Kolumne „ZAHLENSPIEL“: Digitalisierung und Lernen

98% der Wirtschaftsjunioren finden, dass durch die Digitalisierung neue Kompetenzen erforderlich werden. Hier sind besonders die gefragt, die eigentlich schon „ausgelernt“ haben: die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen wird immer wichtiger. Das zieht die Frage nach sich, wie wir Führung in Zeiten des Wandels optimal gestalten.

Autorin: Jeannine Budelmann ist Geschäftsführerin des Münsteraner Unternehmens Budelmann Elektronik und stellvertretende Bundesvorsitzende der Wirtschaftsjunioren. Sie schreibt regelmäßig über Themen, die die junge Wirtschaft bewegen. (Foto: WJD Pia Jennert Fotografie)

Um den Wandel zu begreifen, lohnt es sich, zunächst einmal zurückzublicken: Eine Autowerkstatt war vor dreißig Jahren noch ein Ort, an dem geschraubt und angepackt wurde. Jungs und Mädchen, die logisch denken konnten, ein gutes dreidimensionales Vorstellungsvermögen hatten und Probleme lösen wollten, die schraubten an ihren Autos und machten diese Leidenschaft oft zum Beruf. Die Jungs und Mädchen von damals sind mittlerweile erwachsen und ihr Beruf hat eine radikale Veränderung durchgemacht. Mittlerweile sind die Problemlöser von einst auf elektronische Diagnosegeräte angewiesen und ihre Arbeit ist weniger von wirklicher Reparatur als vielmehr vom Austausch hochkomplexer Komponenten geprägt. Automechaniker? Das war einmal. Der Beruf heißt jetzt Kfz-Mechatroniker. Und ohne IT-Skills geht es nicht mehr.

So geht es vielen Berufsbildern. Und die Geschwindigkeit des Wandels nimmt immer weiter zu! Die Wahrscheinlichkeit, im erlernten Beruf in Rente zu gehen, sinkt. Das bedeutet: Wichtig ist nicht mehr so sehr der Erwerb von Fachwissen, von dem man lange Zeit zehren kann. Wichtig ist vielmehr die Fähigkeit, sich neues Wissen schnell und gut aneignen zu können. Dazu braucht es vor allem eins: Motivation. Ein Mitarbeiter, der intrinsisch motiviert ist, sich weiterzubilden, wird dies mit höherem Erfolg tun, als ein Mitarbeiter, der das Gefühl hat, das unbedingt tun zu müssen. Um das zu erreichen, müssen wir bei uns selbst anfangen.

Veränderungen sind grundsätzlich für die meisten Menschen erst einmal etwas Neues, Fremdes, Bedrohliches. Stete Veränderungen sind aber auch der Kern des Erfolgs von denjenigen Unternehmen, die in der Lage sind, sich dynamisch an wechselnde Umweltbedingungen anzupassen. Denn zentral für dynamische Unternehmen ist, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich und ihre Arbeit ständig hinterfragen. Und das passiert nicht von allein. Hier muss die Chefetage mit gutem Beispiel vorangehen und eigene Prozesse und Strukturen auf den Prüfstand stellen. Nicht einmal, sondern immer und immer wieder. Nach und nach kann man so einen Mentalitätswechsel im Unternehmen erzeugen, mehr unternehmerisches Denken in die Köpfe der Belegschaft bringen und damit ein Vorbild für stete Veränderung sein. Nur, wenn wir als Vorbilder vorangehen und unsere Umgebung dazu anhalten, auch uns selbst zu hinterfragen, können wir wirklich Veränderung bewirken.

Die Automechaniker von damals, die ihrem Schraubschlüssel nicht hinterherweinen, sondern sich frühzeitig mit den aufkommenden IT-Systemen beschäftigt haben, sind heute unsere gefragten Ansprechpartner für Probleme mit dem Wagen. Sie verbinden beide Welten und haben unter Beweis gestellt, dass es geht: Erfolgreich sein durch den Mut und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen!

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