Serie Chefsache: First Debit – Einfach mal die Perspektive wechseln

Tobias Domnowski hat nicht nur die Digitalisierung, sondern auch die nachhaltige Ausrichtung des Unternehmens vorangetrieben. (Foto: simonthon)

Die Inkassobranche hat nicht das beste Image und gilt weitgehend als konservativ. Die First Debit GmbH zeigt, dass es anders geht. Geschäftsführer Tobias Domnowski ist mit der Einführung seines digitalen Geschäftsmodells Vorreiter in Sachen Digitalisierung. Darüber hinaus hat er weitere Projekte zur Chefsache erklärt.

 

Tobias Domnowski stellt Bestehendes gerne mal infrage, denkt über den Tellerrand hinaus und ändert einfach mal die Perspektive. Das bringt völlig neue Ideen, die sich im besten Fall in einem neuen Geschäftsmodell umsetzen lassen, ist der Geschäftsführer der First Debit GmbH überzeugt. Der völlig andere Blick auf die Inkasso-Branche habe sich für sein Unternehmen gelohnt: „Viele Menschen sind heute digital unterwegs, sie kommunizieren über soziale Netzwerke, kaufen online ein, das Smartphone in der Hosentasche ist ständiger Begleiter“, so der Unternehmer. Dann sei es doch nur konsequent, dass auch Mahnungen auf dem Handy eintreffen und per Knopfdruck über Paypal bezahlt werden können. „Die wenigsten füllen heute noch einen Überweisungsträger aus, um ihre Rechnungen zu begleichen“, beschreibt Domnowski die aktuelle Situation, die ihn beflügelte, diesen nicht mehr aufzuhaltenden Wandel auf die Inkasso-Branche zu übertragen. Seine Motivation –  ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das den Gewohnheiten der Menschen entgegenkommt und in der Praxis darauf hinausläuft, Schuldner über digitale Strukturen zum Bezahlen ihrer offenen Rechnungen zu bewegen.

„Größte Herausforderung in unserem Geschäft ist die Erreichbarkeit der Menschen, mit denen wir eine Lösung finden müssen. Das gelingt umso besser, je mehr Kommunikationskanäle zur Verfügung stehen“, so Domnowski.

 

Der Nutzen für den Kunden und die Branche sei groß. „Diese Vorgehensweise führt zu einem eindeutig besseren Image, gleichzeitig erhöht es auch die Erfolgsquoten unserer Kunden. Und hier denke ich nicht nur an unsere Auftraggeber, sondern auch an ihre Kunden, die Schuldner, die eine Rechnung nicht bezahlt haben. Auch für sie ist es angenehmer, mit einem digitalen Partner zu sprechen, der kundenfreundlich agiert. Während das klassische Inkassobüro oftmals Druck aufbaut und mit drohenden Maßnahmen arbeitet“, beschreibt der Geschäftsführer der First Debit GmbH, der seit nunmehr zehn Jahren für besondere Impulse in der Branche sorgt. Tobias Domnowski führt in zweiter Generation das inhabergeführte Familienunternehmen mit Sitz in Hamm, dessen Wurzeln in die 80er Jahre zurückreichen.   

Mit dem studierten Marketingspezialisten stieg ein Nachfolger in den Betrieb ein, der nicht wie sein Vater die Denke, Mentalität, der Inkassobranche verinnerlicht hatte, sondern der mit dem Blick des Marketingfachmanns auf das Geschäftsmodell schaute. „Ich habe versucht, beide Welten miteinander zu verbinden“, sagt Domnowski, der schnell mit konkreten Lösungen überzeugte. So können Schuldner in sechs Sprachen im Online-Portal per Self-Service eine individuelle Zahlungsvereinbarung treffen oder per PayPal bezahlen. 2015 fand ein groß angelegter Relaunch statt mit dem Ergebnis, dass inzwischen über 25 Prozent der angemeldeten Schuldner über das Portal sofort zahlen oder eine Ratenzahlung vereinbaren. Vor gut drei Jahren startete die erste First Debit-App, die ohne Medienbrüche die Fähigkeiten mobiler Endgeräte mit modernem Inkasso verbindet. Über die App für Smartphone oder Tablet sind Bonitätsauskünfte aller führenden Auskunfteien über Privatpersonen oder Unternehmen in Echtzeit abrufbar, ebenso die direkte Übergabe offener Forderungen ins Inkasso über eine integrierte Scan-Funktion.

„Voraussetzung für die Umsetzung der digitalen Infrastruktur sind jedoch Spezialisten, die entsprechendes Know-how mitbringen“, sagt der Unternehmer, der überzeugt ist, dass von digitalen Strukturen alle Beschäftigten profitieren, indem sie beispielsweise von lästigen standardisierten Tätigkeiten entlastet würden. „Uns geht es immer darum, die Mitarbeitenden dort einzusetzen, wo sie ihre Fähigkeiten am besten einbringen können und das ist in ihrem jeweiligen Fachbereich. Schließlich ist die Kernkompetenz unserer Beschäftigten nicht, Ratenzahlungen entgegenzunehmen. Ihr Know-how ist bei der Einleitung einer Zwangsvollstreckung oder anderen juristische Inhalte tangierenden Tätigkeiten gefragt“, so Tobias Domnowski. Deshalb habe er von Beginn an eine hohe Akzeptanz seitens der Beschäftigten feststellen können. Die digitale Ausrichtung sei zudem ein Wachstumsbeschleuniger in Hinblick auf die Mitarbeiterzahlen und ein Beleg für das Schaffen zusätzlicher Arbeitsplätze.

Doch nicht nur die Digitalisierung treibt den Familienunternehmer um. Domnowski sieht sich nicht nur in der Verantwortung für seine Mitarbeiter, sondern auch der Schutz der Umwelt liegt ihm am Herzen. Deshalb sind nachhaltige Maßnahmen ein fester Bestandteil der Unternehmenskultur, die sich in verschiedenen Bereichen widerspiegeln. 

Als der Spezialist für Inkasso und Bonität vor drei Jahren in ein neues Unternehmensgebäude gezogen ist, wurden die Räumlichkeiten energetisch saniert. Für die aufwendige Modernisierung der Immobilie investierte der Unternehmer einen hohen sechsstelligen Betrag, unter anderem in eine neue Heizungsanlage und LED-Lichttechnik. Zur Sanierung gehörte auch die Installation einer Photovoltaik-Anlage. Sie versorgt mit dem selbstproduzierten Ökostrom aus Sonnenenergie sechs Ladesäulen, die nicht nur für die drei firmeneigenen Elektroautos, sondern auch für die Fahrzeuge der Mitarbeiter kostenfrei bereitstehen.

Für die nächsten Jahre hat Domnowski ein klares Ziel:

„Der Blick auf den Markt und nicht nur auf den eigenen bleibt wichtig. Unsere bisherigen Lösungen sind das Ergebnis permanenter Beobachtung, auch außerhalb der Inkasso-Welt. Wir müssen Antworten auf die Fragen finden, wie Verbraucher kommunizieren und wie sie einkaufen. Diese Erkenntnisse auf unsere Branche zu adaptieren, aber auch zu prüfen, ob diese Entwicklung für uns zielführend ist, das ist unsere Aufgabe. Grundsätzlich gilt es mit offenen Augen und Ohren durchs Lebens zu gehen. Diese Philosophie hat in den letzten zehn Jahren unsere Arbeit geprägt, daran halten wir auch weiterhin fest.

 

CHEFSACHE
Der Veränderungsprozess in der gesamten Wirtschaft schreitet mit rasantem Tempo weiter voran. Geschäftsmodelle wandeln sich und auch das Unternehmensmanagement muss sich konsequent strategisch und operativ auf die Zukunft neu ausrichten. In unserer Serie „Chefsache“ berichten Entscheider in den Unternehmen über ihre Herausforderungen, die sie zur Chefsache gemacht haben und wie sie diese Aufgabe umsetzen werden.
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