Serie: Wissens- und Technologietransfer – Komplexe Prozesse einfach gemacht

In unserer neuen Serie berichtet Prof. Dr. Sebastian Vogt, Geschäftsführer des Technologietransfer- und Existenzgründungs-Centers der Universität Paderborn (TecUP), über erfolgreiche Ausgründungen und den Nutzen für die Wirtschaft.


Prof. Dr. Sebastian Vogt ist Geschäftsführer des Technologietransfer- und Existenzgründungs-Centers der Universität Paderborn (TecUP). Anhand von Best-Practice-Beispielen berichteter, wie es durch Hochschulausgründungen gelingen kann, Forschungserkenntnisse für Wirtschaft und Gesellschaft nutzbar zu machen.

Wie sich die exzellente Forschung an unseren Hochschulen in die Praxis überführen lässt, ist eine der zentralen Herausforderungen in der akademischen Welt. Mit wissenschaftlichen Erkenntnisgewinnen geht oftmals ein enormer gesellschaftlicher Mehrwert einher, dennoch fließen Forschungserkenntnisse noch immer zu selten in greifbare Produkte oder Dienstleistungen. Daran möchten wir arbeiten. Als eines von sechs Exzellenz Start-up Center.NRW setzen wir uns in Kooperation mit der Fachhochschule Bielefeld (FH Bielefeld) und der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL) dafür ein, Forschungserkenntnisse mit großem Marktpotential in überzeugende Geschäftskonzepte zu überführen. Wie das gelingen kann, zeigt unter anderem die vielversprechende Technologie des Startups edelsprint, eine Ausgründung der Universität Paderborn. Die Gründer Adrian Hülsmann und Christian Klaussner bündeln jahrelange Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Softwaretechnologie in einem Onlinetool für agiles Projektmanagement nach der Scrum-Methode.

Das Startup edelsprint ...
…hat ein Online-Tool für agiles Projektmanagement nach der Scrum-Methode entwickelt und macht Abläufe in den Unternehmen einfacher.

Die Scrum-Methode wird eingesetzt, um Arbeitsprozesse durch klar definierte Entwicklungszyklen zu optimieren, wobei der Fokus auf den Teams und ihrer Zusammenarbeit liegt. Der enorme Mehrwert dieses iterativen Ansatzes liegt in der Risikominimierung. Teilergebnisse werden schnell generiert und Korrekturen zeitnah integriert. Es ist den beiden Gründern gelungen, einen komplexen Prozess in eine einfach bedienbare Anwendung zu übersetzen. Durch die integrierte Performance-Analyse des Entwicklungsprozesses können individuelle Empfehlungen gegeben werden, damit Teams nachhaltig effizienter zusammenarbeiten und somit ihr volles Potential ausschöpfen. Daher könnte die Entwicklung für viele Unternehmen durchaus von großem Interesse und Nutzen sein. Insbesondere kleine bis mittelständische Unternehmen, Agenturen und Familienunternehmen mit flachen Hierarchiestufen und einem starken Teamgedanken können von dem klaren Aufbau und der leicht erlernbaren Webanwendung profitieren. Ich sehe in der Entwicklung aber auch ein Potential für die Bildungsbranche. Durch die Digitalisierung der Schulen gewinnt selbstorganisiertes Lernen und Arbeiten an Bedeutung. Die Idee für das Startup entstand während Adrians Forschungsarbeiten im Rahmen seiner Promotion auf dem Gebiet der Softwaretechnologie in der Fachgruppe „Mensch-Computer-Interaktion“ unter der Leitung von Prof. Dr. Gerd Szwillus. Er entwickelte zunächst benutzungsfreundliche Multitouch-Tische für sechs- bis achtköpfige Teams und lernte in seiner Funktion als Projektgruppenleiter seinen heutigen Co-Founder Christian Klaussner kennen. Aus Konzepten zu zukunftsweisenden Benutzerschnittstellen, sogenannten hochmodernen User Interfaces für kollaborative Arbeitsweisen, entwickelten die Gründer ein marktreifes Anwendungsszenario als Webanwendung.

Mit ihrer Gründungsidee wandten sich die beiden vor zweieinhalb Jahren an TecUP und konnten auch universitätsexterne Instanzen überzeugen. Sie erhielten Anfang 2019 eine 21-monatige Förderung im Programm START-UP-Hochschul-Ausgründungen NRW (heute Start-up Transfer.NRW) vom Ministerium für Wissenschaft und Forschung (MIWF) des Landes Nordrhein-Westfalen in Höhe von 240.000 Euro. Durch unser Coaching-Programm wurden sie bei der Antragsstellung für das Förderprogramm beraten und bezogen mit dem Projektstart ihr Büro in der garage33, dem Gründungsinkubator der Universität Paderborn. Seitdem profitiert das Team von der Expertise und dem Netzwerk des Gründungscenters. Als Beispiel kann hier ihre Teilnahme am OWL Startup Pitch 2019 genannt werden, der jährlich junge Innovatoren mit gestandenen Unternehmern und Business Angels aus OWL vernetzt. Daraufhin folgten erste Gespräche mit Investoren. Die Resonanz seit dem Launch der Webanwendung edelsprint Ende letzten Jahres ist positiv. So zeigt sich, dass Kunden – vielleicht beschleunigt durch die Corona-Pandemie – die Webanwendung sehr schnell schätzen gelernt haben.

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