Kolumne „Zahlenspiel“:  New Work

70% unserer Mitglieder denken, dass die klassische Top-down-Unternehmensführung in 20 Jahren durch agilere Methoden abgelöst sein wird. Ein beeindruckender Wert, der die Frage nach sich zieht, wie diese neue Arbeitswelt eigentlich aussehen soll. Wie geht das, agile Teamführung?

 

Autorin Jeannine Budelmann ist Geschäftsführerin des Münsteraner Unternehmens Budelmann Elektronik und stellvertretende Bundes- vorsitzende der Wirtschaftsjunioren. Sie schreibt regelmäßig über Themen, die die junge Wirtschaft bewegen. Foto: WJD Pia Jennert Fotografie

Die Frage, die man stellen muss, ist: Was motiviert Menschen, Bestleistungen zu erzielen? Denn nichts anderes ist das Ziel von Unternehmensführung: Jeden Mitarbeiter optimal einzusetzen und so zu fördern, dass er sein Potential voll entfalten kann. Einen wichtigen Schritt in diese Richtung haben wir im Zuge der Corona-Restriktionen bereits gemacht: Viele über Jahre gefestigte Strukturen wurden kurzerhand aufgebrochen. Wir haben Abschied von der Präsenzkultur genommen. Die kurzfristige Umstellung auf den Arbeitsort Homeoffice zeigt, dass es manchmal eben doch anders geht, als es immer schon war. Durch die oft kurzfristigen Ansagen der Politik war es plötzlich notwendig, strategisch wie operativ wichtige Entscheidungen für das Unternehmen schnell zu treffen, ohne langwierige Entscheidungsprozesse. Und wir haben gesehen: Es funktioniert!
Wir sollten diese Umbruchstimmung nutzen!
Genau jetzt ist die Zeit, in der sich gute Führungskräfte fragen müssen, welche Prozesse oder Entscheidungswege künftig in welcher Form zum Standard werden sollen. Und diesen Zustand müssen wir dann wiederum auch kommunizieren und kultivieren. Ja, das ist herausfordernd. Zumal in diesen Zeiten. Aber wer diese Fähigkeit beherrscht, hat für die nächsten Jahre einen wichtigen Wettbewerbsvorteil: Gute Kommunikation, die auf klaren Regeln, aber auch auf gegenseitigem Verständnis und Vertrauen fußt, ist die Basis von New Work. Offenheit für Veränderung, der Einbezug von Vorschlägen aus dem gesamten Unternehmen, Eingeständnis von Fehlern und Aufgabenteilung auf Basis von Kompetenzen (nicht Status!), sind weitere Schlüssel zum Erfolg in der neuen Arbeitswelt.
Klar ist auch: All das zu lernen und zu verinnerlichen braucht Zeit. So schmerzhaft die jetzige wirtschaftliche Situation auch ist, in Bezug auf einen schnelleren Umbau von Unternehmen in effizientere und gleichzeitig menschlichere Gebilde, birgt sie eine Riesenchance. Dass es nicht so weitergehen kann, wie bisher, ist offensichtlich. Also: Ran an verkrustete Strukturen! Verantwortung so weit wie möglich abgeben, Mitarbeitern den Freiraum geben, selbst Dinge zu ändern und dort, wo es nicht wehtut, auch Neues auszuprobieren.
Was haben wir gerade zu verlieren? Nicht viel, aber zu gewinnen gibt es jede Menge. Der Wettbewerbskampf in den nächsten Monaten und Jahren wird hart. Besser, man ist gut vorbereitet, mit dem motivierteren Team, den kreativeren Lösungen und dem effizienteren Betriebsablauf.
Packen wir es an!

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