„Die Region hat sehr viel Potential für neue Start-ups“

Interview mit dem Start-up Nation Central (SNC)

Erstmals war in diesem Jahr die Start-Up Nation Central (SNC) auf der Hinterland of Things-Konferenz in Bielefeld zu Gast. Die gemeinnützige israelische Tech-NGO möchte den Technologiestandort Israel stärken und ihre Start-ups unterstützen. Im deutschen Mittelstand sehen die Israeli Potential für gemeinsame Kooperationen. SNC-Geschäftsführer Guy Hilton über unsere Region und Stärken und bisher ungenutzte Möglichkeiten.

Herr Hilton, unsere Region gilt nicht als Hotspot für Gründer. Warum besuchen Sie die „Provinz“ und die Hinterland of Things Konferenz in Bielefeld? 

Guy Hilton: „Wir möchten Brücken zwischen der deutschen und der israelischen Wirtschaft bauen.“

Guy Hilton: Tatsächlich bietet die Region OWL aufgrund der zahlreichen erfolgreichen Unternehmen und Weltmarktführer einen interessanten Hotspot für Gründer. Wir glauben, hier ist ein vielversprechendes Umfeld für die Zusammenarbeit von israelischen Start-ups mit dem deutschen Mittelstand. Die Unternehmen aus der Region stehen für Tradition und Qualität. Israelische Start-ups helfen ihnen, im digitalen Zeitalter Erfolg zu haben. Dies geschieht ganz praktisch durch den Einsatz von passender Spitzentechnologie. Das ist auch die Idee hinter unserer prominenten Rolle bei der Hinterland of Things-Konferenz. Unsere Aufgabe ist es, Brücken zwischen der deutschen und der israelischen Wirtschaft zu bauen, und dafür stellt diese Konferenz den perfekten Startpunkt dar. Außerdem haben wir viel über die Rolle von Bertelsmann und der Founders Foundation gelernt. Ich sehe wirklich viel Potential in OWL.

Sie vertreten 6.000 Start-ups in Israel, die auch international einen sehr guten Ruf haben. Wie beurteilen Sie das Potential der Start-up-Szene in OWL? 

Guy Hilton: Ich war von den vielen neuen Start-ups wirklich beeindruckt, die ich hier getroffen habe. Das Umfeld ist zwar noch recht jung, hat aber unter den richtigen Umständen großes Potential für Wachstum. Ich stelle mir hier konkret die Entwicklung von speziellen Hubs vor, Zugang zu Geldern für junge Gründer, sowie Zugang zu Kunden und Wirksamkeitsnachweise (POCs). Dank der starken Wirtschaft in dieser Region, hat OWL sehr viel Potential für neue Start-ups. Eine immer größere Zahl von etablierten Unternehmen ist sich bewusst, wie bedeutend disruptive Technologien und neue Ansätze sind, und dass diese eingeführt werden müssen. Bertelsmann und die Founders Foundation helfen der regionalen Startup-Szene zweifellos durchzustarten.

Ihr Land ist bekannt für eine technologisch besonders erfolgreiche Start-up-Szene. Was machen Sie dort anders und was können wir von Ihnen lernen?

Guy Hilton: Jedes Land und jede Kultur ist anders, und was an einem Ort funktioniert, funktioniert nicht notwendigerweise woanders. Aber ich denke, es gibt bei uns einige Besonderheiten, die das israelische Ökosystem ausmachen. Zum einen ist in Israel eine Generation junger Menschen aktiv – Ingenieure und Leute von der Produktseite – die sich auf die schnelle Prototyp-Entwicklung spezialisiert hat. Sie profitieren hier von ihrem Dienst bei den israelischen Streitkräften. Und sobald sie aus der Armee entlassen werden, bringen sie ihre Erfahrungen in das zivile Leben ein – manchmal sogar mit der gleichen Gruppe an Leuten. Zum anderen sind wir risikobereit, und tolerieren auch das Scheitern, so lange es schnell wettgemacht und Lehren für das nächste Vorhaben gezogen werden. Das ist zum Großteil eine Frage des Mindsets. Wir sind ein kleines Land, mit wenigen Rohstoffen und einem kleinen Binnenmarkt. Deshalb müssen wir unternehmerisch denken und den Weltmarkt an erste Stelle setzen. Das zeigt sich auch daran, dass Israel die größte Dichte an Start-ups weltweit hat: Auf 1.500 Menschen kommt ein Start-up.

Deutschland ist sehr stark mittelständisch geprägt. Was reizt Sie an diesen Unternehmen und wie könnte eine Kooperation von israelischen Start-ups mit deutschen Mittelständlern aussehen? 

Guy Hilton: Der deutsche Mittelstand ist unter anderem Weltmarktführer in der verarbeitenden Industrie, der Luft- und Raumfahrt und im Automobilsektor. Und in Israel haben wir über 200 Start-ups im Bereich Industrie 4.0, die sich schnell und unkompliziert in bestehende Prozesse einfügen können. Israelische Start-ups bieten einen einzigartigen Mehrwert, damit Deutschlands Schlüsselindustrien ihre globale Marktführerschaft bewahren können, vor allem durch die schnelle Prototypentwicklung von Sensoren, Daten-, und Cyber-Ansätzen. Die Mittelstandsunternehmen stehen für Tradition und Qualität und israelische Start-ups helfen, ins digitale Zeitalter zu starten. Dies geschieht durch passende Spitzentechnologie, die auf ganz praktische Weise eingesetzt wird. Ich denke, das ergänzt sich zu 100 Prozent. Der internationale Wettbewerb wird härter, vor allem durch die USA und China. Deshalb können israelische Start-ups ein wichtiger Partner für deutsche Unternehmen sein, um im globalen Wettbewerb zu bestehen. Sie sind besonders im Bereich der Industrie 4.0 bedeutend, wenn es unter anderem um Bereiche wie die Optimierung von Betriebsabläufen, vorausschauende Wartung, Cybersicherheit, Robotik, 3D-Druck sowie Inspektion und Prüfung geht. An dieser Stelle setzt SNC an und dient als Gateway für deutsche Unternehmen zu israelischen Startups. Die deutsch-israelische Innovationsbrücke besteht seit langem. Nun ist es an der Zeit, diese Partnerschaft weiter zu stärken.

Weitere Informationen: www.startupnationcentral.org

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