Digitale Weiterbildung: Der Vorteil liegt in der Verfügbarkeit

Die Digitalisierung der Arbeitswelt schreitet rasant voran. Wie Unternehmensziele und Bedürfnisse der Beschäftigten vor dem Hintergrund dieser Veränderungen miteinander in Einklang gebracht werden können, untersucht ein Forschungsprojekt der Universität Paderborn.

Besonders rasant sind die Entwicklungen im Bereich der produzierenden Industrie. Mitarbeiter müssen sich an die neuen Umstände anpassen und notwendige Kompetenzen schnellstmöglich erwerben. Die Balance zwischen Mensch, Organisation und Technik gelingt dabei nicht immer. Ziel eines inter- und transdisziplinären Forschungsprojekts ist es deshalb, das volle Gestaltungspotenzial für Unternehmen aufzudecken. Gleichzeitig sollen menschengerechte Ansätze erarbeitet werden, die zu einer erfolgreichen Gestaltung des digitalen Wandels führen. Die Arbeitsgruppe Bildungsmanagement und der Lehrstuhl Wirtschaftspädagogik der Universität Paderborn sind an dem 2018 gestarteten Vorhaben „AWARE“ im Bereich Personalentwicklung beteiligt. Ziel ist es, nachhaltige Konzepte zu entwickeln, die bei der digitalen Weiterbildung auf verschiedenen Ebenen Anwendung finden. Erste Zwischenbilanzen liegen bereits vor.

Konzepte für die digitale Weiterbildung

Prof. Dr. Christian Harteis: „Auf technischer Seite fehlen bislang Standards für Hardware und Software, die einen flächendeckenden Einsatz digitaler Lernangebote im Unternehmen erlauben würden.“

„Wir haben bestehende Angebote der beruflichen Weiterbildung für die digitalisierte Arbeitswelt analysiert“, erklärt Prof. Dr. Christian Harteis, Leiter der Arbeitsgruppe Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Bildungsmanagement und Bildungsforschung in der Weiterbildung. Dazu haben die Wissenschaftler u. a. Interviews mit Human-Resources-Leitungen geführt und Experten aus dem Bereich der Weiterbildung befragt.

Die Zwischenbilanz zeigt:
„Verantwortliche schätzen die Lage der Digitalisierung völlig unterschiedlich ein.“

Außerdem gehe aus den Studien hervor, dass auf technischer Seite bislang Standards für Hardware und Software fehlen, die einen flächendeckenden Einsatz digitaler Lernangebote im Unternehmen erlauben würden. Aufseiten der Personalentwicklung hätte sich eine Diskrepanz zwischen kurzfristigen Abteilungsinteressen, bei denen ad hoc Lernbedarfe auftauchen und bedient werden müssen, und langfristigen Interessen der Beschäftigten im Hinblick auf die eigene Entwicklung ergeben.

 „Viele Einrichtungen konzentrieren sich auf ein spezielles Feld und bieten ein breites Spektrum verschiedener Angebote an. In der Regel vereinen diese Angebote aber keine unternehmensspezifischen und übergreifenden Themen miteinander – hier gibt es einen grundsätzlichen Mangel. Daher haben wir gemeinsam mit Benteler an speziellen Themen der Personalentwicklung gearbeitet, die sowohl auf Führungsbedarfe wie die Durchführung von Mitarbeitergesprächen als auch auf technische und unternehmensspezifische Bereiche ausgerichtet waren“, sagt der Wissenschaftler. „Hier können auf die jeweiligen Bedarfe genauestens zugeschnittene digitale Weiterbildungsangebote nachhaltige Effekte erzielen“, fügt er hinzu.

Wie solche Angebote aussehen können, beschreibt Prof. Dr. Marc Beutner, Lehrstuhlinhaber Wirtschaftspädagogik:

„Der Vorteil digitaler Angebote liegt in der Verfügbarkeit. Sie können flexibel und von beliebig vielen Leuten genutzt werden“

Prof. Dr. Marc Beutner: „Digitale Weiterbildungsangebote können flexibel und von beliebig vielen Leuten genutzt werden.“

„Vor dem Hintergrund oftmals ähnlicher Schulungsinhalte verspricht eine unternehmensübergreifende Konzipierung großen Nutzen. Hinzu kommen neuartige Lernformate wie MOOCs (Massive Open Online Courses) oder Video-Tutorials. Ein Ziel des Pilotprojekts ist die prototypische Implementierung einer Lernplattform. Diese soll auch unternehmensspezifische Sichten auf die Lerninhalte ermöglichen, sodass sowohl unternehmensindividuelle als auch -übergreifende Schulungen angeboten werden können. Lernvideos haben wir schon erstellt. Aufgrund der Corona-Situation wird die Evaluation allerdings noch dauern.“

Beschäftigte in Prozesse einbinden

Die Ergebnisse fließen in die Erarbeitung nachhaltiger Konzepte für eine effiziente digitale Weiterbildung und die Entwicklung von Best-Practice-Modellen ein. Dazu Harteis: „Neben der besseren Synchronisierung bereits vorhandener Weiterbildungsangebote geht es auch um die Identifikation der bisher vernachlässigten Themen der Kompetenzbildung für die Beschäftigten und für den Mittelstand“.

Kontext
Insgesamt erarbeiten die im AWARE-Verbund kooperierenden Partner in acht Teilprojekten Lösungen für eine ebenso technologisch wie organisational und individuell bestmögliche Gestaltung der Arbeit. Konsortialführer ist das Technologie-Netzwerk it‘s OWL – Intelligente Technische Systeme OstWestfalenLippe, in dessen Gesamtstrategie mit AWARE die Säule „Arbeitswelt der Zukunft“ abgedeckt wird. Das Forschungsprojekt, das mit rund 1,8 Millionen Euro vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (MWIDE) gefördert wurde, ist Ende November abgeschlossen worden. Die Ergebnisse sollen demnächst veröffentlicht werden.  
 

Fotos: UNI PB
Beitragsfoto: StartupStockPhotos  auf pixabay