Interview


„Nicht am Markt vorbei entwickeln“

Das Paderborner Start-up Intab Pro hat einen Webservice entwickelt, der eine vollautomatische mathematische Absatzprognose für Bäckereien auf Filial- und Produktebene erstellt. Gründer Christoph Bach über die Kooperation mit einem etablierten Unternehmen und den Nutzen beider Partner.

Intab Pro

Die Gründer: Philipp Bednarek, Christoph Bach und Marcel Hartmann

Herr Bach, wie ist der Kontakt zwischen Ihnen, einem jungen Unternehmen, und dem traditionellen Handwerksbetrieb Goeken backen zustande gekommen?
Christoph Bach: Im Rahmen der Marktrecherche haben wir bei verschiedenen lokal ansässigen Unternehmen versucht, telefonisch Kontakt herzustellen, um mehr über die Problematik hoher Retouren und häufiger Ausverkäufe zu erfahren. Die Firma Goeken backen war die erste, die sofort auf die Anfrage reagierte. Daraus entwickelte sich die anschließende Kooperation. Ein großer Pluspunkt war hier sicherlich das junge Alter des Junior-Geschäftsführers Benedikt Goeken, der sich sofort in die Thematik hineinversetzen konnte.
Weitere potentielle Kunden erreichten wir bisher über das Netzwerk von TecUP, dem Gründungszentrum der Universität Paderborn und über die Kontaktaufnahme via Facebook. Durch das sehr junge Medium Facebook ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass dort am anderen Ende ebenfalls eine technikaffine Person anzutreffen ist, die gegebenenfalls höheres Vertrauen in eine Softwarelösung zur Absatzprognose hat.

Wie war die Reaktion der Bäckerei?
Christoph Bach: Die Initiative kam, wie oben beschrieben, von uns, allerdings war Benedikt Goeken bereits für das Thema sensibilisiert und zeigte dementsprechend direkt reges Interesse an dem Produkt.

Warum kooperieren Sie?
Christoph Bach: Die Prototyp-getriebene Zusammenarbeit mit einem Pilotkunden ist uns sehr wichtig, um nicht „am Markt vorbei“ zu entwickeln. Wir hatten bisher keinerlei Bezug zur Bäckereibranche, so dass Informationen aus erster Hand in dem frühen Entwicklungsstadium enorm wichtig sind.

Wie profitieren Sie voneinander?
Christoph Bach: Wir erhalten Daten von verschiedenen Filialen und Produkten und können so unsere Modelle darauf anpassen (trainieren). Im Gegenzug können wir der Firma Goeken bessere Prognosen für den Absatz liefern, sodass die Produktverfügbarkeit erhöht wird und Retouren gesenkt werden können. Des Weiteren sind wir in der Lage, detaillierte aggregierte Informationen über die gelieferten Daten bereitzustellen, die sonst nur aufwändig in Excel oder ähnliches zu errechnen sind.

Wie lange ist die Zusammenarbeit angelegt?
Christoph Bach: Zunächst bis Mitte des Jahres ist ein Beta-Test der Software mit wenigen ausgewählten Filialen und Produkten geplant. Sobald das Produkt die Marktreife erreicht hat, hoffen wir, unsere Beta-Tester in den Kundenstamm übernehmen zu können. Diese Beta-Tester können jedoch vermutlich mit einem Preisvorteil für das Produkt rechnen, da der Erfahrungsaustausch zur Weiterentwicklung der Software für unser Unternehmen ein essentieller Faktor ist.

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Nachgefragt – „Beide Seiten können voneinander lernen“

Benedikt Goeken, Geschäftsführer der Goeken backen GmbH, über die Wichtigkeit, bestehende Prozesse zu hinterfragen und die Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Entwicklungen.

Goeken backen GmbH

Benedikt Goeken, Geschäftsführer der Goeken backen GmbH: „In der konkreten Umsetzung hat sich gezeigt, dass alte Strukturen aufgebrochen und hinterfragt werden müssen. Einige Prozesse sind neu zu definieren, um den Einsatz von IT zu ermöglichen.“ Foto: sabrinity/Goeken backen

Warum arbeiten Sie mit einem jungen, noch unerfahrenen Unternehmen zusammen? 
Ich unterstütze gerne innovative Projekte, die mich und unser Unternehmen vorantreiben. Aus meiner Position als Unternehmensnachfolger in der fünften Generation hinterfrage ich viele Prozesse und bin dabei auf die Unterstützung auch von externer Seite angewiesen. Wenn es dann junge Menschen gibt, die sich mit einer ähnlichen Fragestellung beschäftigen, und das aus einem anderen Kontext heraus, bin ich mir sicher, dass beide Seiten daraus ihre Synergien schöpfen können.

Was versprechen Sie sich von der Zusammenarbeit?
Wie schon oben erwähnt, können beide Seiten voneinander lernen. Hinzu kommt, dass die in letzter Zeit vielzitierte Industrie 4.0 in unserer Branche noch in den Kinderschuhen steckt. Mithilfe der IT sollen Prozesse verbessert und vereinfacht werden. Ich selber bin ziemlich affin, was den Umgang mit IT betrifft. Für viele Mitarbeiter ist das Thema Neuland. In der aktuellen gemeinsamen Entwicklung sieht man, dass viele Bereiche nun ganz anders bearbeitet werden müssen.

Gibt es bereits erste Ergebnisse?
Wir haben bereits einige Zahlen, die auf den ersten Blick sehr vielversprechend sind. In der konkreten Umsetzung hat sich gezeigt, dass alte Strukturen aufgebrochen und hinterfragt werden müssen. Einige Prozesse sind neu zu definieren, um den Einsatz von IT zu ermöglichen. Wir sind auf einem guten Weg, haben aber noch einige Hausaufgaben zu erledigen. Erst auf den zweiten Blick hat sich auch für mich gezeigt, wie komplex das Thema ist und was die Mitarbeiter bereits jetzt leisten.  Künftig soll die Software hier in einigen Bereichen die Prozesse optimieren und unterstützen.

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