Kolumne „ZAHLENSPIEL“: Der objektive Blick von außen

Jeannine Budelmann ist Geschäftsführerin des Münsteraner Unternehmens Budelmann Elektronik und in vielen unternehmerischen Gremien aktiv. Sie schreibt regelmäßig über Themen, die die junge Wirtschaft bewegen.

177,60 Euro kostet eine Stunde Coaching im Schnitt. Viel Geld für Zeit, die man nicht produktiv ins Unternehmen steckt. Viel zu arbeiten ist schließlich genau das, was man von einem guten Manager erwartet, nicht wahr? Die fehlende Produktivität im Unternehmen ist deshalb häufig der Grund, warum so mancher Manager vor einem Coaching zurückschreckt: keine Zeit! Was aber, wenn die anderthalb Stunden alle zwei Wochen wirklich gut investiert sind? Ich würde sagen: Es lohnt sich, es auszuprobieren! Denn jede Führungskraft kommt irgendwann an ihre Grenzen. Besonders die Corona-Zeit hat Spuren hinterlassen. Egal, ob physische oder psychische Überlastung – irgendwann leidet die eigene Leistungsfähigkeit. Das ist nicht gesund und eigentlich wissen wir das auch alle. Coaching kann hier ansetzen. Es kann helfen, aus einer miss- lichen Situation der Überlastung wieder heraus- zufinden. Es kann aber auch dabei behilflich sein, gar nicht erst in einen Teufelskreis hinein zu geraten.

Das prototypische Bild des Managers ist immer noch stark durch Stereotype geprägt. So glauben viele immer noch daran, dass man pausenlos Stärke und Durchsetzungsvermögen zeigen müsse. Das Ganze gepaart mit dem Anspruch, keine Fehler zu machen oder zumindest keine zuzugeben. Selbst wenn man daran glaubt, sollte man die Möglichkeiten annehmen, die ein Coaching bietet: Vor allem ist das ein neutraler Blick von außen. Ein guter Coach hilft einem, bestehende Strukturen zu hinterfragen und neue Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. In einem geschützten Raum können alle die Dinge besprochen werden, die einen bedrücken oder Sorge bereiten. Das Gefühl, gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten stets eine gewisse Rolle spielen zu müssen, kann man in diesem Raum ablegen und frei von Vorurteilen denken. Wann habe ich schon einmal die Möglichkeit, wirklich komplett ehrlich zu sein? Schon die Aussprache eines Problems entlastet ungemein. Und das macht einen langfristig widerstandsfähiger.

Problematisch ist, dass der Begriff des Coaches keine geschützte Berufsbezeichnung ist und sich somit jeder diese Bezeichnung geben kann. Deshalb ist es sinnvoll, bei der Auswahl darauf zu achten, dass der Coach Mitglied einer anerkannten Fachgesellschaft ist, die hohe Standards an die psychologische Ausbildung legt. Ausprobieren lohnt sich!

 

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