 

Mladen Milicevic: 2019 steht ganz klar im Fokus der Entwicklung des Systems #1. Am Ende des Jahres soll unser erstes fertiges System in der Montagehalle eines Kooperationspartners in Betrieb gehen und vollständig in die Fertigung eingebunden sein. Um unser Ziel zu erreichen, wollen wir, sobald wie möglich, die Kooperation mit einem lokalen Partner abschließen. Die nächsten zwei Monate werden daher entscheidend sein, ob wir unser Ziel erreichen.

Weitere Informationen: https://unchainedrobotics.de/