Innovationscluster KogniHome

Eine Wohnung, die denkt

Der Innovationscluster KogniHome hat seit 2014 ein Konzept für eine mitdenkende Wohnung entwickelt. Für die Forschungsarbeiten standen 11,3 Millionen Euro zur Verfügung. Am 23. Juni präsentieren die 14 Projektpartner die Ergebnisse intensiver Zusammenarbeit.

Die Menschen in Deutschland werden immer älter. Viele von ihnen benötigen Hilfe im Alltag. Trotzdem wünschen sich viele, möglichst lange in ihrer eigenen Wohnung zu leben. Technische Unterstützung gibt es schon heute – oft aber nur als Komplettlösung, speziell entworfen für Neubauten. Wenn aber Katharina (72) und Heinrich Becker (78), fiktive Bewohner im Projektszenario, in ihrer eigenen Wohnung bleiben und dort die intelligente Technik nutzen möchten, muss diese in eine Altbauwohnung von 1965 eingebaut werden.

KogniHome

Eine mitdenkende Wohnung für Jung und Alt entwickeln Thorsten Jungeblut und Britta Wrede im Innovationslabor KogniHome. (Foto: CITEC/Universität Bielefeld)

In dem von CITEC koordinierten Projekt KogniHome, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit acht Millionen Euro gefördert wird, soll eine typische Bestandswohnung der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel modernisiert werden. Die diakonische Einrichtung engagiert sich für Menschen, die auf Hilfe, Unterstützung oder Assistenz angewiesen sind, und ist ein Partner von KogniHome.
Einen Altbau upzugraden, stellt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor Herausforderungen: Die Wohnung in Bielefeld-Bethel ist sehr verwinkelt. Die Wände des Altbaus sind so dick, dass eine Drahtloskommunikation schwierig ist, und Rohre für neue Kabel gibt es nicht. Der alte Grundriss lässt nicht viel Spielraum, um technische Einzelteile zu verstecken.

Rundgang durch die Wohnung der Zukunft
„Nur wenn die Wohnung trotz intelligenter Technik ein Rückzugsort der Familie bleibt, wird sich Smart-Home-Technologie durchsetzen“, sagt Professorin Dr. Britta Wrede, Leiterin des Teilprojekts Digitale Küche und stellvertretende CITEC-Koordinatorin. Im Fokus der Forschung stehen der Eingangsbereich, die Küche und das Wohnzimmer.
In einer Lieferklappe mit eingebauter Kühlung können Zusteller Pakete und bestellte Lebensmittel verstauen. Wenn die intelligente Eingangstür den vereinbarten Besuch eines Handwerkers registriert, kann sie sich selbstständig öffnen, auch wenn Katharina gerade ihren Mann Heinrich zu einem Arzttermin begleitet. Direkt neben der Tür befindet sich ein bodentiefer Garderobenspiegel, der dem Ehepaar Informationen zum Wetter oder zum Busfahrplan geben kann.
Der Spiegel gleicht durch Farbanpassung Heinrichs Rot-Grün-Blindheit aus – die passende Kleidung kann er sich von der vernetzten Ankleide herauslegen lassen. Zusätzlich hilft die Ankleide, den beengten Platz der Wohnung ideal zu nutzen, da sie die Kleidung auf sehr engem Raum verwaltet.
Katharina und Heinrich Becker sind beide vergesslich geworden und trauen sich beim gemeinsamen Kochen nicht mehr so viel zu wie früher. Der „Rezeptspurhalteassistent“ der intelligenten Küchenzeile KogniChef motiviert sie zum Kochen. Sie probieren neue Gerichte aus und bemerken kaum, dass sie durch die Technik fachmännische Unterstützung bekommen. „So können sie selbstbestimmt entscheiden, wann sie was machen möchten. Der Kochassistent läuft dabei diskret im Hintergrund“, sagt Dr. Thorsten Jungeblut. Der Elektroingenieur koordiniert den Innovationscluster KogniHome. „Katharina muss sich keine Sorgen machen, dass der leicht demente Heinrich die Herdplatte oder den Backofen anlässt. Denn die Küche schaltet sich selbst ab, sobald sie bemerkt, dass er nicht zurück an den Herd kommt.“ Die Küchenzeile erkennt auch die Enkelkinder und passt sich in der Höhe an deren Größe an.

Fit halten sich die beiden Senioren mit dem persönlichen Trainer. Er sieht aus wie ein bequemer Fernsehsessel und kann auch so genutzt werden. Darüber hinaus machen die Beckers jeden Morgen und Abend Fitnessübungen mit dem Trainer. Heinrich führt Kraftübungen aus, die der integrierte virtuelle Avatar anleitet. Katharina benutzt den Sessel, um ihre Koordination und Motorik zu trainieren. „Auch für den Ernstfall ist die Wohnung gerüstet. Am Boden befindet sich ein Lichtleitsystem, mit dem sich Katharina und Heinrich auch bei Dunkelheit in ihrer Wohnung zurechtfinden“, erklärt Jungeblut. Dank des virtuellen Avatars, der über Displays in jedem Raum ansprechbar ist, hat das Ehepaar immer einen Dialogpartner, der im Notfall die Angehörigen oder einen Arzt verständigen kann.
Die fiktive Familie Becker lebt im Jahr 2024. Die einzelnen Komponenten werden aber schon heute in den Altbau in Bethel integriert. „Die mitdenkende Wohnung KogniHome soll gleichermaßen von Singles, Familien und Senioren genutzt werden. Dazu führen wir regelmäßig Studien durch, um auf die Bedürfnisse der einzelnen Gruppen angemessen einzugehen“, sagt Britta Wrede. „Auch Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen sollen von unserer Smart-Home-Technologie unterstützt werden. Daher ist die Wohnung in Bethel der ideale Ort, um die verschiedenen Anwendungen zu testen.“

Weitere Informationen: www.kognihome.de

KONTEXT
14 regionale Partner in KogniHome
Im Innovationscluster KogniHome arbeiten 14 Projektpartner gemeinsam an einer vernetzten Wohnung. Neben den Forschungseinrichtungen Fachhochschule Bielefeld, Universität Bielefeld und Universität Paderborn sind elf weitere Unternehmen beteiligt: achelos, BGW Bielefelder Gesellschaft für Wohnen und Immobiliendienstleistungen, v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel, DMW Schwarze GmbH & Co. Industrietore KG, HANNING & KAHL GmbH & Co KG, helectronics GmbH, HELLA KGaA Hueck & Co., Hettich Holding GmbH & Co. OHG, HJP Consulting GmbH, Miele & Cie. KG, Zeitungsverlag Neue Westfälische GmbH & Co. KG.

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