Innovationspotenziale

Geschäftsmodelle auf Zukunftsfähigkeit prüfen

Wolfgang Marquardt, Prokurist OstWestfalenLippe GmbH, über den Stellenwert von Innovationen für die Region und ungenutzte Potenziale hinsichtlich digitaler Technologien. 

Wolfgang Marquardt

Wolfgang Marquardt, Prokurist OstWestfalenLippe GmbH: „Die Betriebe in OWL müssen sich noch stärker mit der digitalen Transformation auseinandersetzen.“ Foto: OstWestfalenLippe GmbH

Die Zahl der Bewerber für den OWL-Innovationspreis ist unverändert hoch: Das spricht für die Akzeptanz des Preises und zeigt auch, dass es immer wieder Unternehmen mit exzellenten Ideen für neue Produkte und Dienstleistungen gibt. Müsste die Zahl der Bewerber vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung künftig nicht noch weiter signifikant ansteigen?
Wolfgang Marquardt: Der Innovationspreis findet eine gute Resonanz bei den Unternehmen. Die Anzahl der Bewerbungen ist beispielsweise im Vergleich zur vorletzten Ausschreibung in 2013 um 25 Prozent gestiegen. Vor dem Hintergrund zunehmender Kundenansprüche, schnellerer Innovationszyklen und disruptiver Innovationen könnten sich natürlich immer mehr Unternehmen am Innovationspreis beteiligen. Es ist aber immer auch Entscheidung der Betriebe, ob sie mit Wettbewerbsbeiträgen das Licht der Öffentlichkeit suchen oder ihre Marketingaktivitäten anders ausrichten. Wir hoffen für die nächste Ausschreibung in 2019 natürlich auf eine hohe Anzahl guter Bewerbungen. Denn sie sind ein Spiegel für die Innovationskraft der heimischen Wirtschaft.

Wie schätzen Sie das Innovationspotenzial der Unternehmen ein, auf welchen Gebieten müssten Unternehmen noch innovativer sein?
Wolfgang Marquardt: Die Vielzahl an hochkarätigen Bewerbungen zeigt uns das enorme Innovationspotenzial der Region. Die Unternehmen schaffen es branchenübergreifend, mit neuen Ideen, Technologien und Partnern innovative Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Insgesamt müssen sich die Betriebe in OWL aber noch stärker mit der digitalen Transformation auseinandersetzen, die die Märkte fundamental verändern wird. Es ist nicht mehr ausreichend, in bewährter Weise mit Lieferanten schnell kundenindividuelle Lösungen zu entwickeln. Vielmehr müssen die Unternehmen sich jetzt damit auseinandersetzen, ob ihre Geschäftsmodelle in fünf Jahren noch funktionieren. So geht es beispielsweise um die Frage, ob Kunden noch eine Maschine kaufen oder nur noch eine Produktionsleistung. Diese Auseinandersetzung ist gerade für kleine und mittlere Unternehmen eine Herausforderung. Sie finden in OWL aber viele kompetente Partner und Unterstützungsangebote, die wir im Spitzencluster it´s OWL und in den zehn Projekten unseres Handlungskonzeptes OWL 4.0 entwickelt haben.

Aus welcher Branche kommen die Bewerber: Kann man sagen, dass sich eine regionale Kompetenz in einigen Branchen herauskristallisiert hat?
Wolfgang Marquardt: Bewerbungen aus dem verarbeitenden Gewerbe sind weiterhin sehr zahlreich vertreten. Aber die Anzahl der digitalen Plattformen und Dienstleistungen hat stark zugenommen. Insgesamt ist festzustellen, dass branchenübergreifend bei vielen Produkten und Dienstleistungen die Digitalisierung ein entscheidender Schlüssel für Innovationen ist. Ob es sich um intelligente Assistenzsysteme oder Datenanalyse in der Produktion handelt, Apps für neue Messverfahren, ein mitdenkendes Pflegebett oder Smart Home-Lösungen. Darüber hinaus wird in den 29 Bewerbungen für den Startup-Preis der neue Gründergeist der Region deutlich. Wir sehen, dass junge Menschen unternehmerische Verantwortung übernehmen und erfolgreich beim Markteintritt unterstützt werden. Dabei helfen Aktivitäten wie das Innovationslabor OWL der vier staatlichen Hochschulen, die Founders Foundation in Bielefeld, die garage 33 in Paderborn und der knOWLedge Cube in Lemgo.

Haben Sie Informationen darüber, wie die Innovationen entstanden sind, zum Beispiel durch Kooperationen mit Hochschulen?
Wolfgang Marquardt: Viele Bewerbungen sind hervorragende Beispiele dafür, wie neue Produkte und Dienstleistungen durch die Kooperation von Unternehmen und Forschungseinrichtungen entstehen, die ihr Know-how bündeln. Durch die Arbeit der Brancheninitiativen und it´s OWL konnte das Zusammenspiel von Wirtschaft und Wissenschaft in OWL immer weiter verbessert werden. Die Unternehmen erkennen zunehmend, dass unsere Hochschulen und Fraunhofer Einrichtungen starke Partner für ihre Innovationsentwicklung sind.

Konnten Unternehmen, die Sie in den letzten Jahren prämiert haben, die dahinter stehende Auszeichnung als Sprungbrett zum Erfolg nutzen?
Wolfgang Marquardt: Viele Gewinner berichten über eine hohe Aufmerksamkeit, die sie durch die Auszeichnung für ihre Innovation bekommen haben. Das hilft natürlich auch dabei, neue Kunden zu gewinnen und den Durchbruch zu schaffen. So hat beispielsweise das Smartphone-Alarmierungssystem für Ersthelfer von medgineering im Anschluss an den Innovationspreis die renommierte Google Impact Challenge gewonnen, verbunden mit einem Preisgeld von 500.000 Euro, und ist inzwischen erfolgreich am Markt. Und der Gewinner des Startup-Preises – HöRe aus Bünde – hat den Einkaufswagenstopper „TrolleyFix“ sehr erfolgreich in die Breite getragen, einen zweiten Standort in Süddeutschland aufgebaut und bereits ein weiteres innovatives Produkt auf den Markt gebracht.

Wo sehen Sie noch Optimierungspotenzial hinsichtlich der Zusammenarbeit von Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen?
Wolfgang Marquardt: Gerade kleine und mittlere Unternehmen sollten die Potenziale der Hochschule stärker für die Innovationsentwicklung nutzen. Gleichzeitig sollten sich die Hochschulen intensiver auf die Bedarfe von KMU einstellen und ihre Aktivitäten im Technologietransfer intensivieren. Damit die richtigen Akteure in den Unternehmen und Hochschulen zusammenfinden, braucht es noch mehr Transfermittler. Und einfache Förderinstrumente mit einem geringen administrativen Aufwand für die Unternehmen, um Innovationsprozesse in Gang zu bringen. Daran arbeiten wir gemeinsam bei it´s OWL und auch in der Regionalentwicklung.

 

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