Führungskräfte-Coaching

„Wir haben noch eine Feuerwehrfunktion“ 

Gesundes Führen, Selbstmanagement und Resilienz sind nur wenige Stichworte, die die Soft Skills der modernen Führungskraft beschreiben.  Ein gezieltes Coaching kann dabei helfen, diese, in der modernen Arbeitswelt unerlässlichen emotionalen Fähigkeiten zu entwickeln. 

Matthias Könning

Führungskräftecoach Matthias Könning: „Ein wichtiger Schritt ist die stetige Selbstreflexion.“ Foto: PME

Wer heute Führungskraft ist, braucht ganz andere Fähigkeiten als noch vor zehn Jahren, nicht zuletzt weil die Digitalisierung unsere Arbeitswelt rasant verändert. Im Berufsalltag allerdings kommt es noch zu selten dazu, dass eine Führungskraft ihr eigenes Handeln konsequent hinterfragt und an der Weiterentwicklung ihrer emotionalen Fähigkeiten arbeitet. „Viele Führungskräfte haben wenig Zeit und erwarten knappe Tipps. Sie lernen viel auf Einführungsseminaren, werden aber wenig in der praktischen Anwendung unterstützt“, weiß Führungskräftecoach Matthias Könning von der pme Familienservice Gruppe. Die Bereitschaft zur Selbstreflexion wächst oft erst aus der Not heraus. „Viele Führungskräfte sehen sich zum Beispiel mit einer wiederkehrenden Konfliktsituation mit einem Mitarbeiter konfrontiert und suchen eine Lösung.“

„Mache ich etwas falsch?“
Wie kräftezehrend unausgesprochene Auseinandersetzungen für Teams sind, zeigen etliche Untersuchungen. Schwelende Konflikte vergiften das Betriebsklima und können die Leistungsfähigkeit nachhaltig stören. Sie binden Energie und Kreativität und kosten gerade Führungskräfte einen großen Anteil ihrer Arbeitszeit (bis zu 30 Prozent).

„Mache ich etwas falsch?“ Diese Frage steht für die hilfesuchende Führungskraft oft am Anfang. „Ich arbeite zu Beginn eines Coachings gerne mit einem Modell aus der Resilienzforschung, das den Fokus auf die Persönlichkeitsanteile einer Person lenkt“, erklärt Könning. Der Klient erkennt dabei, ob er oder sie eher analytisch oder einfühlsam, wertorientiert oder auf das Handeln ausgerichtet ist. „Sind Sie zum Beispiel sehr kreativ und fordern von ihren Mitarbeitern immer neue Ideen, können diese sich schnell überfordert fühlen. Dann ist eine „kreative“ Pause sinnvoll, damit sich das Neue setzen und implementieren kann.“ Die Führungskraft müsse dann das eigene Tempo drosseln, damit ihre Teammitglieder mitgehen können und im Rahmen eines ständigen Feedbacks nachfragen, wie es dem Team gerade geht und was den Teamgeist stärken könnte.

Gezielt die Teamressourcen stärken
Ein Coaching kann den Fokus auch darauf legen, wie sich die Ressourcen eines Teams sinnvoller nutzen lassen. „Angesichts der Notwendigkeit, sich als Unternehmen stetig dem Markt anzupassen, ist es entscheidend zu wissen, wie widerstandsfähig mein Team ist und wo ich es stärken kann“, sagt Könning. Vier Faktoren scheinen nach Fritz Zehetner dabei für die Führungsverantwortung besonders wichtig zu sein:
1. Ein Bewusstsein über die eigenen Stärken und Schwächen und über die Vorbildwirkung des eigenen Tuns zu entwickeln.
2. Von einer Motivation getragen zu werden, das Team zu begeistern und umsetzbare Visionen hervorzubringen.
3. Die Fähigkeit, die Mitarbeiter gedanklich mit ins Boot zu nehmen, sie herauszufordern, neue Erkenntnisse zu vermitteln und veraltete Denkmuster aufzubrechen.
4. Jedes einzelne Teammitglied als Individuum wahrzunehmen und dessen Kompetenzen zu nutzen und zu fördern.

Ob diese Faktoren im Arbeitsalltag zum Tragen kommen, kann im Rahmen eines Coachings gut analysiert werden. Immer öfter begleiten Coachs eine Führungskraft einen Tag lang im Job und beobachten deren Arbeitsweise: Wie geht die Führungskraft mit den eigenen Ressourcen um? Wie bringt sie ihr Wissen ein? Wie ist sie zeitlich strukturiert? Welcher Führungsstil ist erkennbar? Wie findet die Kommunikation statt? Im Anschluss wird gemeinsam besprochen, welche Stärken und Potenziale erkennbar sind.

Ein Coaching kann aber auch Online stattfinden. Matthias Könning nutzt dafür die Möglichkeit des Videotelefonats und ein spezielles digitales Tool, das ein systemisches Arbeiten mit dem Klienten möglich macht. „Wir können dabei mit einer Art digitalem Flipchart arbeiten.“

Kurzsupervision im Unternehmensalltag
Eine weitere Möglichkeit, die für viele Firmen noch neu ist, sieht Könning in so genannten Kurzsupervisionen. Diese finden regelmäßig in gut strukturierten Runden mit mehreren Führungskräften statt. „Ein Coach leitet diese Gruppen und gibt Hilfe zur Selbsthilfe, so dass am Ende eine Art Leitfaden für eine interne Supervision entsteht, durch die alle von allen lernen können.“

Wie wichtig das stetige Hinterfragen des eigenen Handelns ist, weiß Könning aus seinem eigenen Arbeitsumfeld. „Wir als Coachs haben regelmäßig Supervisionen und nehmen stetig an Kurzweiterbildungen teil, um unsere eigene Arbeit zu reflektieren.“ Im Unterschied dazu stecken Führungskräfte oft so tief in den Prozessen drin, dass eine Außensicht zumeist komplett fehle. „Im Moment haben wir zu oft noch eine Feuerwehrfunktion. Wir helfen dann, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Auf die Dauer aber lohnt sich für jedes Unternehmen die Investition in ein präventives und konzeptionelles Arbeiten.“

Weitere Informationen: www.familienservice.de

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