Investments: Suche nach wachstumshungrigen Startups

Stefan Bölte ist von der Region mit ihrem hervorragenden Gründer-Ökosystem überzeugt.

Stefan Bölte, Investmentmanager bei EnjoyVenture finanziert techorientierte Startups. Mit dem Technologiefonds OWL hat er aktuell in drei vielversprechende Unternehmen investiert.

Herr Bölte, wie „funktioniert“ der Technologiefonds OWL? 

Stefan Bölte: Als klassischer Venture Capital Fonds investieren wir seit September 2017 in junge, technologieorientierte Startups mit dem regionalen Schwerpunkt Ostwestfalen-Lippe. Hierfür haben wir von unseren Investoren Gelder eingesammelt, die wir als Fondsmanagement wiederum direkt in die Teams investieren. Wir werden also Mitgesellschafter. Nach durchschnittlich fünf bis sieben Jahren verkaufen wir mit hoffentlich höherem Wert unsere Anteile wieder, der sogenannte Exit. Durch die in der Zwischenzeit erzielte Wertsteigerung erzeugen wir die Fonds-Rendite. Unsere Investoren haben den Vorteil, dass sie durch den Technologiefonds ein diversifiziertes Portfolio an unterschiedlichen Beteiligungen bekommen. Durch die Einbindung von it’s OWL und unser langjähriges Netzwerk bieten wir den Teams Kontakte unterschiedlichster Art und stellen unsere ganze Erfahrung zur Verfügung, wenn es zum Beispiel um die Suche nach einem ersten Pilotpartner geht oder um die Ansprache von Investoren in der nächsten Finanzierungsrunde. Das Fondsmanagement übernimmt EnjoyVenture, ein langjähriger Frühphaseninvestor mit aktuell vier verschiedenen VC-Fonds und ca. 45 aktiven Beteiligungen mit regionaler Präsenz in Paderborn und Bielefeld.

Wie ist das Interesse der Wirtschaft in der Region?

Stefan Bölte: Viele Unternehmen sowohl aus der Region als auch bundesweit möchten mit Startups enger zusammenarbeiten. Hier gibt es die unterschiedlichsten Formen der Kooperation, von gemeinsamen Pilotprojekten über der Beteiligung an jungen Unternehmen bis hin zum Kauf. Als Technologiefonds OWL können wir hier eine Brücke von der Corporate in die Venture Welt schlagen. Insbesondere die größeren Unternehmen in der Region haben in der Vergangenheit bereits eigene „Digitaleinheiten“ aufgebaut. Im nächsten Schritt gründen viele gerade eigene Venture-Bereiche, um als Unternehmen auch direkt investieren zu können. Für uns treten diese als weitere Investoren am Markt auf und sind vielleicht auch Konkurrenz, für die jungen Teams ist das natürlich eine sehr gute Entwicklung. Unterschätzen darf man dabei nicht, dass wir uns um eine Beteiligung einzugehen etwa 100 Teams anschauen.

Warum sollten Unternehmen in technologieorientierte Startups investieren? Welche möglichen Risiken birgt eine Beteiligung?

 Stefan Bölte: Die Motivation für Unternehmen kann ganz unterschiedlich sein. Ein großes Thema ist immer, dass die Unternehmen rechtzeitig sehen wollen, welche neuen Technologien und Geschäftsmodelle am Markt entstehen und wie ein traditionelles Unternehmen hiervon profitieren kann. Eine weitere Motivlage ist, abseits des Kerngeschäftes sich Themen anzuschauen und davon zu profitieren. Davon losgelöst gibt es bei manchen Unternehmern auch die Motivation, einfach jungen Gründern eine Chance zu geben oder etwas zur Weiterentwicklung der Region beizutragen. Die Risiken einer Beteiligung sind häufig die klassischen wirtschaftlichen Fragestellungen wie zum Beispiel: Schafft das junge Unternehmen die technische Entwicklung hin bis zu einem fertigen Produkt? Nimmt der Markt das neue innovative Produkt an? Schafft das junge Unternehmen die geplante Wachstumskurve? Reichen die investierten finanziellen Mittel oder muss nachinvestiert werden? Durch die enge Begleitung der Teams versuchen wir Fehlentwicklungen rechtzeitig zu erkennen und gemeinsam mit den Teams gegenzusteuern.

Nach welchen Kriterien wählen Sie förderungswürdige Startups aus?

Stefan Bölte: Als Fondsmanagement schauen wir uns eine Vielzahl von Teams an, auch bundesweit. Wir suchen nach jungen, technologieorientierten Unternehmen, die den nächsten Wachstumsschritt gehen möchten. Neben der technologischen Basis ist für uns ein skalierbares Geschäftsmodell sehr wichtig. Um dies alles zum Erfolg zu führen, ist ein unternehmerisches Team erfolgskritisch. Und für den Fonds in OWL sollten die Teams selbstverständlich einen Bezug zur Region Ostwestfalen-Lippe haben.

Weitere Informationen: technologiefonds-owl.de

 

Kontext

Der Technologiefonds OWL fokussiert sich auf Seed- und Startup-Finanzierungen innovativer Geschäftsmodelle junger technologisch orientierter Unternehmen. Initiiert von den Gesellschaftern Sparkasse Paderborn-Detmold, NRW Bank und Phoenix Contact sowie unterstützt vom Fondsmanagement EnjoyVenture, dem Spitzencluster it’s OWL und dem Technologietransfer- und Existenzgründungs-Center der Universität Paderborn (TecUP) kann der Technologiefonds OWL bis zu 1,5 Mio. Euro in eine Beteiligung investieren.