Industrie- und Gewerbebau

© Federico Rostagno / 123rf.com

Nachweislich bessere Gebäude bauen 

Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz gehören zu den wichtigsten Themen, wenn es um den Bau nachhaltiger Gebäude geht. Diese hat auch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) in der neuen Version ihres Zertifizierungssystems für Gebäude vorgestellt. 

Nachweislich bessere Gebäude bauen und betreiben: Mit diesem Anspruch hat die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) eine neue Version ihres Zertifizierungssystems für Gebäude vorgestellt. „Wir haben das DGNB-System so weiterentwickelt, dass es klarer als je zuvor für das Nachhaltigkeitsverständnis der DGNB steht und als Werkzeug dabei hilft, in der Planungs- und Baupraxis die passenden Antworten auf unsere wichtigsten Zukunftsfragen zu finden“, sagt Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB. Die Version 2017 des Zertifizierungssystems ist das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung der DGNB mit den Erfahrungen der letzten Jahre sowie den Marktentwicklungen und -anforderungen rund um das Thema Nachhaltigkeit und der entsprechenden Zertifizierungen.

So hat die DGNB beispielsweise für einen bewussteren Umgang mit Ressourcen und zur Förderung von Materialkreisläufen für eine spätere Wieder- oder Weiterverwendung sogenannte Circular-Economy-Boni bei einer Vielzahl von Kriterien eingeführt. Diese wirken sich positiv auf das Zertifizierungsergebnis aus. Ähnliches gibt es zum Thema Klimaschutz mit den Agenda-2030-Boni für Projekte, die in besonderem Maße zur Umsetzung der Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen beitragen. Um den Zusammenhang einer nachhaltigen Bauweise mit den SDGs herauszuarbeiten und transparent zu machen, wurden darüber hinaus sämtliche Kriterien auf deren Verlinkung zu den Zielen überprüft. Künftig erhält jedes Projekt, das eine DGNB-Zertifizierung erfolgreich abschließt, eine Aussage darüber, inwieweit es einen Beitrag zur Erreichung der SDGs geleistet hat.

„Grundsätzlich stehen die DGNB und das DGNB-System nicht für das Zertifizieren als Selbstzweck, als reines Marketinginstrument oder der Zurschaustellung eines Leadership-Gedankens“, so Lemaitre. „Vielmehr geht es uns darum, mithilfe einer Zertifizierung eine ganzheitliche Qualität umzusetzen. Hierzu zählt ganz selbstverständlich auch die transparente Qualitätskontrolle durch einen unabhängigen und neutralen Zertifizierungsprozess.“

Nachgefragt

„Nachhaltig bauen heißt auch immer Verantwortung übernehmen“

Felix Jansen, Pressereferent Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V., über die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen.

Felix Jansen

Felix Jansen: „Nachhaltigkeit mit all den verbundenen Aspekten wird ein integraler Bestandteil der Planungs- und Baupraxis sein.“
Foto: DGNB

Welche Bewertungsmöglichkeiten eignen sich zum Planen von kreislaufgerechten und ressourcenschonenden Bauten?
Felix Jansen: Die Themen Circular Economy und Ressourceneffizienz sind wichtige integrale Bestandteile der DGNB-Zertifizierung. Gebäude, die ein DGNB-Zertifikat erhalten, haben diese also genauso berücksichtigt wie etwa eine Betrachtung der gesamten Lebenszykluskosten und zahlreiche Kriterien, die die Gesundheit und das Wohlbefinden der Gebäudenutzer fördern. Speziell zu den angesprochenen Themen nutzt die DGNB beispielsweise die bewährte Methode der Ökobilanzierung. Zudem wirken sich eine recyclingfreundliche Materialauswahl und eine rückbaufreundliche Konstruktion positiv auf das Zertifizierungsergebnis aus.

Wie wird heute schon die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen umgesetzt?
Felix Jansen: Ansätze stecken in der Regel in allen DGNB zertifizierten Projekten, weil die Gebäude die genannten Themen eben über die Kriterien innerhalb der Zertifizierung adressieren müssen. Pilotprojekte wie die Triple Zero Gebäude vom ehemaligen DGNB-Präsidenten Werner Sobek zeigen, wie es gehen kann. In der Breite wird das Thema aber noch nicht in dem Maße in der Planungs- und Baupraxis angewandt, wie es wünschenswert wäre.

Welche kreislaufgerechten und ressourcenschonenden Bauprodukte werden schon jetzt beim Bauen verwendet bzw. eingesetzt?
Felix Jansen: Es gibt einige Beispiele von Recyclingmaterialien wie R-Beton, die eingesetzt werden. Auch bei verschiedenen Metallen funktioniert das Prinzip. Bei mineralischen Stoffen ist es schwieriger, weil ein Downcycling stattfindet. Teppiche mit Rücknahmegarantie vom Hersteller sind ein Beispiel, wie Unternehmen das Prinzip der Circular Economy auch unternehmerisch verstanden haben. Nicht vergessen darf man, dass auch unbehandelte Holz- oder andere Naturprodukte in die genannten Kategorien fallen.

Wie wird die Zukunft des Bauens aussehen und wie können sich Regionen und Bauherren als Vorreiter beim nachhaltigen Bauen positionieren?
Felix Jansen: Nachhaltigkeit mit all den verbundenen Aspekten wird ein integraler Bestandteil der Planungs- und Baupraxis sein. Schadstofffreiheit, Ökoeffektivität und ein Fokus auf die Bedürfnisse des Menschen als Gebäudenutzer sind einige der zentralen Merkmale. Grundsätzlich heißt nachhaltig bauen ja immer auch Verantwortung übernehmen – für die Umwelt und den Menschen. Insofern hat derjenige, der wirklich ganzheitlich nachhaltig baut und das nicht nur als Schlagwort sieht, immer etwas Positives, mit dem er sich auch positionieren kann. Wichtig ist, dass die Vorreiter auch über ihr Engagement sprechen und diejenigen informieren oder aufklären, die die Gebäude letztlich nutzen, also zum Beispiel Mitarbeiter und Kunden. Und man darf nicht vergessen, dass eine Nachhaltigkeitszertifizierung in den Großstädten zwar schon Usus ist, wir in vielen Regionen aber noch recht weit am Anfang stehen, und man sich dort als nachhaltiger Bauherr eben auch nach wie vor als Pionier positionieren kann, der bestenfalls zum Nachahmen animiert.