Kolumne „ZAHLENSPIEL“: Schule zu – Umsatz weg

20 % der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Deutschland haben Kinder unter elf Jahren. Kinder, die beschult und betreut werden müssen, während ihre Eltern arbeiten. Seit einem Jahr steht ein Fünftel der Erwerbstätigen vor dem Problem: Wie Arbeit und Kinder verbinden? Wie den unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden, wenn Schule und Kindergarten nur eingeschränkt stattfinden?

Jeannine Budelmann ist Geschäftsführerin des Münsteraner Unternehmens Budelmann Elektronik und in vielen unternehmerischen Gremien aktiv. Sie schreibt regelmäßig über Themen, die die junge Wirtschaft bewegen.

Die Idee der Politik: Einfach die Kinderkrankentage erhöhen. Es stimmt, die Eltern können dann zu Hause bleiben und erhalten (gedeckelte) Lohnersatzleistungen. Doch welche Auswirkungen die fehlende Planbarkeit der Verfügbarkeit von Mitarbeitern auf Unternehmen haben, hat scheinbar immer noch niemand bedacht.

Seit Pandemiebeginn werden Einschränkungen im Bildungsbereich extrem kurzfristig getroffen. War es zunächst ein generelles Schließen mit kurzfristigen Änderungen, ist es nun eine Frage, in welcher Region man wohnt. Das betrifft auch die Unternehmen. Denn auch wir wissen bei dieser Vorgehensweise am Freitag nicht, wer am Montag arbeiten kommt. An den betroffenen Mitarbeitern hängen andere. Ja, es kann immer mal jemand krankheitsbedingt ausfallen. Aber nicht ein so signifikanter Bevölkerungsanteil auf einen Schlag: 2019 gab es in Deutschland rund zwölf Millionen Familien. Bei aller möglichen Flexibilität, die ein Unternehmen im Zweifel leisten kann:
Wie soll eine Produktionsplanung so funktionieren? Was ist, wenn auf einmal am Montagmorgen genau die beiden Produktionsmitarbeiter wegen mangelnder Kinderbetreuung ausfallen, die für einen bestimmten Auftrag aufgrund ihrer Fachkompetenz wichtig waren? Wer fährt zum Kunden, um eine Inbetriebnahme zu machen, wenn der Mitarbeiter, der die Baustelle am besten kennt, nicht kommen kann, weil er ein Kind hat?

Unternehmer und Selbständige haben angesichts des Lockdowns existenzielle Kämpfe auszufechten. Wir können arbeitswillige Mitarbeiter, die gesunde Kinder zu Hause betreuen, nicht mal eben ersetzen. Sie sind qualifiziert, eingearbeitet und motiviert. Sie wollen arbeiten und können es auch. Wenn ein Unternehmen in der jetzigen Situation genügend Aufträge hat, um seine Mitarbeiter auszulasten, kann es sich nicht leisten, ein wichtiges Beratungsprojekt mal eben um drei Wochen zu verschieben. Im Zweifel ist der Auftrag dann eben weg, der Umsatz flöten. Wir brauchen andere Lösungen, um mit diesem Virus zu leben. Schul- und Kitaschließungen ohne Plan gefährden die Zukunft von Kindern, Eltern und Unternehmen – und damit von uns allen!

 

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