Founders Foundation: „Die erfolgreichsten Startups haben über 200 neue Jobs kreiert“

Startup-Experten: Sebastian Borek und Dominik Gross

Vor fünf Jahren ist die Founders Foundation gestartet, um in der Region ein Startup-Ökosystem zu etablieren, das Gründungen vorantreibt und die Zusammenführung von etablierten und neuen Unternehmen ermöglicht, um die digitale Zukunft nach vorne zu bringen. Sebastian Borek, Co-Founder & CEO, und Dominik Gross, Co-Founder & CFO, über bisher Erreichtes und künftige Herausforderungen.

m&w: 2016 seid ihr mit dem Ziel angetreten, in der Region ein gründerfreundliches Ökosystem aufzubauen. Was wurde erreicht und seid ihr mit dem bisher Erreichten zufrieden?

Sebastian Borek: Vor fünf Jahren sind wir hier in der Region in einer Startup-Wüste gestartet. Wir mussten echte Pionierarbeit leisten. Sowohl Aufklärungsarbeit als vor allem auch Inspiration und Begeisterung für das Thema Entrepreneurship! Heute haben wir mit der Founders Foundation ein lebendiges Startup-Ökosystem und eine renommierte Talentschmiede für B2B-Tech-Startups erschaffen und mit unserer Tech-Konferenz Hinterland of Things ist die gesamte Region nicht mehr nur als „Wirtschaftskraft” international auf der Landkarte, sondern eben auch als Heimat von Innovationsgeist und Unternehmerkultur.

Dominik Gross: Ich schließe mich Sebastian da voll und ganz an. Als die Founders Foundation ihre Türen öffnete, hatten wir hier in der Region nur eine Hand voll Startups. Aus dieser Hand voll sind mittlerweile über 120 geworden. Viele davon haben unsere Programme, also die Startup School, das Lab oder den Accelerator, durchlaufen. Wenn diese Teams dann erfolgreich Venture Capital – wie mittlerweile über 27 Millionen Euro – einsammeln, ist es das beste Feedback an uns, dass unser Ausbildungsansatz funktioniert. Und unsere Tech-Konferenz Hinterland of Things ist heute der zentrale Mittelpunkt der hiesigen und internationalen Vernetzung zwischen Hidden Champions und Startups.

Leuchtturm-Event: Zur jährlich stattfindenden Tech-Konferenz Hinterland of Things kommen angehende und bereits erfolgreiche Gründerinnen und Gründer, Weltmarktführer und Hidden Champions sowie Kapitalgeberinnen und Kapitalgeber zusammen.

 m&w: Ein weiteres Ziel der Founders Foundation ist es, den digitalen Nachholbedarf der Unternehmen anzugehen. Wie weit seid ihr schon gekommen?

Dominik Gross: Unser Ziel ist, die nächste Generation von Tech-Unternehmerinnen und –Unternehmern auszubilden und das im deutschen Hinterland. Im Grunde leben wir – mit dem Fokus auf Entrepreneurship – die Gestaltung der gesellschaftlichen Mega-Trends Digitalisierung und Bildung vor. Der Unfair Advantage unseres Hinterlandes ist der deutsche Mittelstand, deshalb setzen wir auch auf B2B-Tech-Startups. Von dem unternehmerischen Mindset und der Agilität der Startups, aber eben vor allem auch von den Produkten, die an der Wertschöpfungskette von Industrieunternehmen ansetzen, profitiert letztendlich auch der Mittelstand. Und auf der Hinterland of Things Konferenz kommen dann diese beiden Welten auf eine neuartige Art und Weise zusammen, tauschen sich aus und vernetzen sich.

Sebastian Borek: Corona ist natürlich der größte Beschleuniger der Digitalisierung für die gesamte Wirtschaft, den es bisher gab. Auch wir merken dies in der Nachfrage unserer Angebote. Unternehmen realisieren, dass ein „weiter so” oder „wie immer” wirklich nicht mehr funktioniert. Damit bewahrheitet sich, dass Krisenzeiten auch die Zeit für Unternehmertum sind. Neue Wege gehen, Neues ausprobieren und „wenn nicht jetzt wann dann” kann beflügelnd wirken für Gründungen, Startups und Innovation. Startups eröffnet sich die Möglichkeit, mit ihren Lösungen etablierten Unternehmen bei dieser Herausforderung unter die Arme zu greifen.

m&w: Neben der Ausbildung von Gründern macht ihr euch für die Vernetzung von new and old business, für die Kooperation von Startups und Mittelstand stark. Was ist bisher geschehen? Woran kann es in der Zusammenarbeit haken?

Dominik Gross: Der Mittelpunkt dieser Vernetzung ist unsere jährliche Tech-Konferenz Hinterland of Things, die das Leuchtturm-Event der Region ist mit wahnsinnigen Strahleffekten. Hier bietet sich den führenden Playern der internationalen Startup-Szene und den Großen der etablierten Wirtschaft die perfekte Plattform für einen gehaltvollen Austausch in familiärer Atmosphäre. Die Startups aus unseren Programmen und dem Ökosystem sind natürlich mittendrin und bekommen hier eine einzigartige Bühne sich zu präsentieren und zu vernetzen! In unserer Hinterland Allianz sind deshalb nicht zufällig namhafte Unternehmen der Region wie beispielsweise Miele, Dr. Oekter, WAGO, Claas, Schüco und viele weitere engagiert!

Sebastian Borek: Und auch unser Hinterland Hackathon bietet eine grandiose Schnittstelle für etablierte Unternehmen mit einem Lean-Startup-Ansatz die eigenen Industrieprobleme zu betrachten und im Idealfall sogar konkrete Lösungsansätze zu entwickeln. Trotzdem ist der Kultur-Clash natürlich ein Punkt, an dem es in der Zusammenarbeit zwischen Startups und Corporates immer mal wieder haken kann: Startups leben eine spontane, dynamische New-Work-Kultur, während mittelständische Unternehmen in der Regel langfristig, in Generationen planen. Sie sind damit nicht immer sofort fit für exponentielle Veränderungen, sondern müssen manchmal schrittweise an Veränderung herangeführt werden. Aber: Alles nur eine Frage des „wie” nicht des „ob”.

m&w: Startups brauchen Kapital, um sich zu entwickeln und zu wachsen. Wie beurteilt ihr die Bereitschaft von Investoren, sich in der Region zu engagieren?

Sebastian Borek: Die Region ist mit rund 120.000 ansässigen Unternehmen einer der spannendsten B2B-Hotspots Deutschlands und ein Eldorado für die Validierung und Markteinführung von B2B-Geschäftsmodellen. Und das wissen auch die Investorinnen und Investoren und schauen deshalb immer genau bei den Startups unserer Programme hin.

Dominik Gross:  Und das resultiert dann regelmäßig in Finanzierungsrunden der Startups durch renommierte Early-Stage Funds wie beispielsweise Creandum, Point Nine, Fly Ventures, neoteq oder Early Bird genauso wie regional agierende VCs wie der HTGF und der Technologiefonds OWL! Zu sehen, dass Kapitalgeber an die Teams und ihre Business Modelle glauben, ist wie gesagt ein starker Proof Point für unsere Arbeit, und knapp 30 Millionen eingesammeltes Funding sprechen für sich.

Das Gründerzentrum: Das Founders Home in Bielefeld

m&w: Wie sieht die Bilanz nach fünf Jahren aus: Wie viele Startups und Jobs sind aus der Founders Foundation hervorgegangen?

Dominik Gross: Die über 50 Startups, die durch unsere Programme wie Lab und Accelerator gelaufen sind, sind heute Unternehmen, die es vor fünf Jahren schlicht noch nicht gab. Die erfolgreichsten von ihnen haben damit alleine über 200 neue Jobs kreiert. Ein anderer wichtiger KPI in dem Kontext ist aber auch die Anzahl der zum Beispiel über 400 Gründungstalente, die durch unser Early-Stage Format der Startup School gelaufen sind. Nicht alle von ihnen haben danach unbedingt selbst gegründet, sondern sind auch als First Employee in bestehende Startups eingestiegen oder haben führende Positionen bei mittelständischen Unternehmen eingenommen. Hier gilt: Sie haben das Entrepreneurial Mindset und die Energie mitgenommen und treiben so die digitale Transformation voran.

Sebastian Borek: Und das ist ja auch erst der Anfang, der Nährboden für alle weiteren Gründungen, die noch folgen. Wir wollen durch unser Wirken erreichen, dass noch mehr Talente sich trauen, die eigenen Ideen anzutesten, umzusetzen, unternehmerisch zu handeln und zu agieren. So ist schon eine riesige Community entstanden und in dieser Community werden noch viele weitere Startups und Jobs entstehen. Denn das Mindset wird weiter getragen und ermöglicht wiederum anderen den Einstieg.

m&w: Im Digital- und Tech-Bereich klagen viele Unternehmen über Fachkräftemangel – ist das auch ein Problem für Gründer, die ihr betreut?

Sebastian Borek: Mittelständler und Startups treffen hier auf das gleiche Problem. Alle Unternehmen sitzen im gleichen Boot, wenn es darum geht, digital-native, technikaffine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen, um das eigene Unternehmen entweder aufzubauen oder zu transformieren. In diesem Punkt fischen alle im gleichen Teich.

Dominik Gross: In diesem „War for Talent” stehen zwei verschiedene Kulturen einander gegenüber, die jeweils mit bestimmten Vorteilen bei Talenten punkten können: Startups können durch eine flexible Arbeitsweise, flache Hierarchien und viel Eigenverantwortung sowie Aufstiegschancen profitieren, während mittelständischen Unternehmen oft größere Möglichkeiten bei finanziellen und materiellen Benefits zur Verfügung stehen. Es ist die Frage: Wonach sucht die individuelle Person? Daraus ergibt sich dann ein Match in die eine oder andere Richtung. Es lässt sich aber bereits klar erkennen, dass diese beiden Kulturen und ihre Benefits sich immer mehr angleichen.

m&w: Was ist für euch persönlich die wichtigste Lektion nach fünf Jahren Startup-Ausbildung in Bielefeld und wo seht ihr die größten Herausforderungen für die Zukunft?

Sebastian Borek: Es ist extrem wichtig, alle mitzunehmen. Man muss zuerst viel Verständnisarbeit leisten, damit man danach auf einer gemeinsamen Ebene über die gleiche Sache sprechen und alle Beteiligten begeistern kann. Dafür braucht man die Art „Leuchtturmmenschen”, die andere mitziehen und ihre Energie nicht verlieren. Und ich glaube stark an das Credo „Wer will, findet Wege – wer nicht will, findet Gründe.” Wenn etwas also nicht funktioniert, gibt es immer mindestens 20 andere Optionen, die man testen kann. Die wichtigsten Lektionen sind also, nicht aufzugeben und die Energie und den Spirit in jeder Situation beizubehalten.

Dominik Gross: Trotz großer Meilensteine stehen wir mit unserer geleisteten Arbeit erst am Anfang. Die Herausforderungen der Zukunft werden größer und kommen schneller. Nehmen wir allein das Ziel, die Erderwärmung nicht über 1,5 Grad ansteigen zu lassen. Laut neuesten Studien erreichen wir auf der Welt bereits 2030 diesen Wert. Ohne technische Innovationen und Startups werden wir in unserer behäbigen Umgebung in Deutschland die Zukunft nicht gestalten können. Technische Megatrends wie zum Beispiel KI oder gesellschaftliche Herausforderungen wie der Klimawandel, Bildung und Gesundheit werden uns treiben. Für die Gestaltung dieser Herausforderungen müssen wir konsequent noch mehr Köpfe und Kapital mobilisieren.

m&w: Wo seht ihr die Startup-Szene in den nächsten Jahren? Besonders im Hinblick auf die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen?

Dominik Gross: Wir sind jetzt an einem nachhaltigen Punkt angekommen, an dem die Startups in der Region so erfolgreich sind, dass sie Vorbild für neue Gründerinnen und Gründer sind und mit ihrem Wirken, die Region weiterentwickeln. Als Beispiel Valuedesk: Das Startup wächst gerade auf 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und so läuft es auch bei anderen. Weil uns diese Frage und damit der Impact unserer Arbeit selbst interessiert, erheben wir momentan Daten, die wir im Laufe des Jahres veröffentlichen werden. Die Startup-Szene vor Ort wird auf jeden Fall ein immer wichtigerer Wirtschaftsfaktor.

Sebastian Borek: Fakt ist, viele Startups stehen mittlerweile erfolgreich und fest auf eigenen Beinen. Sie mieten ihre eigenen Offices, stellen neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein und sammeln Venture Capital ein. Tendenz klar steigend! Damit entstehen auch neue Anreize für Talente, die die Region zum Studium oder für den ersten Job verlassen haben, zurückzukehren. Davon wiederum profitieren die hiesigen Unternehmen… Kurzum: Das Ganze ist ein dynamischer Kreislauf und die Entwicklung lässt uns optimistisch in die Zukunft blicken!

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