Kolumne „ZAHLENSPIEL“: Unternehmen öffne dich!

70% der neuen Produkte scheitern nach ihrer Markteinführung. Unglaublich, wieviel Zeit, Geld und Energie dadurch jährlich verloren gehen. Was aber kann ein Unternehmen tun, um zu den anderen 30% zu gehören, die sich mit ihren Innovationen am Markt durchsetzen?

Jeannine Budelmann ist Geschäftsführerin des Münsteraner Unternehmens Budelmann Elektronik und in vielen unternehmerischen Gremien aktiv. Sie schreibt regelmäßig über Themen, die die junge Wirtschaft bewegen.

Die Antwort klingt einfach, die Umsetzung fällt aber den meisten Unternehmen unglaublich schwer: offen sein und sich permanent hinterfragen. Das fängt schon damit an, wie eine Innovation initiiert wird. Mein Bekannter aus einem mittelständischen Maschinenbauunternehmen schaute beschämt zur Seite, als ich ihm die Frage stellte. Denn fast alle Ideen für neue Produkte kamen aus der Entwicklungsabteilung. Die Entwicklungsabteilung ist ein unglaublich wichtiger Faktor für die Konzeptionierung eines neuen Produktes. Aber nur, weil ein Produkt technisch überlegen ist, heißt das noch lange nicht, dass es sich am Markt durchsetzt. Die Mini Disc von Sony ist nur ein Beispiel von vielen. Häufig sind andere Argumente für den Kauf ausschlaggebend. Das heißt also, dass bei der Frage, ob eine Produktidee verfolgt werden sollte oder nicht, ein möglichst breites Spektrum an Kompetenzen abgedeckt werden muss.

Damit ist klar, wie wichtig interdisziplinäre Teams sind. Aber es reicht nicht, je einen Vertreter der unterschiedlichen Abteilungen zusammen zu trommeln, um dann automatisch mit einer erfolgreichen Idee beglückt zu werden. Denn trotz der offensichtlichen Heterogenität eines solchen Teams, fehlt ihm eine entscheidende Komponente: der neutrale Blick von Außen.

Was Unternehmen also brauchen, ist das, was man als Open Innovation bezeichnet. Durch den Einbezug von Kunden, Lieferanten, Partnern, aber auch branchenfremden Kennern, die in keiner Beziehung zum Unternehmen stehen, eröffnen sich völlig neue Perspektiven. So kommen frischer Wind und neues Wissen von Außen ins Unternehmen hinein. Das kann über ganz verschiedene Wege gestaltet werden. Von regelmäßigen Treffen mit lockerer Gesprächsatmosphäre beim Grill über formelle Netzwerke bis hin zur sogenannten Customer-driven-Innovation. Wir müssen nicht gleich alle in den Open-Source-Bereich einsteigen und alles, was wir tun, unentgeltlich zur weiteren Verwendung zur Verfügung stellen. Für manche Bereiche ist dieser Weg der richtige, für andere nicht. Aber ich finde, wir sollten uns die Logik zu Herzen nehmen, die von der ehemaligen Yahoo-Chefin Marissa Mayer vertreten wird: „Teilen führt zu Beziehungen, Beziehungen führen zur Zusammenarbeit, Zusammenarbeit führt zu Kreativität und Innovation“.

 

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