Kolumne: Zu alt, zu jung? – Der richtige Zeitpunkt zum Gründen

Tristan Niewöhner

Tristan Niewöhner ist Gründer und Geschäftsführer der persomatch GmbH

„Es muss mehr Startup-Gründungen geben!“ – Dieses Ziel wird oft von entsprechenden Initiativen und auch von der Politik ausgerufen. Diese Sichtweise ist sicherlich volkswirtschaftlich richtig und nachvollziehbar. Allerdings sollte man neben dieser Sichtweise auch die individuelle, persönliche Lebenssituation der Gründer betrachten. Ein Unternehmen zu gründen ist ein fundamentaler Schritt und hat Auswirkungen auf alle Lebensbereiche. Daher ist es zwingend notwendig, einen solchen Schritt gründlich zu überlegen.
Neben vielen anderen Faktoren spielt das Alter, in dem man gründet, natürlich eine große Rolle. Daher stellt sich die Frage, ob es ein ideales Alter, also den „richtigen Zeitpunkt“ gibt, um ein Unternehmen zu gründen? Jedes Lebensalter bietet besondere Vor- und Nachteile.

Es gibt Gründer, die schon in sehr jungen Jahren, also zum Beispiel während ihrer Schulzeit, erste unternehmerische Erfahrungen sammeln. Grundsätzlich ist dies ein guter Zeitpunkt, um fast spielerisch Kenntnisse zu erwerben, die sich später auszahlen. So heißt es etwa über den weltberühmten und milliardenschweren Investor Warren Buffett, er habe als kleiner Junge Cola Flaschen im Pack gekauft und dann wiederum einzeln verkauft. Heute ist er einer der größten Anteilseigner des Coca Cola-Konzerns. Wenn man sich sehr jung unternehmerisch betätigt, ist das Risiko meistens noch nicht sehr hoch. Der finanzielle Einsatz ist eher gering und in der Regel hat man noch keine große Verantwortung für andere zu tragen.
Das sieht in höherem Alter schon anders aus. Wenn man eine eigene Familie hat, so hat man diese Verantwortung, nämlich für das Auskommen zu sorgen. Außerdem hat man sich unter Umständen durch einen festen Job schon an ein höheres Einkommen gewöhnt, auf das man natürlich nicht mehr so leicht verzichten kann oder möchte. Auf der anderen Seite hat man bereits wertvolle Berufs- und Lebenserfahrung gesammelt, so dass man bestimmte Fehler nicht macht, die man als junger Mensch gemacht hätte. Vielleicht verfügt man bereits über Expertenwissen in einem bestimmten Bereich, das man sehr gut für eine erfolgreiche Gründung einsetzen kann. Selbst im Rentenalter kann man noch seinen Traum von einer Unternehmensgründung verwirklichen. Man ist finanziell unabhängig, hat genügend Zeit und in seinem langjährigen Berufsleben interessante Ideen gesammelt, die man umsetzen und an andere weitergeben möchte.
Wenn man sich erfolgreiche Gründer anschaut, so stellt man fest, dass es für jeden Fall gute Beispiele gibt. Mark Zuckerberg hat Facebook als Student aus seinem Wohnheim gegründet. Dieter Mateschitz war als Angestellter viele Jahre viel unterwegs, bis er in Asien ein Getränk entdeckte, das er erfolgreich auf dem Weltmarkt platzierte, nämlich Red Bull. Beide haben Milliarden-Konzerne aufgebaut.
Insofern kann man keine allgemeingültige Regel aufstellen, in welchem Lebensalter man am besten ein Unternehmen gründen sollte. Wenn man davon überzeugt ist, dass sich eine gute unternehmerische Gelegenheit bietet und man bereit dazu ist, sie zu ergreifen, dann sollte man es tun. Wenn diese Überzeugung stark genug ist, dann spielen auch Ausreden, wie „ich bin zu alt, um zu gründen“ oder „ich bin zu jung, um zu gründen“, überhaupt keine Rolle mehr.

Der richtige Zeitpunkt ist immer jetzt – Start up now!

Bis zum nächsten Mal.