Interview Kooperationsstrategien

„Kooperationen sind im genetischen Code von Fachhochschulen verankert“

Wenn es um den Transfer von wissenschaftlichen Ergebnissen in die Praxis geht, steht die Fachhochschule Münster in der Region an erster Stelle. Carsten Schröder, Vizepräsident für Transfer und Partnerschaften an der FH Münster, über die Wichtigkeit von Kooperationen mit der Wirtschaft und das Erfolgsrezept guter Transferarbeit.

Carsten Schröder

Carsten Schröder: „Kooperationsformen müssen weiterentwickelt und noch agiler sowie vernetzter werden.“
Foto: FH Münster/Thorsten Arendt

Aus welcher Notwendigkeit haben Sie sich schon vor einigen Jahren für die Kooperation mit Unternehmen entschieden?
Carsten Schröder: Kooperationen mit der Wirtschaft –  und selbstverständlich auch mit anderen gesellschaftlichen Akteuren – sind im genetischen Code von Fachhochschulen verankert und somit selbstverständlich für uns. Denn der hohe Praxisbezug in Lehre und Forschung lässt sich nur so gewährleisten.

Sie sind schon vor zehn Jahren für Ihre Transferarbeit ausgezeichnet worden. Was zeichnet Sie aus?
Carsten Schröder: Ausgezeichnet wurde damals unser sogenanntes „Innovation Triangle“. Wir unterstützen seit vielen Jahren Partnerschaften mit der Praxis auf drei Ebenen: strategisch durch das Präsidium, wissenschaftlich-analytisch durch einen eigenen Forschungsschwerpunkt sowie operativ durch eine hochschuleigene Innovationsförderungs- und Projektentwicklungsgesellschaft.  Oft gelobt werden wir für unsere hohe Serviceorientierung, die guten Prozesse und die intensiven Praxiskontakte.  Gemäß unserem Partnering-Modell streben wir langfristige und belastbare Kooperationen an.

Zahlen belegen, dass das Potenzial hinsichtlich der Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft noch lange nicht ausgereizt ist. Woran liegt das?
Carsten Schröder: Da ich nicht weiß, auf welche Zahlen Sie diese Aussage stützen, kann ich nur spekulieren und verallgemeinern. Die Kooperationsintensität variiert immer noch stark zwischen den Branchen und teilweise den Unternehmensgrößen, den Hochschultypen und den wissenschaftlichen Fachdisziplinen. Es gilt somit weiter, Erfolgsbeispiele zu identifizieren und hinsichtlich anderer Kooperationskonstellationen weiterzuentwickeln.

Ein Blick in die Zukunft: Wie wird sich das Modell Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft weiterentwickeln, auch im Hinblick auf die Minimierung von Risiken zur unternehmerischen Wettbewerbssicherung?
Carsten Schröder: Wir schätzen alle die stark mittelstandsgeprägte und diversifizierte Wirtschaftsstruktur in Westfalen. Innovationszyklen werden aber immer kürzer, Fachkräfte gerade außerhalb der Ballungszentren rarer. Hierauf sollten Wissenschaft und Wirtschaft reagieren: Kooperationsformen müssen weiterentwickelt und noch agiler sowie vernetzter werden.

Welche Rolle spielt für Sie die Teilnahme am Transfer-Audit und was versprechen Sie sich davon?
Carsten Schröder: Ich durfte punktuell am Konzept des Audits mitarbeiten und bereits drei andere Hochschulen als Auditor unterstützen. Ich bin einfach überzeugt von diesem Konzept der kollegialen Beratung. Das Audit ermöglicht einer Hochschule eine strukturierte Diskussion und Weiterentwicklung der eigenen Transferstrategie – und dies mit den internen und externen Zielgruppen.

Gibt es ein Beispiel für eine gelungene Kooperation zwischen Ihnen und einem Unternehmen?
Carsten Schröder: Viele, aber wir können nicht über alle reden. Benennen kann ich unser Merck-Lab. Seit vielen Jahren forscht unsere Hochschule in Kooperation mit dem Konzern aus Darmstadt an Materialen für LEDs. Eine sehr gelungene strategische Kooperation haben wir beispielsweise auch mit der Bernd Münstermann GmbH & Co. KG, einem mittelständischen Maschinenbauunternehmen aus Telgte. Sie geht so weit, dass Frau Münstermann nun schon seit mehreren Jahren Mitglied unseres Hochschulrates ist. Stellvertretend nennen möchte ich auch Ernsting’s family. Das Unternehmen aus Coesfeld engagiert sich nun bereits zum zweiten Mal mit einer Stiftungsprofessur an unserer Hochschule.

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