Kolumne: Exit – ein böses Wort?

Tristan Niewöhner, Gründer persomatch, Bielefeld

Häufig liest oder hört man von Startup-Gründern, die ihr Unternehmen im Ganzen verkauft, also einen sogenannten „Exit“ hingelegt haben. Verblüfft reibt man sich dann die Augen, wenn man die zum Teil äußerst hohen Kaufpreise erfährt, die für den Erwerb solcher jungen Unternehmen gezahlt werden. Oft wird in solchen Fällen auch über die Beträge Stillschweigen vereinbart, was noch mehr Raum für Spekulationen über die vermeintlich astronomischen Kaufpreise lässt.
Manchmal stehen Gründer im Verruf, schon vor der Unternehmensgründung den Exit im Sinn zu haben und alles darauf auszurichten. Es wird angenommen, dass durch hohe Investments kurzfristig die Umsatzzahlen nach oben gebracht werden sollen, ohne eine wirklich nachhaltige Unternehmensentwicklung anzustreben. In diesem Zusammenhang entsteht vielleicht der Eindruck, dass Startup-Gründer gewissermaßen Glücksritter sind, die nur rein egoistisch motiviert den kurzfristig maximalen Profit anstreben.
Doch häufig ist dieser Eindruck nicht richtig. Natürlich streben Unternehmer in einer freien Marktwirtschaft die Gewinnmaximierung an. Das ist unter Einhaltung der geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen ihr gutes Recht und sogar ihre Pflicht im Sinne des unternehmerischen Handelns! Insofern ist die Entscheidung, ein Unternehmen zu verkaufen, eine rein ökonomische Frage.
Welche Motivation hat denn der Käufer eines Startups? Dies sind häufig große etablierte Konzerne, die durch ihre Größe Schwierigkeiten haben, Innovationen aus der eigenen Organisation heraus zu entwickeln. Durch den Kauf eines Startups können sich solche Konzerne häufig den Zugang zu neuen Märkten, fortschrittlicher Technologie und auch einem talentierten Team sichern, was sonst unter Umständen gar nicht oder nur mit einem extrem großen Aufwand möglich gewesen wäre. Ein übernommenes Startup kann dann in unterschiedlicher Art und Weise integriert werden. Entweder wird es als eigene (auch rechtliche) Einheit belassen oder mehr oder weniger vollständig in den Konzernverbund integriert.
Ein Exit dient also nicht nur einfach der Bereicherung der Gründer, sondern kann für beide Parteien strategische Vorteile bieten und die Grundlage für eine nachhaltig erfolgreiche Unternehmensentwicklung sein. Häufig ergeben sich daraus auch sehr gute Chancen für die Entwicklung des Geschäftsmodells, da dadurch zum Beispiel Zugang zu neuen Kunden oder Technologien ermöglicht wird. Ein Exit ist nichts per se Schlechtes. Wenn jemand sein Startup kaufen möchte, zeigt das, dass man etwas von Wert geschaffen hat und darum geht es ja beim Unternehmertum, schon lange bevor es das Wort Startup überhaupt gab.

Ob Exit oder nicht, ganz egal – Start up now! Bis zum nächsten Mal.