Transportlogistik

Realistische Planung dank Echtzeit-Daten 

Transport, Warenverteilung, Lagerhaltung und Kommissionierung sind wichtige Rädchen im Logistikprozess. Ohne realistische Planung mit Echtzeit-Daten läuft es nicht rund. 

Die Distribution großer Mengen an Konsumgütern und die hohe Anzahl der am Prozess beteiligten Logistikdienstleister erfordern optimale Auslastung der zur Verfügung stehenden Kapazitäten sowohl bei der Warenverteilung als auch in der Lagerhaltung und auf den Kommissionier-Flächen.

Diese hängt unmittelbar von optimal geplanten LKW-Ankunftszeiten ab, die bisher jedoch nur sehr schwer vorherzusehen sind, da die Logistikmanager im Kontrollzentrum nicht über Echtzeit-Statusdaten in aktuellen Lieferketten verfügen. Dementsprechend ist die Zuweisung  ankommender Warenlieferungen und LKW auf Be- oder Entladezonen aktuell nur sehr kurzfristig bzw. erst nach Ankunft möglich. Immer wieder führen Verkehrsbehinderungen oder Verzögerungen in den vorhergehenden Prozessen innerhalb der Lieferkette zu einer Verschiebung der geplanten Ankunftszeiten.

Zu späte und ungeplante Warenanlieferungen haben auch Einfluss auf den sich oft anschließenden Weitertransport, z.B. verspätete Abfahrt oder nicht optimal genutzter Stauraum im LKW, da für die Anschluss-Route geplante Waren noch nicht eingetroffen sind und kurzfristig keine alternative Ladung bereitgestellt werden konnte. Eine mobile, auf Echtzeitdaten basierende Anwendung könnte das Problem lösen.

Nachgefragt

„In real-time den Status und die Lokation von Fahrzeugen verfolgen“

Das Bielefelder Unternehmen Osconomy hat eine App entwickelt,  die in der Lage ist, bereits etablierte Logistikprozesse unter Nutzung aktuellster Technologie weiter zu optimieren. Oliver Schreiber, Geschäftsführer der Osconomy GmbH, über den Nutzen und die Potenziale. 

Oliver Schreiber

Oliver Schreiber: „Die Lösung funktioniert ohne eine Investition in die Hardware im Fahrzeug.“

Herr Schreiber, lässt sich das Problem mit einer IT-Lösung in den Griff bekommen, bzw. welche Herausforderungen stehen dahinter?
Oliver Schreiber: Moderne Tracking-Lösungen ermöglichen es in real-time den Status und die Lokation von Fahrzeugen zu verfolgen und darauf basierend eine realistische Abschätzung von Ankunftszeiten durchzuführen. Damit hat die Lager-Disposition die Option, in der Zulauf-Übersicht rechtzeitig zu erkennen, ob Docks und Warenbereitstellung umdisponiert werden müssen und die Auslastung damit verbessert werden kann. Möglich wird zudem eine integrierte und automatisierbare Neuplanung von Transport und Lagerdisposition durch eine Anbindung an entsprechende Transport-Management (TM)- und Warehouse-Management (WM / EWM)-Lösungen.

Im Falle unserer Truck Advisor Lösung, die basierend auf der SAP Cloud Platform betrieben wird, sind diese Integrationsoptionen für alle Backend-Lösungen über die Integration Services der Plattform abgedeckt.

Wo liegen die Vorteile für die Transporteure bzw. für das Transportmanagementsystem?
Oliver Schreiber: Die Nutzer des Transportmanagementsystems haben über ihr Dashboard auf Kartenbasis oder in Listenform für ihre Region oder Zuständigkeitsbereiche die Übersicht über erwartete Verspätungen, Ausfälle oder Standortabweichungen. Dies ist die Basis für eine Re-Disposition der Transportplanung und Basis für eine selektive Intervention, um verpasste Anschlusstransporte an Cross-Docking-Stationen für kritische Lieferungen zu vermeiden. Wenn diese Transportplanung vom Versender (z.B. Konsumgüter-Hersteller) für seine Produkte durchgeführt wird, ist es möglich, gezielt out-of-stock-Situationen beim Kunden im Handel zu vermeiden.

Wird die Transportplanung vom Transporteur für seine Flotte über alle seine Kunden betrieben, kann er auf dieser Basis seinen Kunden ein Cockpit zur Sendungsverfolgung über die Integration der Lieferdaten bereitstellen. Bei Lieferungen höherer Wertigkeit wäre auch ein Tracking der Sendung selbst über zusätzliche Sensoren erweiterbar.

Ein weiterer Wert der Anwendung ist die einfache Kommunikation über Push-Notifications zu den Fahrern, um über dringende Änderungen zu informieren, wie zum Beispiel die kurzfristige Umdisposition von Docks oder Zuweisung von Parkplätzen und Wartepositionen.

Wie hoch ist der Investitionsaufwand für die Logistikpartner?
Oliver Schreiber: Die Apps für die Fahrer sind kostenlos aus den App-Stores von Apple und Google herunterzuladen, um keine Hemmschwelle für die Nutzung zu erzeugen. Einzige Bedingung, das Vorhandensein von Smartphones für die Fahrer, was in vielen Betrieben gegeben ist. Die Anwendung selbst wird von dem disponierenden Partner, das ist in der Regel der große Versender mit komplexen Distributionsnetzen, an seine Logistikpartner als Service ohne Kosten bereitgestellt. Wenn der Logistikpartner selbst die Lösung bereitstellt, würde er mit einer geringen Gebühr pro Monat und nutzungsabhängigen Kosten pro Transport im Wesentlichen nutzenorientiert und variabel bepreist werden. Falls eine Integration in seine Backend TM-Systeme individuell erforderlich ist, entstehen ggf. geringe einmalige Projektkosten.

Die Lösung funktioniert ohne eine Investition in die Hardware im Fahrzeug oder die Integration der Onboard-Units. Das wäre eine Option, die einfach zu ergänzen ist, falls man weitere Parameter, wie Verbrauch oder Fahrzeugdaten ergänzend tracken möchte.

Inwiefern unterstützt das System den gesamten Digitalisierungs- und Vernetzungsprozess des Logistikers? 
Oliver Schreiber: Diese Frage lässt sich so nicht allgemeingültig beantworten, da man in der Transportlogistik mit anderen Prozessen, beteiligten Rollen und Partnern und Integrations-Themen zu tun hat, als in der Lager- oder Produktions-Logistik. Als verbindendes Element bietet unsere Plattform die Möglichkeit, die verschiedenen Planungssysteme zu integrieren und die real-time Tracking-Informationen der Fahrzeuge in Dashboards und als Daten für die Planer und Planungssysteme, aber auch für die verschiedenen Nutzergruppen der Versender und Empfänger bereitzustellen. Zudem bietet sie die einfache Möglichkeit, weitere Szenarien einfach zu ergänzen, um eine durchgängigere Digitalisierung zu unterstützen. Das entbindet aber nicht davon, für die Digitalisierung von Kernprozessen, wie z.B. der Transportplanung selbst, entsprechend leistungsfähige Systeme einzuführen, wenn man dort durchgängig automatisieren möchte. Unsere Lösung kann allerdings auch schon ohne diese Backend-Software auf Basis von File-Uploads genutzt werden.

Wie sieht es mit den Sicherheitsstandards und Datenschutz aus? 
Oliver Schreiber: Die Lösung ist auf der SAP Cloud Platform realisiert, weil wir damit die höchsten Sicherheits- und Auditstandards der SAP SE nutzen konnten, die sowohl von der Software-Technologie her, als auch von den Betriebs-Standards her gegeben sind. So wird unsere Lösung im SAP Rechenzentrum in Deutschland nach deutschem Datenschutzrecht und ISO 27001 Sicherheits-Standard betrieben. Die Kopplung und Anbindung der Apps ist verschlüsselt und die Anbindung der Cloud Platform an die Kunden-TM-Systeme erfolgt über eine sichere Verbindung mit dem SAP Cloud Connector. Für das User Management nutzen wir die SAP Identity Management Lösung auf der Cloud Platform.

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