Fachkräftegewinnung und -bindung

Im Cross-Tandem schneller ans Ziel

Das Branchennetzwerk OWL Maschinenbau ist mit dem dritten Cross-Mentoring-Jahrgang zur Fachkräfteentwicklung in technischen Unternehmen der Region gestartet. Von der Effizienz dieses Angebots zur Fachkräftesicherung sind alle Beteiligten überzeugt.

Cross Mentoring

Erfahrungen sammeln im Tandem: Christina Beckhoff und ihre Mentee Ann-Kathrin Bauer.

Gut vier Monate kennen sich die beiden jungen Frauen nun schon: Ann-Kathrin Bauer (25), Berufseinsteigerin und Service-Controllerin bei Lenze SE in Hameln, und Christina Beckhoff, kaufmännische Leiterin im Hause Strothmann Machines & Handling GmbH in Schloss-Holte-Stukenbrock.
Das unternehmensübergreifende Cross-Mentoring des Branchennetzwerks OWL Maschinenbau hat die beiden zusammengebacht. Besser gesagt, das im Vorfeld durch Programmleiterin Dr. Angelika Kipp durchgeführte Matching hat dazu geführt, dass die beiden nun als Mentee und Mentorin ein ganzes Jahr lang ein sogenanntes Tandem bilden. Ziel dieses Projektes ist es, Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger genauso wie erfahrene Fachkräfte in ihrer beruflichen Entwicklung zu unterstützen. „Unser Cross-Mentoring fördert individuelle Kompetenzen und hilft zugleich, fachliche und persönliche Entwicklungsmöglichkeiten zu reflektieren“, beschreibt Dr. Angelika Kipp die Intention des nunmehr dritten Cross-Mentoring-Jahrgangs zur Fachkräfteentwicklung in technischen Unternehmen. Arbeitgeber könnten so ihre Attraktivität steigern und die Bindung der Mitarbeitenden an den Betrieb fördern. Die Arbeit im Cross­Tandem ist zentral. Sie wird im Programm mit einer begleitenden Qualifizierungsreihe in sieben Workshops verbunden und in Kooperation mit Heidrun Strikker, Geschäftsführende Gesellschafterin der SHS CONSULT GmbH, durchgeführt. „Alle Beteiligten haben hier die Möglichkeit, miteinander „auf Augenhöhe“ inhaltliche Themenstellungen, aktuelle Fragen und individuelle Erfahrungen auszutauschen“, so die Trainerin.
Dass das Konzept in der Region auf positive Resonanz stößt, zeigt das Interesse der teilnehmenden Unternehmen. Einige von ihnen sind Wiederholungstäter und nutzen seit dem Start regelmäßig die Möglichkeit, Mitarbeitende als Mentoren oder Mentees partizipieren zu lassen. Dazu gehören auch die Unternehmen Strothmann Machines & Handling GmbH und Lenze SE, die den Nutzen und Mehrwert für ihre Personalentwicklungsstrategie erkannt haben.
Carsten Hilbk, Leiter Controlling bei Lenze und Vorgesetzter von Ann-Kathrin Bauer, ist absoluter Freund solcher Programme. Mit seinem Fachbereich ist er bereits zum dritten Mal dabei. „Mir ist es wichtig, Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Potenzialträger noch besser und sicherer in ihrer Rolle werden. In der aktuellen Situation habe ich Frau Bauer für eine Teilnahme empfohlen, um sie für ihre aktuelle Aufgabe als verantwortliche Service-Controllerin zu stärken. Es liegt mir sehr viel daran, dass die noch junge Mitarbeiterin am Beginn ihres beruflichen Karrierepfades sehr gut integriert und ihrer Rolle und Verantwortung in der Business Einheit Controlling-Service gerecht wird“, beschreibt Carsten Hilbk seine Motivation. Ihre Tätigkeit verlange besondere Fähigkeiten, meist in Zusammenarbeit mit männlichen Kollegen. „Ich möchte verhindern, dass Frau Bauer hier unvorbereitet an Grenzen stößt. Das Mentoring ist ein ideales Instrument, um sie auf ihrem Weg zu begleiten“, so Hilbk. Ideal sei die getroffene Wahl der Mentorin. „Frau Beckhoff ist einen ähnlichen Weg gegangen, von ihren Erfahrungen kann Ann-Kathrin Bauer sehr viel lernen. Zusätzlich punktet das Programm mit den theoretischen Bausteinen der Workshops zu konkreten Themen. Die Kombination aus Theorie und direktem Austausch ist ideal für eine selbstbestimmte Karriere- und Persönlichkeitsentwicklung und damit für eine erfolgreiche Laufbahngestaltung“, so der Chef-Controller, der vor allem eine motivierende Wirkung und Zunahme des Selbstbewusstseins bei Frau Bauer feststellt.
Als Führungskraft sieht sich Hilbk eher im Hintergrund, dennoch schätzt er das Gespräch zu dritt: „Mentee und Mentorin halten einen engen Kontakt, besprechen ihre Themen und mögliche Probleme, um eine Lösung zu finden. Ich selbst bin nicht involviert, muss auch nicht alles wissen, stehe jedoch jederzeit zur Verfügung, wenn es weiteren Gesprächs- und Unterstützungsbedarf gibt.“

Cross Mentoring

In den Workshops werden verschiedene Themen auf unterschiedlicher Art und Weise spielerisch erarbeitet.

Mentee Ann-Kathrin Bauer, die 2011 ihre dreijährige Ausbildung zur Industriekauffrau bei Lenze begann, sah nach Abschluss der Lehrzeit ihre berufliche Zukunft im Controlling. „Das Arbeiten mit Zahlen und Analysen liegt mir und macht mir Spaß“, so die Service-Controllerin. Mit der Aufnahme eines dreieinhalbjährigen Fernstudiums Wirtschaftsingenieurwesen im gleichen Jahr zeigte die ambitionierte junge Frau, dass sie beruflich noch weitere Ziele verfolgte. Worauf ihr Arbeitgeber mit dem Angebot einer neuen Stelle reagierte und ihr für eine Gesellschaft die verantwortliche Leitung des Controllings übertrug.

Erfahrungen sammeln, lernen und austauschen in der Tandembeziehung
„Ich habe diese neue Aufgabe gerne angenommen. Fakt ist jedoch, dass ich hier noch eine Menge Erfahrung sammeln und auch noch Einiges lernen muss. Die Teilnahme am Cross-Mentoring-Projekt hilft mir, mich mit einer außerhalb des Unternehmens stehenden Person auszutauschen und konkrete Themen zu diskutieren. Ich schätze das offene Gespräch mit meiner Mentorin und ihren neutralen Blickwinkel“, beschreibt Ann-Kathrin Bauer, die den Kontakt telefonisch, per Mail und auch persönlich pflegt. Dabei stehen nicht fachliche Themen, sondern situationsgebundene konkrete Anlässe im Fokus. „Wenn ich mir bei einer Entscheidung unsicher bin, hole ich mir bei meiner Mentorin gerne eine zweite Meinung ein. Wichtig ist mir auch zu erfahren, wie zum Beispiel meine Außenwahrnehmung ist und wie ich mein Auftreten verbessern könnte. Ich weiß, dass ich mit meiner Mentorin über diese Themen sprechen kann, weil zwischen uns eine große Vertrauensbasis besteht“, so Bauer.
Bisher jüngste Mentorin im Cross-Mentoring-Projekt ist Christina Beckhoff. Die 27Jährige kann trotz des jungen Alters bereits auf einige Jahre berufliche Erfahrung zurückblicken. Seit zwei Jahren ist sie beim Spezialisten für Handling- und Transportlösungen in der Industrieautomatisierung und Intralogistik tätig. Im Januar hat sie die kaufmännische Leitung übernommen. Ihre bisher eigenen positiven Erlebnisse mit einem Mentor während ihres Studiums waren motivierend, nun selbst diese Aufgabe zu übernehmen. „Einen Menschen, der am Anfang seines Berufslebens steht und weitere Ziele erreichen möchte, zu begleiten, ihm von den eigenen Erfahrungen zu berichten und ihm Lösungen bei eventuellen Problemen aufzuzeigen, dass macht mir Spaß“, beschreibt Christina Beckhoff ihre Motivation. „Ich sehe mich als Vertrauensperson, die in bestimmten Situationen Sicherheit geben kann und ihre unabhängige und ehrliche Meinung sagt. Das lässt sich ganz gut mit dem begleiteten Fahren für 17-Jährige vergleichen“, so die Mentorin. Sie selbst profitiere ebenfalls von der Tandembeziehung: Durch die Begleitung der Berufseinsteigerin eröffne sich ihr ein anderer Blickwinkel, so dass sie auch ihre eigene Perspektive wechseln könne. Der Austausch mit anderen Mentees und Mentoren sei ebenso inspirierend. Wertvoll sei zudem die Möglichkeit, das eigene Netzwerk durch neue Kontakte zu erweitern.
Der unternehmensübergreifende Dialog ist aus Sicht der Beteiligten eine Erfolgsgeschichte. Das gilt auch für die anderen zehn Tandems, die aktuell am Cross-Mentoring-Projekt teilnehmen.

Weitere Informationen: www.owl-maschinenbau.de

KONTEXT
Teilnehmende Unternehmen in diesem Jahr sind: DÜBÖR Groneweg GmbH & Co. KG, Parker Hannifin GmbH & Co. KG, Benteler Business Services GmbH, WAGO Kontakttechnik GmbH & Co.KG, Strothmann Machines und Handling GmbH, Lenze SE, Benteler Steel/Tube GmbH, Diamant Software GmbH, Hettich Management Service GmbH, HARTING Technologie-Gruppe und Kahmann & Ellerbrock GmbH & Co. KG.