KI-Marktplatz: Neue Verbindungen schaffen

Künstliche Intelligenz gilt als wichtiger Innovationstreiber für die Entwicklung zukunftsfähiger Produkte. Wie Unternehmen einen erfolgreichen Zugang zu KI finden können, erklärt Prof. Dr. Roman Dumitrescu, Direktor Fraunhofer-Institut für Entwurfstechnik Mechatronik IEM.

Seit Jahresbeginn entwickeln Forschungseinrichtungen und Unternehmen eine digitale Plattform für Künstliche Intelligenz (KI) in der Produktentstehung. Sind Sie mit dem „Take off“ zufrieden?

Prof. Dr.-Ing. Roman Dumitrescu: „Wir möchten den Mittelstand unterstützten, KI für sich nutzbar zu machen.“  Foto: Uni PB

 

Dr. Roman Dumitrescu: Das Projekt ist sehr gut angelaufen. Wir sehen, dass der KI-Marktplatz auf ein breites Interesse in Wissenschaft und Wirtschaft stößt. Dadurch wird deutlich, dass unsere Idee eines Marktplatzes, auf dem Nutzer und Anbieter von KI-Lösungen zusammenkommen, richtig ist und eine hohe Nachfrage findet. Unser Konsortium setzt sich aus vielen leistungsstarken Industrie- und Forschungspartnern zusammen, wobei it’s OWL den Nukleus bildet. Dabei können wir gemeinsam die gesamte Wertschöpfungskette zum Aufbau der digitalen Plattform und des entsprechenden Ökosystems im Themenfeld Künstliche Intelligenz in der Produktentstehung abbilden. Gemeinsam mit allen Partnern haben wir Ende Februar in einem Workshop begonnen, die Anforderungen von Nutzern und Anbietern zu konkretisieren und deren Austausch zu intensivieren. Dabei helfen auch Potenzialanalysen mit Unternehmen. Darüber hinaus bereiten wir Anwendungsbeispiele auf und sprechen jetzt interessierte Unternehmen auf eine Beteiligung an.

Vor welchem Hintergrund bzw. aus welcher Notwendigkeit heraus wird die digitale Plattform entwickelt?

Dr. Roman Dumitrescu: Die Produktentstehung ist eine zentrale Aufgabe in produzierenden Unternehmen. Hier sind bereits mehr als dreiviertel der späteren Herstellkosten eines Produktes verortet. Gleichzeitig erfordert der Weg von einer ersten Produktidee bis hin zum fertigen Produkt die gebündelte Expertise unterschiedlicher Fachdisziplinen entlang des Produktentstehungsprozesses. Zusätzlich steigt dabei der Softwareanteil im Kontext des digitalen Wandels stetig an und lässt neue Produkte immer komplexer werden. Das alles bedeutet einen Komplexitätsanstieg, der sich auch in den Produktentstehungsprozessen niederschlägt – zum Beispiel durch den Abstimmungsaufwand zwischen den verschiedenen Fachbereichen. Es bestehen somit weitreichende Potenziale, um mittels KI-Anwendungen Prozesse zu optimieren und somit die Leistungserbringung produzierender Unternehmen zu verbessern. Konkret können Entwicklungskapazitäten erhöht und Entwicklungszeiten sowie spätere Herstellkosten reduziert werden. Allerdings schöpfen bisher nur wenige Unternehmen diese Potenziale aus, da ihnen häufig die nötige KI-Expertise fehlt oder sie Vorbehalte hinsichtlich der Sicherheit ihrer Daten haben. Anbietern von KI-Lösungen fehlt wiederum oft der Zugang zu Kunden oder das nötige Domänenwissen. Genau hier setzen wir mit dem KI-Marktplatz an, indem wir eine Plattform für Anbieter und Nachfrager schaffen, und insbesondere den Mittelstand unterstützen, Künstliche Intelligenz für sich nutzbar zu machen.

KI soll helfen, u.a. Lösungen in der Produktentstehung zu finden. Wie „arbeitet“ die KI auf der Plattform?

Dr. Roman Dumitrescu: KI-Lösungen in der Produktentstehung können unterschiedlich gestaltet sein. Durch ihren Einsatz lassen sich beispielsweise die Qualität und Effizienz von Produktentwicklungsprozessen deutlich steigern. Ob eine Automatisierung von Technologie-Scouting oder die Optimierung von Konstruktionsdaten – die Anwendungsmöglichkeiten Künstlicher Intelligenz sind vielfältig. Um diese Potenziale zu heben, bringen wir auf dem KI-Marktplatz produzierende Unternehmen und Experten in Form eines intelligenten Matchings zusammen, damit sie gemeinsam an KI-Anwendungen für die Produktentstehung arbeiten. Lösungsanbieter werden hierzu ausführliche Unternehmensprofile anlegen können, die allgemeine Informationen zu ihrem Unternehmen und dessen Kompetenzen enthalten. Auf Anwenderseite besteht die Möglichkeit, eine KI-Potenzialanalyse durchzuführen, die die Einschätzung des Erfolgspotenzials von KI-Anwendungen in der eigenen Produktentstehung ermöglichen. Gleichzeitig werden Bereiche und Aufgaben im Unternehmen aufgezeigt, in denen Künstliche Intelligenz Erfolg versprechend eingesetzt werden kann. Durch den Abgleich von Anbieter- und Nutzerprofilen werden von der Plattform automatisch Vorschläge für Partnerschaften ausgegeben.

Welche Rolle wird die KI im Innovationswettbewerb der Unternehmen bzw. in der globalen Wirtschaft überhaupt zukünftig einnehmen?

Dr. Roman Dumitrescu: Künstliche Intelligenz bietet uns die Möglichkeit, aus enormen ungeordneten Datenmengen relevante Informationen zu extrahieren und daraus Wissen abzuleiten. Die entsprechenden Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und aus meiner Sicht stehen KI-Anwendungen im Begriff, branchenübergreifende Veränderungen hervorzurufen. KI-Technologien ermöglichen es uns heute schon, Daten schneller zu verarbeiten und Schlussfolgerungen automatisch zu erzeugen. Daten können entlang des gesamten Produktlebenszyklus gesammelt und analysiert werden, um Wissen für die Entwicklung neuer Marktleistungen zu extrahieren. Insbesondere mittelständisch geprägte Unternehmen haben jedoch im datengetriebenen Innovationswettbewerb zunehmend das Nachsehen. Darum möchten wir mit dem Ökosystem „KI in der Produktentstehung“ den Mittelstand in OWL und darüber hinaus dabei unterstützen, diese Entwicklung auszugleichen und das enorme Potenzial neuer KI-Anwendungen für sich zu erschließen.

Prof. Dr.-Ing. Roman Dumitrescu
Ist Direktor am Fraunhofer-Institut für Entwurfstechnik Mechatronik IEM, Leiter der Fachgruppe Advanced Systems Engineering Heinz Nixdorf Institut und Geschäftsführer Strategie, F&E bei der it’s OWL Clustermanagement GmbH
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