FMB – Zuliefermesse Maschinenbau: „Die FMB bildet die Veränderung in der Industrie ab“

Christian Enßle, Head of Cluster FMB, Easyfairs GmbH, Bielefeld

Angesichts der verschiedenen Krisen sind die Herausforderungen im Anlagen- und Maschinenbau groß. Die FMB Zuliefermesse Maschinenbau hat diese Themen im Blick, wie Christian Enßle, Head of Cluster FMB, Easyfairs GmbH, Bielefeld, erklärt.

m&w: Herr Enßle, die Zeiten für Maschinenbauer und Zulieferer sind schwierig. Einkauf und Beschaffung sind kritische Aufgabenbereiche. Bauteile und andere Materialien sind rar. Viele Unternehmen suchen nach verlässlichen Zulieferern, um ihre Wertschöpfungskette zu stärken. Wie reagiert die FMB auf diese Problematik? Können Besucher damit rechnen, hier konkrete Lösungen zu finden?

Christian Enßle: Aber sicher. Probleme der Beschaffung zu beseitigen und Kontakte zu neuen Zulieferern zu vermitteln – genau das ist die Funktion der FMB als Netzwerkmesse. Das war vor 18 Jahren so, bei der ersten FMB, und es gilt unverändert bis heute. Diese Aufgabe ist zurzeit besonders wichtig: Nach einer aktuellen Umfrage des VDMA sehen 87 Prozent der Maschinenbauer ihre Lieferketten merklich oder gravierend beeinträchtigt. Viele suchen deshalb alternative Zulieferer – gern solche aus der Region – oder leistungsfähige Zweitlieferanten. Wir bieten das Forum für diese Suche, mit der die Besucher übrigens schon jetzt beginnen können. Denn über das Online-Tool des „B2B Matchmaking“ bringen wir Aussteller und Besucher bereits im Vorfeld der Messe gezielt zusammen.

m&w: Stichwort Lieferkettengesetz: In den vergangenen Monaten wurde die neue gesetzliche Regelung ausgiebig diskutiert. Es geht künftig um mehr Transparenz in den Lieferbeziehungen und um die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards. Kann die Einbeziehung regionaler Zulieferer die Lösung des Problems sein?  

Christian Enßle: Es ist sicherlich einfacher, das neue Gesetz mit regionalen Zulieferern umzusetzen. Die Wege sind kurz, persönliche Absprachen sind möglich und die Einhaltung von Standards ist in OWL selbstverständlicher als in anderen Regionen der Welt. Ohne die Bedeutung des Lieferkettengesetzes schmälern zu wollen, glaube ich aber, dass andere Aspekte der regionalen Zusammenarbeit – zum Beispiel die Möglichkeit des gemeinsamen Engineerings – mindestens ebenso vorteilhaft sind.  

m&w: Maschinensicherheit ist ein Thema, dem sich die kommende FMB widmet. Warum ist die Thematik so wichtig und welche inhaltlichen Schwerpunkte setzen Sie? 

Christian Enßle: In Zeiten zunehmender Automatisierung und autonomer Produktionsanlagen ist der Schutz der Mitarbeiter besonders wichtig. Außerdem gibt es immer häufiger die Anforderung, die direkte Zusammenarbeit von Mensch und Roboter sicher zu gestalten. Auf der FMB zeigen führende Anbieter von „Safety“-Lösungen wie ABB Stotz-Kontakt, ASO Safety Solutions, Euchner und Sick ihr Programm und ihre Neuheiten für die funktionale Sicherheit von Mensch und Maschine. Und die sicherheitsgerichtete Steuerungstechnik ist ebenfalls prominent vertreten, u.a. mit Beckhoff, Bihl & Wiedemann, Wago und Weidmüller.  

m&w: Auch die Sensorik steht dieses Jahr im Fokus der FMB. Welche technischen Innovationen präsentieren die Aussteller?

Christian Enßle: Ganz generell wird die Sensorik für den Maschinenbau immer wichtiger. Wenn Prozesse automatisiert werden, müssen Sensoren den Ist-Zustand der Maschine oder des Produktes erfassen. Plakativ gesagt: Ohne Sensoren gibt es auf der Maschinenebene keine Digitalisierung und keine Industrie 4.0-Lösungen.
Außerdem wird die Sensorik immer intelligenter, und sie übernimmt neue Aufgaben. Denken Sie nur an die Konzepte der vorbeugenden Instandhaltung, bei denen Sensoren selbsttätig den Zustand der Maschine erfassen und bei Unregelmäßigkeiten das Servicepersonal aktivieren. Solche Lösungen werden auf der FMB zu sehen sein.

m&w: Welche weiteren thematischen Akzente setzen die ausstellenden Unternehmen? 

Christian Enßle: Es ist ja kennzeichnend für die FMB, dass sie das gesamte Spektrum der Zulieferindustrie für den Maschinenbau repräsentiert – als Industriemesse in kompakter Form. Deshalb kann man ohne Übertreibung sagen: Was auch immer der Entscheider in diesem Bereich sucht, er wird passende Ansprechpartner und Unternehmen finden.   

m&w: Wie sieht Ihr Rahmenprogramm für die diesjährige FMB aus? 

Christian Enßle: Das Vortragsprogramm setzt an jedem Tag einen anderen Schwerpunkt: am Mittwoch die schon angesprochene Maschinensicherheit, am Donnerstag steht das Top-Thema Digitalisierung und Industrie 4.0 auf der Agenda, und den Freitag gestaltet ja traditionell der Spitzencluster it´s OWL, diesmal gemeinsam mit dem Mittelstand-Digital Zentrum Ruhr OWL. Traditionell wird die FMB auch für weitere Events genutzt, weil die Maschinenbauer und ihre Zulieferer sowieso vor Ort sind. Das gilt zum Beispiel für die Mitgliederversammlung von owl maschinenbau e.V.

m&w: Wie ist der Buchungsstand für die in wenigen Wochen beginnende Messe? Welche Branchen sind am stärksten vertreten und welche neuen Branchenvertreter werden auf der Messe erstmalig erwartet? 

Christian Enßle: Wir erwarten über 300 Aussteller, die – wie schon erwähnt – das gesamte Spektrum der Zulieferindustrie abbilden. Traditionell am stärksten vertreten sind die Branchen, „Maschinenteile, Baugruppen und Systeme“, Automatisierungstechnik, Antriebstechnik, Halbzeuge aus Metall und Kunststoff sowie Montage- und Handhabungstechnik. Zu den Ausstellern, die erstmalig oder als „Wiederkehrer“ auf der FMB vertreten sind, gehören in diesem Jahr: Hahn Robotics Network, Hansa-Flex, Harmonic Drive, MT Aerospace, SMC, Turck, Wago und Wittenstein. 

m&w: Gibt es Trends, was die Branchenverteilung der Aussteller angeht, oder bleibt das Messeprofil konstant?

Christian Enßle: Natürlich bildet die FMB auch die Veränderung in der Industrie ab. Hier sind vielleicht zwei Trends erwähnenswert. Der eine betrifft die additive Fertigung. Auf der Messe präsentieren sich zehn Anbieter von Rapid Prototyping- und 3D-Druck-Bauteilen. Und zweitens stellen jedes Jahr mehr Unternehmen aus, die neue Geschäftsmodelle in der Zulieferindustrie nutzen – zum Beispiel B2B-Plattformen wie 247 Tailorsteel, Laserhub, Orderspot und Parts on Demand. Diese Unternehmen bieten gerade jetzt, bei den bekannten Problemen in der Lieferkette, eine interessante Alternative für die Beschaffung. Das gilt übrigens auch für Handelshäuser und Distributoren wie Hardy Schmitz und Rubix, die ebenfalls auf der FMB ausstellen. Ein Messebesuch, da bin ich sicher, wird sich auf jeden Fall lohnen. 

 

KONTEXT
Die FMB – Zuliefermesse Maschinenbau findet vom 12. bis 14. Oktober im Messezentrum Bad Salzuflen statt. Mehrere hundert qualifizierte Zulieferer des Maschinenbaus präsentieren hier ihr Leistungsspektrum und ihre Innovationen. Dabei decken sie das komplette Spektrum der Wertschöpfungskette ab und bieten das Potenzial, als Alternativ- oder Zweitlieferant die Zulieferkette zu verstetigen. Interessant ist auch das Vortragsprogramm. Der erste Tag steht unter dem Leitthema „Produktive Maschinen – aber sicher“. Hier geht es um Safety und Security. Der dritte Tag wird traditionell vom Spitzencluster it´s OWL gestaltet – mit spannenden Berichten über Industrie 4.0-Kooperationsprojekte. Das Mittelstand-Digital Zentrum Ruhr OWL beteiligt sich auch am Vortragsprogramm. Diese Landesinitiative macht Erkenntnisse aus dem Spitzencluster für kleine und mittlere Unternehmen verfügbar – und gibt spannende Einblicke aus der Praxis für die Praxis.

 

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