Kolumne:  Blind vor Liebe – Technologieverliebtheit

Wir haben in Deutschland eine große Ingenieurstradition und eine lange Historie großer technischer Innovation – der Buchdruck, das Automobil und das Fernsehen sind nur einige wenige Beispiele.

Tristan Niewöhner

Tristan Niewöhner ist Gründer und Geschäftsführer der persomatch GmbH

Die Beschäftigung mit Technologie übt seit jeher eine enorme Faszination aus und ist ein Antreiber für Innovationen. Jede Zeit hat ihre Technologie-Wellen erlebt und die Menschen immer wieder zum Tüfteln und Experimentieren angeregt. In dieser Tradition forschen Universitäten auf technischen Gebieten, entwickeln Unternehmen neue Produkte und bauen Gründer neue Startups, um Innovationen voranzubringen.


„Besonders bei uns in Ostwestfalen gibt es einen sehr starken Mittelstand mit vielen „Hidden Champions“, die auf ihrem jeweiligen Gebiet oft technologisch führend in der ganzen Welt sind.“


Viele Unternehmen werden von Ingenieuren geleitet und verfolgen die Strategie, sich auf technologische Überlegenheit zu fokussieren und sich auch darauf zu verlassen. Wenn man es schaffen kann, die beste Technologie am Markt anzubieten, ist man davon überzeugt, damit automatisch auch den größten wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen.
Auch viele Startups fußen auf diesem Grundsatz. Gründer haben die Überzeugung, dass sie einfach eine überlegene Technologie in einem bestimmten Bereich entwickeln müssen, um den Markterfolg zu verwirklichen. Insbesondere Gründer aus dem technischen Umfeld fokussieren sich häufig darauf und wenden viel Zeit und auch Geld auf, um schließlich an den Markt gehen zu können.
Grundsätzlich ist es auch nicht falsch zu versuchen, technologisch überlegen zu sein, allerdings ist es viel wichtiger, sich an einem konkreten (Kunden-)Problem zu orientieren. Wenn man zu lange eine zu komplexe Technologie entwickelt, kann es passieren, dass man „am Kunden vorbei“ entwickelt. Die Innovationen, die sich durchsetzen, sind in der Regel die, die auf eine einfache, aber geniale Weise ein konkretes Problem lösen und nicht diejenigen, die extrem komplex sind.
Daher ist es sehr wichtig, sich ganz früh in der Entwicklung mit den potenziellen Kunden auseinanderzusetzen und ihnen idealerweise eine Testvariante des Produktes oder Services zu geben, um frühzeitig Feedback einzuholen, das dann in den nächsten Entwicklungsschritt einbezogen werden kann. Auch sollte man von zu großem Perfektionismus Abstand nehmen, der einen dazu verleiten kann, zu lange „im stillen Kämmerlein“ an einem Produkt zu feilen, das dann aber niemand kaufen möchte. Der Gründer des Business-Netzwerkes LinkedIn, Reid Hoffman, sagte einmal:

„Wer sich nicht für sein erstes Produkt schämt, hat es zu spät auf den Markt gebracht.“

Nicht nur Startups sollten sich diesen Grundsatz zu Herzen nehmen, sondern auch etablierte Unternehmen, wenn sie ein neues Produkt entwickeln. Die Kundenzufriedenheit sollte immer der Maßstab sein und nicht der Stolz des Entwicklers auf die tolle Technologie. Denn letztendlich ist das Produkt überlegen, dass das Kundenproblem auf die beste Art und Weise löst.

Technologie ist ein Werkzeug, um ein Problem zu lösen und kein Selbstzweck- Start up now! Bis zum nächsten Mal.