„Resiliente Fähigkeiten lassen sich erlernen“

In Ihrem Arbeitsbuch „Krisen annehmen und daran wachsen – Resilienz Hacks und Impulse fürs Selbstcoaching“ zeigt Heidrun Vössing, Diplom-Pädagogin, Lehrtrainerin und Lehrcoach, Wege auf, wie jeder einzelne zu mehr mentaler und emotionaler Stärke gelangen kann.

Frau Vössing, Sie haben Ihr aktuelles Buch, dass sich mit dem Thema Resilienz beschäftigt, in der Corona-Pandemie geschrieben. Warum in dieser Zeit?

Heidrun Vössing: Das Thema Resilienz beschäftigt mich beruflich schon seit einigen Jahren im Rahmen von Coachings und Seminaren. Ich hatte auch schon seit einiger Zeit die Idee, ein Buch zu dem Thema zu schreiben, in das auch gerade die Erfahrungen der Teilnehmenden mit einfließen sollten. Mit dem Lockdown hatte ich dann auch die Zeit und die Gelegenheit dieses Projekt zu priorisieren. Und ich glaube, dass das Buch gerade in dieser Zeit eine kleine Kraftquelle oder eine gute Unterstützung für die Leserinnen und Leser sein kann, um das Beste aus dieser besonderen Zeit zu machen.

Wie definieren Sie Resilienz?

Heidrun Vössing: Resilienz beschreibt die Fähigkeit eines Menschen auch unter starken Belastungen und widrigen Lebensumständen, gesund zu bleiben und das Beste aus seinem Leben zu machen. Eine andere Bezeichnung ist psychische Widerstandskraft, die es mir ermöglicht, mich von Schicksalsschlägen alsbald zu erholen oder mein Leben krisenfähig zu gestalten. Dabei ist Resilienz nicht etwa eine angeborene Eigenschaft, die man hat oder nicht, sondern vielmehr ein dynamischer Prozess der Entwicklung und der Anpassung. Jeder Mensch hat in seinem Leben bereits resiliente Fähigkeiten erworben, die sich stärken und erweitern lassen. Meine persönliche Erfahrung ist die, dass die resilienten Fähigkeiten eines Menschen umso stärker sind, desto besser es ihm gelingt, die geeigneten Ressourcen oder Kraftquellen zu nutzen. Diese Kraftquellen können innere Faktoren sein, wie beispielsweise Mut, Selbstvertrauen oder Gelassenheit. Es können aber auch äußere Faktoren sein, wie die Unterstützung von anderen Personen.

Das Thema Resilienz ist nicht neu. Warum passt es jetzt besonders gut in diese Zeit?

Heidrun Vössing: Dass es gut in diese Zeit passt, hat etwas mit den gesellschaftlichen Entwicklungen und den Veränderungen in der Arbeitswelt zu tun. Auch schon vor der Corona-Pandemie stieß das Thema auf eine große Resonanz. Resilienz war in Coachings häufig ein Thema und ich habe für einige Unternehmen Resilienz-Trainings durchgeführt. Diese Veränderungen werden ja häufig mit dem Akronym VUKA (Volatilität, Ungewissheit, Komplexität, Ambiguität) umschrieben. Das heißt, wir nehmen die Welt, in der wir leben und arbeiten, als schnelllebig, mehrdeutig, unsicher und unberechenbar wahr. Damit umzugehen ist nicht immer einfach, da wir Menschen unsere Routinen und unsere Komfortzone lieben. Das Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle ist ein psychisches Grundbedürfnis, das wir stabil halten wollen, damit es uns gut geht. Um mit diesen turbulenten Veränderungen besser umgehen zu können, wünschen wir uns dann mehr Flexibilität und Widerstandskraft.

Warum ist es wichtig, resiliente Fähigkeiten zu besitzen und wie kann jeder Einzelne entsprechende Kompetenzen erlangen?

Heidrun Vössing: Wir wissen aus verschiedenen Studien der Resilienzforschung, dass es bestimmte Schlüsselfaktoren gibt, die es uns ermöglichen, auch mit sehr schwierigsten Lebenssituationen gut umzugehen und daran zu wachsen. Das sind nicht nur Fähigkeiten wie beispielsweise Selbstverantwortung oder Sozialkompetenz, sondern auch die Grundeinstellungen Optimismus, Akzeptanz und Lösungsorientierung. Jeder Einzelne kann seine resilienten Fähigkeiten im geschützten Rahmen des Coachings erweitern oder auch mit Unterstützung aus der Familie oder dem Freundeskreis. Ebenso können Unternehmen einiges dafür tun, um ein Arbeitsklima zu schaffen, das Resilienz fördert. Fehlerfreundlichkeit, ein gutes Arbeitsklima oder Sicherheit vermittelnde Kommunikation sind nur einige Stichworte. Resilienz bezieht sich übrigens nicht nur auf Individuen, sondern auch auf Teams, Unternehmen oder ein Land bzw. ein Staat. Aktuell ist sicherlich die Frage sehr bedeutungsvoll, wie ein Unternehmen aufgestellt sein muss, um diese Zeit möglichst krisenfest zu überstehen.

Sie haben Ihre Erfahrungen und Erkenntnisse in einem Arbeitsbuch zusammengefasst? Wo sehen Sie den Vorteil für den Leser?

Heidrun Vössing: Mir schien die Idee, ein Arbeitsbuch zu schreiben, hilfreicher und nützlicher für die Leserinnen und Leser zu sein, als ein theoretisches Fachbuch. Ich habe es quasi auf der Basis meiner Coaching-Expertise geschrieben und so enthält das Buch verschiedene Coaching-Impulse, die dabei unterstützen sollen, die eigene Resilienz zu stärken.

Weitere Informationen: www.heidrun-voessing.de

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