Trendthema: Frugale Innovationen – Ein Baustein der Zukunft

„Frugale Innovation“ – den Begriff haben Sie noch nie gehört? Damit sind Sie nicht allein.  Das Thema ist ähnlich wie open innovation noch recht neu.

Google Trends verrät uns, dass es um das Jahr 2014 erstmals Interesse an dem Begriff „Frugale Innovation“ gab. Bis heute ist das Interesse stetig gestiegen. Das ist kein Wunder: Frugale Innovationen können auf vielen unterschiedlichen Ebenen große Mehrwerte für Hersteller und Kunden generieren. Durch das bewusste Weglassen von Overengineering und den verstärkten Fokus  auf die Bedarfe des jeweiligen Markts ermöglichen sie die Erschließung von neuen Businessmodellen und Märkten.

Ludwig Deutsch, Projektmanager Open Innovation Bielefeld

Was sind Frugale Innovationen?

Frugale Innovationen kennzeichnen sich dadurch, dass sie genau auf ihren Markt und ihre Kunden zugeschnitten sind und den Fokus auf Kernfunktionen des Produkts legen. Dadurch sind sie im Allgemeinen wesentlich leichter zu bedienen, weniger fehleranfällig und im Gesamtpaket günstiger. Außerdem sind sie ressourcenschonend und daher nachhaltig. Ein Paradebeispiel für die Entwicklung einer frugalen Innovation ist der „Crop Tiger“ und stammt aus der Region Ostwestfalen-Lippe. Der in Herzebrock-Clarholz ansässige Landmaschinenhersteller Claas KGaA mbH erkannte, dass die Anforderungen der Landwirtschaft Indiens andere waren als in Deutschland oder den USA. So wurde in enger Zusammenarbeit mit indischen Ingenieuren und unter Berücksichtigung der Prinzipien der Open Innovation speziell für die Reisernte in Indien ein Mähdrescher entwickelt, der den Namen „Crop Tiger“ trägt. Dieser ist erschwinglich, schlank, robust und genau an die örtlichen Begebenheiten angepasst.

Wenn man sich über frugale Innovationen informiert, so werden diese häufig mit Schwellenländern in Verbindung gebracht, da hier vermeintlich eine besonders hohe Nachfrage nach robusten und kostengünstigen Produkten besteht. Der  Fokus bei der Entwicklung von frugalen Produkten liegt aber nicht darauf „low-cost innovation” zu betreiben. Vielmehr gilt es den Grundsatz „affordable excellence” bei der Entwicklung von frugalen Produkten zu beachten, also erschwingliche Exzellenz. Nicht nur in Schwellenländern, sondern auch in Industrienationen steigt die Nachfrage nach langlebigen, nutzerfreundlichen Lösungen. Glauben Sie nicht? Dann gehen Sie doch im Kopf einmal Ihre Haushaltsgeräte durch. Nutzen Sie alle Knöpfe, Programme und Funktionen? Oder doch eher die zwei bis drei Lieblingsprogramme? Und sind Sie bereit für die ungenutzten Funktionen einen höheren Preis zu zahlen? Diese Entwicklung wird durch Innovationstreiber wie den demografischen Wandel oder auch den Trend hin zu mehr Ressourcensensibilität und Nachhaltigkeit stetig gefördert.

Preiswert können wir nicht

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau ist ausgesprochen erfolgreich darin, High-Tech Innovationen zu entwickeln, aber es werden selten Aufträge aus Wachstumsmärkten gewonnen. Warum ist das so? Ein Blick zurück lohnt sich. Seit vielen Jahrzehnten verschwinden immer    mehr Produktionsstandorte verschiedenster Industrien aus Deutschland, wie zum Beispiel die Textilindustrie in den 1970er Jahren oder anschließend die Elektronikindustrie. Der strategische Fokus verlagerte sich dahingehend, dass Deutschland High-Tech-Vorreiter wird. Die Folge  dieser High-Tech Fokussierung ist, dass Low-Tech und Mid-Tech- Innovationen so lange vernachlässigt wurden, dass es heute schwer fällt, in diesen Segmenten Produkte zu entwickeln. Perfektion und „High-Tech” ist nicht alles – der Markt entscheidet mittel- und langfristig. Jedoch werden Veränderungen auf dem Weltmarkt dazu führen, dass wir frugale Innovationen auf die Agenda setzen müssen. Wir wissen schon lange, dass der Konkurrenzkampf nicht mehr innerhalb Europas, Deutschlands oder der Region stattfindet, sondern global ausgetragen wird. Auch eine kürzlich veröffentlichte Studie der Bertelsmann Stiftung und dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung kommt unter anderem zu diesem Ergebnis. Die Studie untersucht, welche Auswirkungen Chinas Industriestrategie „Made in China 2025“ auf den deutschen Maschinen- und Anlagenbau hat. Im Falle des Erfolgs der Strategie wird China mehr Maschinen und Anlagen in Drittländer exportieren und sich so zu einem starken Konkurrenten Deutschlands auf dem Weltmarkt entwickeln. Diese Entwicklung wird zudem dadurch  beschleunigt,  dass die Strategie Chinas eine Verringerung internationaler Importe vorsieht. Der Absatz des deutschen Anlagen- und Maschinenbaus wird mittelfristig stagnieren und im schlechtesten Fall langfristig sinken. Die Autoren der Studie rufen dazu auf, die Veränderungen auf dem Weltmarkt im Auge zu behalten und auf wachsende  Märkte, wie zum Beispiel Indien, gerade auch mit neu entwickelten Produkten zu reagieren, um so die Abhängigkeit von dominanten Märkten wie China zu verringern. Frugale Innovationen können ein Baustein sein, das mittlere Preissegment abzudecken und dort Umsätze zu generieren.

Das Projekt Open Innovation City möchte in den kommenden Monaten das Potential frugaler Innovationen im Maschinen- und Anlagenbau für die Unternehmen in der Region aufdecken. Wir möchten mit Ihnen gemeinsam in Workshops und im Austausch mit inspirierenden Experten  an einer wirtschaftlich erfolgreichen Zukunft der Unternehmen und unserer Region arbeiten. Im Vorfeld führen wir eine Studie durch, um festzustellen, inwieweit Open Innovation und Frugal Innovation bereits in den Unternehmen unserer Region verankert sind. (www.openinnovationcity.de)

Interessierte Unternehmen, die mit uns an dem Thema arbeiten oder über unsere Veranstaltungen informiert werden möchten, können gerne Kontakt aufnehmen.

Über die Initiative Open Innovation City Bielefeld
In einer Zeit des schnellen technologischen Wandels und gesellschaftlicher Entwicklungen wird Innovation zur Maßgabe für die Zukunftsfähigkeit deutscher Städte und Regionen. Das Prinzip der Open Innovation steht dabei für Offenheit, für das Vernetzen der gesellschaft-lichen Akteure und für die Verbindung zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Das Prinzip der Open Innovation wird in Bielefeld erstmals auf eine Stadt bertragen. Das Projekt wird geführt von der Fachhochschule des Mittelstands (FHM), der Founders Foundation, dem Pioneers Club und owl maschinenbau sowie vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert .

 

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