AMendate feiert Deal mit Hexagon-Konzern

Das Gründerteam: Gereon Deppe, Thomas Reiher, Steffen Vogelsang und Anne Düchting (v.l.)

Weniger als ein Jahr nach Gründung ihres Unternehmens in der garage33 kann das junge Team der AMendate GmbH auf einen besonderen Erfolg anstoßen: Das Paderborner Start-up konnte mit seiner Software zur vollautomatischen Generierung von Designs im 3D-Druck bei zahlreichen Investoren punkten. Nun haben die Gründer einen Kaufvertrag mit dem schwedischen Konzern Hexagon abgeschlossen, der die innovative AMendate-Technologie am Standort Paderborn weiterentwickeln wird.

Die vier Gründer bleiben mit Herzblut an Bord. Hexagon AB zählt mit knapp 20.000 Mitarbeitern in 50 Ländern zu einem der weltweit führenden Anbieter von Sensoren, Software und autonomen Lösungen Neu in diesem Portfolio ist ab Juli 2019 das ostwestfälische Jungunternehmen AMendate. Nach mehreren Wochen intensiver Gespräche haben sich die Firmen für eine Übernahme von AMendate durch Hexagon entschieden. Das mit übernommene Gründerteam ist nun beauftragt, das sich abzeichnende Wachstum von AMendate in Paderborn zu gestalten.
Eingegliedert wird AMendate bei dem Tochterkonzern MSC Software, der schon seit Jahren Software für den 3D-Druck anbietet. MSC Software, das seinen Hauptsitz im kalifornischen Santa Ana hat, ist eines der ältesten Softwareunternehmen der Welt und seit 2017 Teil von Hexagon.
Die Geschichte von AMendate von der Idee über die Firmengründung bis hin zum -verkauf lief rückblickend wie im Zeitraffer. Die Entwicklung einer Software zur Optimierung bislang aufwändiger Designprozesse für die additive Fertigung startete das vierköpfige Gründerteam während seiner gemeinsamen Zeit an der Universität Paderborn. Im Rahmen seiner Promotion forschte der heutige AMendate-Geschäftsführer Dr. Thomas Reiher im Bereich der Bauteiloptimierung für 3D-Druck am Forschungszentrum Direct Manufacturing Research Center (DMRC). Auf der Suche nach einer einfachen Lösung für den arbeitsintensiven, manuellen Prozess entwickelte er mit dem damaligen Studenten Steffen Vogelsang gemeinsam erste eigene Algorithmen. Diese erzielten bald die gewünschten Ergebnisse, sodass erste Industriekunden Interesse äußerten.
Bestärkt durch positive Rückmeldungen aus Forschung und Wirtschaft wurde das Team um den ebenfalls am DMRC forschenden Dr. Gereon Deppe und die damalige Studentin Anne Düchting erweitert. Die Algorithmen wurden zu einer eigenständigen Software ausgebaut. Gemeinsam stellten sie ihre Idee dem Technologietransfer- und Existenzgründungszentrum der Universität Paderborn, TecUP, vor und bewarben sich mit dessen Hilfe erfolgreich um ein Existenzgründerstipendium. Im Juli 2018 bezogen sie so ihr eigenes Büro in dem Inkubator garage33.
Nach der offiziellen Eintragung als GmbH im Oktober 2018 ging AMendate’s Software bereits im November 2018 mit dem ersten Pilotkunden online. Bei Startup-Wettbewerben der zwei größten relevanten Branchenmessen in Deutschland konnte das Jungunternehmen Siegerplätze erzielen. Ende 2018 wurde AMendate vom Branchenportal 3Dnatives zum innovativsten Start-up für 3D-Druck in Europa gekürt.
Die Erfolge blieben auch von Investoren nicht unbemerkt und so trat neben verschiedenen Finanzinvestoren auch MSC Software an das Gründerteam heran und zeigte Interesse, die Technologie von AMendate zu übernehmen, um sie als Teil des bestehenden MSC-Portfolios zu vertreiben und mit eigenen Softwareprodukten verknüpfen zu können. Dr. Thomas Reiher beschreibt dieses frühe Kaufangebot:

„Von Beginn an haben wir an die Stärke und das Potenzial unserer Idee geglaubt. Die Gründung als Unternehmen war dann der erste Meilenstein. Dass uns jedoch in wenigen Monaten bereits so viele positive Rückmeldungen und reales kommerzielles Interesse erreichte, hat dann aber auch uns überrascht. Ein früher Verkauf der Firma war zwar nie ausgeschlossen, doch so schnell hatten wir eigentlich nicht damit gerechnet.“

Paolo Guglielmini, CEO von MSC Software kommentiert: „Mit seiner Technologie und der cleveren, leistungsstarken Umsetzung trifft AMendate genau den aktuellen Geist der Zeit. Die Entwicklung von neuen technischen Produkten bewegt sich durch Computerunterstützung mehr und mehr von einem manuellen Prozess zu einer automatisierten Entwicklung. Hier adressiert und vereinfacht AMendate direkt wesentliche Hürden der Gestaltung von Bauteildesigns für Firmen, die zu additiven Fertigungsprozessen wechseln möchten. Wir freuen uns, das deutsche Start-up im MSC-Team begrüßen zu dürfen und sind gespannt, was wir gemeinsam noch erreichen werden.“

Dr. Thomas Reiher: „Mit MSC Software haben wir einen der renommiertesten Softwareentwickler der Welt an unserer Seite, der in gleicher Weise an die fortschreitende Entwicklung des automatischen generativen Designs für die additive Fertigung glaubt und unsere Vision weiter unterstützt. AMendate wird weiterhin von Paderborn aus agieren, da die Stärke des IT- und Technikstandorts Ostwestfalen auch bei MSC Software sehr anerkannt ist. Die Nähe zur Universität ist auch für die weitere Entwicklung unserer Firma und Software wichtig.“

Aktuell sucht AMendate nach neuen Mitarbeitern im Bereich der Softwareentwicklung, um neue Funktionen der Software umzusetzen und das Wachstum zu unterstützen.

Weitere Informationen: www.amendate.de

Kontext
AMendate ist ein Team bestehend aus ehemaligen Mitarbeitern der Universität Paderborn, das eine vollautomatische Software zur Topologieoptimierung von technischen Bauteilen mit Fokus auf der additiven Fertigung entwickelt, auch bekannt als „Generative Design“. Durch ihre Arbeit am DMRC, dem Forschungszentrum für die additive Fertigung an der Universität Paderborn, entstand der Gedanke, eine Software zur Ausnutzung der Potentiale dieser vielseitigen Technologie zu entwerfen und Produkte dahingehend zu optimieren. Dies findet sich auch im Namen wieder: AMendate ist eine Kombination aus dem lateinischen Begriff emendatio (die Optimierung) und der Abkürzung ‚AM‘ für den englischen Ausdruck des 3D-Drucks: Additive Manufacturing. Das junge Team hat sich mit Hilfe des Gründungszentrums garage33 erfolgreich um ein EXIST-Gründerstipendium beworben und dort im Juli seine eigene Garage bezogen. Die Software setzt auf einen innovativen Ansatz, der es ermöglicht, nahezu vollautomatisch optimale Bauteilstrukturen in kurzer Zeit zu erzeugen. Grundsätzliches Ziel ist dabei immer die Gewichtsreduzierung bei gleichbleibender Stabilität für die Einsatzbedingungen. Es entstehen organisch wirkende Strukturen mit hoher Zuverlässigkeit im Bauteilbetrieb. Der bisher aufwändige und fehleranfällige Prozess zur Generierung dieser Strukturen ist durch AMendate automatisiert und verbessert worden, sodass innerhalb von Stunden produzierbare Ergebnisse entstehen.